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Stand: 13.11.2014

Dzanga Sangha: Neue Hoffnung im Herzen Afrikas

Mitten im militärischen Konflikt, der die Zentralafrikanische Republik zu zerreißen droht, finden Gorillas, Waldelefanten, Leoparden und Schimpansen Sicherheit an einem außergewöhnlichen Ort: in Dzanga Sangha. Versteckt im Regenwald konnte sich dieses Weltnaturerbe behaupten, gerade auch wegen der kontinuierlichen Arbeit des WWF. Dies ist die Geschichte der Menschen, die dort blieben, die es möglich machen, dass Dzanga Sangha weiter lebt.

Waldelefanten © Krombacher / WWF
Waldelefanten © Krombacher / WWF

Morgendämmerung des 6. Mai 2013: Eine Gruppe schwer bewaffneter Wilderer dringt in den Park ein – in Richtung der Dzanga Baï. Auf dieser einzigartigen Lichtung sind wegen des extrem mineralreichen Bodens immer Waldelefanten, zu jeder Tageszeit, manchmal hunderte gleichzeitig. Auf Lichtungen sind die Elefanten natürlich auch am verwundbarsten für Wilderer. So war es auch an diesem blutigen 6. Mai. 

Gewilderter Elefant © WWF Carpo
Gewilderter Elefant © WWF Carpo

Land im Chaos  

Das Land liegt zu diesem Zeitpunkt im Chaos: Seit Ende 2012 erschüttert der Terror der Seleka-Milizen von Norden kommend die Zentralafrikanische Republik. Die WWF Büros in der Hauptstadt Bangui werden geplündert. Unsere Mitarbeiter versuchen irgendwie weiterzuarbeiten.  

 

Sie wissen: Sie können nicht aufgeben. Schon gar nicht, weil die Seleka weiter nach Bayanga vordringen – die Stadt im Süden, die an Dzanga Sangha grenzt. Dzanga Sangha zu beschützen ist der Hauptauftrag aller Schutzmaßnahmen des WWF im Land. Da ist die enorme Biodiversität auf der einen Seite und die enorme Verwundbarkeit gegen Wilderei auf der anderen. Das ist der Grund zu bleiben.  Selbst in einer Zeit des Leidens. Selbst im Krieg.

Meine Kollegen dachten, ich sei tot  

Die Seleka brauchten nicht lange, um Bayanga zu erreichen. Am 7. April plünderten sie unser Büro. Zwölf Tage später noch einmal.  "Ich gebe zu, ich hatte Angst", erinnert sich Jean-Bernard Yarissem, der WWF-Programm-Koordinator vor Ort. "Die Seleka haben speziell mich gesucht. Ich musste mich im Wald verstecken, ohne Wasser oder Essen. Meine Kollegen dachten, ich sei tot."  

 

Und doch zieht der WWF nicht zurück. Während das Land in Stücke fällt, unterstützen wir weiter unsere Ranger – sie sind weiter auf Patrouille, vor allem an der Dzanga Baï. "Wir waren uns der enormen Verantwortung voll bewusst“, sagt Yarissem. "Die Baï ist ein Geschenk für die gesamte Menschheit. Es war unser Job, alles zu tun um es zu beschützen."   

 

Gemetzel mit Kalaschnikow  

Doch an diesem 6. Mai änderte sich alles. 17 Wilderer aus dem Sudan nutzten die Lage eiskalt aus. "Wir konnten nichts tun", sagt Yarissem. "Sie waren bis zu den Zähnen bewaffnet, Kalaschnikows, Raketenwerfer. Die Elefanten zu beschützen wäre Selbstmord gewesen." Das Gemetzel dauerte 48 Stunden. 26 Elefanten wurden getötet, ihre Stoßzähne herausgeschlagen. Dann verschwanden die Wilderer auf ihren Pick-Ups. Niemand konnte sie aufhalten.  

 

"Meine Frau wollte, dass ich nie wieder zur Arbeit gehe", erinnert sich Flavien Pany, einer der ersten Eco-Guards, die zurückkamen. "Ich erklärte ihr, dass wir zurück mussten. Wir mussten die Baï wieder sichern."

Ecoguard Flavien Pany © WWF Capo
Ecoguard Flavien Pany © WWF Capo

Suche nach Unterstützung  

In Bangui sucht Yarissem währenddessen Unterstützung, von NGOs, von der UNESCO, von der Regierung. Er spricht sogar mit verschiedenen Rebellengruppen. "Wir mussten allen militärischen Mächten erklären, dass wir nicht Teil des Konflikts sind, dass wir nur das Naturerbe verteidigen – und zwar auch für ihre Kinder", sagt Yarisem.      

 

Im September 2013 erklärt die Interimsregierung Bayanga zur Militärregion. Das erlaubt dem WWF direkt mit Behörden zu verhandeln, um Schutz zu bekommen. Ende November gibt es die Einigung. Ein kleiner Militärtrupp der Regierung rückt an. Die Dzanga Baï ist gerettet.   

 

Ein halbes Jahr später öffnet Dzanga Sangha wieder für den Tourismus. Bis jetzt kommen die Besucher nur spärlich, aber diese kleinen Schritte sind trotzdem riesig. Bei unserem Besuch im September zeigt uns Flavien die Baï – seine Baï. Wir sind überwältigt. Hundert, vielleicht mehr Elefanten sehen wir in der Morgendämmerung. Mütter mit ihren Babies, mit Gesten unendlicher Zärtlichkeit. Die Rufe der Bullen echoen aus dem Wald. Es ist die ultimative Schönheit der Welt, geschützt vor dem schlimmsten, was es auf dieser Welt gibt.  "Nach dem Massaker holt sich die Natur ihre Rechte zurück", sagt Flavien. "Versteht ihr jetzt, warum wir es beschützen müssen?"   

 

Alexandre Brecher

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