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Stand: 01.06.2017

Ein Anwalt für die BaAka - Was Menschenrechte mit dem Regenwald zu tun haben

Diskriminierung, Ausbeutung, Gewalt: Im Kongobecken verliert ein indigenes Volk nicht nur die Grundlage seiner gesamten Kultur, sondern sieht sich auch beinahe alltäglich schweren Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt. Der WWF unterstützt die BaAka im Kampf um ihre Rechte.

Früher lebten die BaAka tief in den dichten Regenwäldern Zentralafrikas und fanden hier alles, was sie zum Leben brauchten - einschließlich ihrer traditionellen Medizin. Heute haben die Indigenen oft kaum eine andere Wahl, als gegen einen Hungerlohn auf fremden Feldern arbeiten zu gehen. Brauchen sie einen Arzt, müssen sie sich Geld leihen und es zu Wucherzinsen zurückzahlen.


Die BaAka werden von der Mehrheitsbevölkerung, den Bantu, als Menschen zweiter Klasse betrachtet, ihre Traditionen und Lebensweise völlig missachtet. Dem stand das indigene Volk ohne Zugang zur Justiz und ohne jegliche politische Teilhabe lange Zeit machtlos gegenüber. Deshalb hat der WWF gemeinsam mit anderen Organisationen ein Menschenrechtszentrum für die BaAka ins Leben gerufen.

Menschenrechtszentrum im Herzen des Kongobeckens

BaAka in Zentralafrika © OrigiNations
BaAka in Zentralafrika © OrigiNations

Das Dorf Bayanga liegt mitten im Regenwald des Schutzgebietes Dzanga-Sangha, ganz im Süden der Zentralafrikanischen Republik. Bayanga ist das größte Dorf der Region und Wohnort, nicht nur für die BaAka, sondern zum Beispiel auch für die alteingesessenen Sangha-Sangha-Fischer. Seit 2015 sorgt in Bayanga nun ein Menschenrechtsbüro für Veränderungen von historischem Ausmaß. Die BaAka finden hier Rechtsberatung und einen Menschenrechtsanwalt, der sie zu Polizei und Justiz begleitet. Zum ersten Mal überhaupt werden sie – und andere benachteiligte Gruppen – sich ihrer Rechte bewusst und wagen es, diese einzufordern.

Präzedenzfälle schaffen

Junges BaAka-Paar © OrigiNations
Junges BaAka-Paar © OrigiNations

Die juristische Hilfe für die BaAka reicht weit über das Menschenrechtszentrum und das Dorf Bayanga hinaus. Ein Netzwerk von Beobachtern arbeitet auch in anderen Dörfern, klärt hier über grundlegende Menschenrechte auf und meldet Missbräuche ans Menschenrechtszentrum.
Seit Eröffnung des Zentrums in Bayanga konnten verschiedene Fälle bis in höhere gerichtliche Instanzen gebracht und strafrechtlich verfolgt werden. Es ist das erste Mal, dass solche Straftaten ihren Weg vor zentralafrikanische Gerichte finden, und ihre Verfolgung schafft Präzedenzfälle für das ganze Land.

Baka, BaAka oder Bayaka?

Die BaAka - auch Bayaka genannt – leben in den Grenzregionen der Zentralafrikanischen Republik (Dzanga-Sangha) und der Republik Kongo. Sie sind eng verwandt mit den Baka aus dem Südosten Kameruns. Beide Volksgruppen werden auch als Pygmäen bezeichnet. Beide sehen ihren Lebensraum, ihre Kultur und ihre Rechte in ähnlicher Weise bedroht. Genau wie die BaAka in Dzanga-Sangha unterstützt der WWF die Baka in Kamerun ebenfalls bei der Wahrung ihres kulturellen Erbes und ihrer Menschenrechte. So sorgt der WWF auch in Kamerun für wichtigen Rechtsbeistand und kämpft dafür, dass die Baka hier endlich als Minderheit anerkannt werden und die entsprechenden Rechte zugesprochen bekommen.

Geburtsurkunden für die BaAka

Der Zugang zur Justiz ist wichtig, aber nicht alles. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Menschenrechtszentrums unterstützen die BaAka auch außerhalb der Gerichte bei vielen Konflikten und sie schaffen mehr Bewusstsein für die Rechte indigener Völker bei der Mehrheitsbevölkerung – durch Kampagnen im Radio oder zum Beispiel durch die Arbeit mit Autoritäten wie Verwaltungsbeamten, Polizei oder Militär.

 

Ein weiterer, entscheidender Schritt ist die Einführung von Geburtsurkunden für die BaAka. Diese besiegeln eine legale Existenz und bilden die Grundlage der Wahrnehmung staatsbürgerlicher Rechte.

Ndima-Kali - Wenn die Jugend ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt

BaAka mit Kamera © OrigiNations
BaAka mit Kamera © OrigiNations

Ndima-Kali heißt eine Gruppe von Jugendlichen aus elf verschiedenen BaAka und Sangha-Sangha-Dörfern. Schon der Name spiegelt die beiden Kulturen wider: Ndima bedeutet in der Sprache der BaAka Wald. Kali bedeutet Fluss bei den Sangha-Sangha, ebenfalls eine kulturelle Minderheit der Region. Gefunden haben sich die Jugendlichen in einem vom WWF geförderten Projekt zum Erhalt ihrer wertvollen Traditionen und ihres Kulturerbes. Entwickelt hat sich daraus weit mehr. Heute ist die Jugendgruppe Ndima-Kali wichtiger gesellschaftlicher Akteur der Region und hat Ende 2016 einen eigenen Verein gegründet.  Zum Schutz ihrer Kultur gehört für die Jugendlichen auch, die Verteidigung ihrer Rechte selbst in die Hand nehmen zu können und das Wissen und Bewusstsein darüber weiter zu geben. Das tun sie in Videos und Theaterstücken, in Workshops, Diskussionsveranstaltungen und durch eigens entwickelte Bildungsmaterialien. Mit ihrem Einsatz erreichen die jungen Männer und Frauen einen Großteil der Bevölkerung Dzanga-Sanghas und tauschen sich inzwischen auch mit Jugendlichen anderer Minderheiten und Länder aus.

Das Projekt wird finanziell unterstützt vom BMZ – dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

 

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