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Stand: 20.07.2015

Vier Jahre Medizinboot im Kongo: Eine Erfolgsgeschichte

Lebenswichtige Medikamente, Geburtshilfe und sogar Operationen: Im Kongo leistet ein kleines, einfaches Boot die Hilfe, die an allen Ecken und Enden fehlt. Was hat das Medizinboot auf seinen langen Flussfahrten inzwischen geleistet? Warum musste es eines Nachts plötzlich selbst gerettet werden? Und was hat das Ganze mit Umweltschutz zu tun? 

Das einfache Holzboot, das als schwimmende Krankenstation den Kongo und seine Nebenflüsse in Zentralafrika befährt, ist inzwischen besser ausgestattet als die Krankenhäuser in der nächsten Provinzstadt. Das ist auch nötig in einer Region, in der medizinische Versorgung Mangelware ist. „Die Menschen leiden teilweise an Infektionskrankheiten, die eigentlich nicht schwer zu behandeln sind, an denen sie aber sterben, weil der Staat sich viel zu wenig um das Gesundheitssystem kümmert“, erklärt Afrika-Referent Johannes Kirchgatter vom WWF Deutschland. 

Tausende verdanken dem Medizinboot ihr Leben

Auf dem Wasserweg ist es möglich, auch völlig abgelegene Dörfer erreichen, in denen es sonst weder Arzt noch Medizin gibt. In den vier Jahren seines Bestehens hat das Medizinboot hier schon tausende Menschenleben gerettet: Was 2011 als  vorsichtiger Versuch zu helfen begann, hat sich zu einem schier unglaublichen Erfolg entwickelt. Etwa 20.000 Menschen sind inzwischen auf dem Boot behandelt worden – und es gab 928 Operationen! Denn zur Einrichtung gehört neben modernen Geräten und vielen dringend benötigten Medikamenten auch ein Operationszelt, das in jedem  Dorf aufgebaut wird, in dem das Boot anlegt.  „Ein großer Erfolg ist außerdem die fachkundige Betreuung von Schwangerschaften und Geburten“, erzählt Kirchgatter. „Durch das Medizinboot ist die Mütter- und Kindersterblichkeit in der Region drastisch gesunken - von vorher 13 Prozent auf nur noch etwa ein Prozent!“ Zwei Ärzte, zwei Krankenpfleger und eine Hebamme sind fester Teil der Bootsbesatzung. 

Das Vertrauen wächst

Wie sehr die Menschen im Kongobecken inzwischen mit dem Medizinboot verbunden sind, zeigt eine nächtliche Rettungsaktion im Dezember 2014. Zwei Fischer hatten das Boot auf dem Kongo treibend entdeckt. Schnell wurde ihnen klar: Es ist niemand an Bord. Unter Einsatz all ihrer Kräfte zogen sie das schwere Boot an Land und liefen noch in derselben Nacht über 20 Kilometer zu Fuß, um einen der Ärzte zu verständigen. Eine Belohnung lehnten sie ab – schließlich sei es ihr Medizinboot.
Dieses Medizinboot, das für die lokale Bevölkerung inzwischen so wichtig geworden ist, dass sie selbst Verantwortung dafür übernimmt, wird gefördert vom WWF Deutschland und vom Evangelischen Kirchenkreis Dortmund. Dessen Partnergemeinde aus dem Ort Bolenge im Nordwesten der Demokratischen Republik Kongo betreibt das Boot.
Doch warum fördert der WWF eine schwimmende Krankenstation? Was hat ein Medizinboot mit Naturschutz zu tun?

Die vielen Facetten des Umweltschutzes

Das Medizinboot versorgt die Bewohner am Rande des vom WWF initiierten Ngiri-Schutzgebietes im Kongo, einem der größten Sumpfwälder Zentralafrikas. „Die Überschwemmungswälder sind ökologisch von großer Bedeutung – nicht zuletzt für unser Klima“, erklärt Johannes Kirchgatter vom WWF. „Nur mit den Menschen vor Ort gemeinsam kann es uns gelingen, diese wertvolle Region vor der Ausbeutung zu schützen.“ Doch die lokale Bevölkerung hat durch große Armut und mangelnde ärztliche Versorgung zunächst ganz andere Probleme, als sich für den Erhalt der Wälder und der vielen hier lebenden Arten einzusetzen. Die Menschen kämpfen um ihr eigenes Überleben. „Der WWF hilft ihnen heute direkt bei ihren schlimmsten Nöten“, sagt Kirchgatter. „Dadurch haben die Menschen Vertrauen gefasst und verstanden, dass der Naturschutz ihnen nichts wegnimmt, sondern im Gegenteil dafür sorgt, dass sie auch in Zukunft noch von der Natur leben können.“

Gemeinsam mit dem Medizinboot kommen nun zum Beispiel Fischerei-Experten in die Dörfer, die mit der Bevölkerung verbindliche Regeln zum nachhaltigen Fischfang entwickeln. 

Johannes Kirchgatter, WWF-Afrikareferent © Percy Vogel / WWF

"Wenn man in ein Dorf kommt, in dem die Menschen reihenweise an Malaria und anderen eigentlich gut behandelbaren Krankheiten sterben, kann man nicht als erstes über nachhaltigen Fischfang oder andere Naturschutzmaßnahmen reden, das wäre ja absurd." (Johannes Kirchgatter, WWF)

Wie geht es weiter?

19 große Fahrten hat die schwimmende Krankenstation seit 2011 hinter sich. Mittlerweile lassen sich sogar andere Ärzte auf dem Medizinboot fortbilden. Diese Erfolgsgeschichte soll fortgesetzt werden. „Der WWF hat das Medizinboot in die weitere Planung des Ngiri-Projekts einbezogen – die Finanzierung der nächsten Jahre ist gesichert“, berichtet Kirchgatter. „In Zukunft bietet das Team außerdem auch fachkundige Unterstützung in der Familienplanung, um eine nachhaltige Entwicklung zu ermöglichen.“ Doch nicht nur Ärzte, Pfleger und Medikamente müssen bezahlt werden, sondern auch die Gehälter der Bootsführer, Treibstoff, neue Außenbordmotoren und die Instandhaltung des Schiffes. Die Menschen vor Ort können vorerst nur einen kleinen, eher symbolischen Teil der Kosten aufbringen. Das zeigt einmal mehr, wie wichtig die Arbeit des WWF und seiner Partner wie dem Kirchenkreis Dortmund im Kongo ist.

 

(Von Stephanie Probst)

Wertvolle Sumpfwälder

Das Ngiri-Schutzgebiet liegt in einem etwa 7000 Quadratkilometer großen Dreieck aus den Flüssen Kongo, Ubangi und Ngiri. Es ist Teil des größten Überschwemmungswaldes der Erde, durchzogen von unzähligen Wasseradern und während der Regenzeit zu zwei Dritteln überflutet. Die Sumpfwälder sind ökologisch sehr bedeutsam, gerade zu Zeiten des Klimawandels. Wie ein riesiger Schwamm nehmen sie das Wasser zur Regenzeit auf und geben es dann ganz langsam wieder ab. Gleichzeitig gibt es riesige, moorähnliche Flächen, die gigantische Mengen Kohlenstoff speichern. Nicht zuletzt beherbergt das Gebiet außerdem eine enorme Artenvielfalt. Am Rand der Wälder, in der Pufferzone des Schutzgebietes, liegen 70 Dörfer, mit denen der WWF eng zusammen arbeitet.

Das Schutzgebiet ist auf Initiative des WWF entstanden und ein Projekt der Internationalen Klimainitiative IKI, finanziert vom deutschen Umweltministerium (BMU). Gemeinsam mit dem Kirchenkreis Dortmund und deren Bolenge-Partnergemeinden vor Ort, sowie der staatlichen Schutzgebietsverwaltung ICCN führt der WWF eine Vielzahl von Maßnahmen für Mensch und Natur in der gesamten Region durch.

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