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Regenwälder Zentralafrikas: Zonierung gegen Raubbau

Regenwald in Zentralafrika. © Kalpesh Latigra / WWF
Regenwald in Zentralafrika. © Kalpesh Latigra / WWF

Welche Wälder in der Demokratischen Republik Kongo sollen künftig geschützt und welche bewirtschaftet werden? Der WWF unterstützt das kongolesische Umweltministerium bei der Erstellung eines umfangreichen Zonierungsplanes für den Wald des ganzen Landes.

 

Im Kongo-Becken wachsen nach Amazonien die zweitgrößten zusammenhängenden Regenwälder der Erde. Sie erstrecken sich von den Küstenländern Kamerun, Gabun, Äquatorial-Guinea und Kongo über die Zentralafrikanische Republik, die Demokratische Republik Kongo bis nach Uganda, Ruanda und Tansania. Die Demokratische Republik Kongo (DRK) hat an diesen Wäldern immer noch den größten Anteil. Die Gesamt-Waldfläche des Landes inklusive der trockeneren Waldformationen beträgt nach neueren Forschungsergebnissen etwa eine Million Quadratkilometer – eine Fläche größer als Frankreich und Deutschland zusammen.

 

Nach Jahren des Bürgerkriegs ist das Land total verarmt. Wirtschaft, Verwaltung und politische Institutionen  liegen danieder und müssen mühsam wieder aufgebaut werden. Immerhin konnten im Juli 2006 die ersten freien Wahlen abgehalten werden. Angesichts der katastrophalen humanitären Situation (16 Millionen von 50 Millionen Einwohnern der DRK hungern) und der unbefriedeten Sicherheitslage in den östlichen Provinzen stellt sich die Frage, welche Rolle dem Naturschutz in diesem zerrütteten Land zukommt. 

 

Die Wälder der DRK sind unbestreitbar die größte natürliche Ressource des Landes. Die wertvollen Edelhölzer sind allerdings nur ein Teil dieser Ressource. Diese Wälder sind generell als Rohstofflieferant und Wasserspeicher für das Leben großer Teile der Bevölkerung wichtig. Doch vielerorts ist der Druck auf diese Wälder sehr groß geworden, denn die verarmte Landbevölkerung braucht immer mehr Ackerland, das durch Brandrodung gewonnen wird. Wildtiere werden zur Fleischversorgung gejagt. Eine weitereGefahr droht diesen Wäldern durch Investoren aus dem Bergbau- und Holzsektor. So besitzen Konzessionäre Einschlagslizenzen für sehr große Waldflächen. Bewirtschaften solche Firmen ihre Konzessionen planlos und ohne verbindliche Vorgaben für eine schonende Nutzung, führen auch ihre Aktivitäten zu den typischen Problemen wie Wilderei, Buschfleischhandel, und Übernutzung durch illegale und legale Einschläge.

 

Kleine Fortschritte im Naturschutz

Trotz all der Probleme hat die kongolesische Regierung in den vergangenen fünf Jahren einige Reformen im Waldsektor in Gang gebracht. Hierzu gehören:

  • die Verabschiedung eines moderneren Waldgesetzes, das das völlig veraltete Kolonialgesetz von 1949 (!) ersetzte,
  • die Rücknahme von unrechtmäßig erteilten Einschlagslizenzen ergänzt durch ein Moratorium über die Erteilung neuer Nutzungstitel seit 2002 sowie
  • eine Prüfung der Legalität der bestehenden Nutzungstitel der Konzessionäre mit dem Ziel der Umwandlung in neue legale Titel nach dem neuen Waldgesetz.

Zur Zeit stehen neun Prozent des kongolesischen Waldes unter strengem Naturschutz. Die kongolesische Regierung hat das Ziel, diese Fläche auf 15 Prozent auszudehnen Die Frage stellt sich allerdings, wo die neuen Naturschutzgebiete wie Nationalparks oder Reservate liegen sollen. Welche Wälder brauchen dringend mehr Schutz? Sei es, weil sie einzigartig sind, besonders seltene Arten aufweisen oder bereits bestehende Naturschutzgebiete ergänzen und verbinden könnten? Und welche Rolle soll der großen Fläche von Wäldern zukommen, die nicht unter Naturschutz stehen? Nach dem neuen Waldgesetz der DRK können sie entweder eine wichtige „strategische Reserve“ für die Zukunft darstellen und einen Nutzen für lokale Gemeinden bieten. Oder industriell im Rahmen eines Forst-Managementplanes von Konzessionären bewirtschaftet werden – mit einem Nutzungsrecht für 25 Jahre.

 

Der WWF ist der Auffassung, dass ein Nebeneinander dieser drei unterschiedlichen Kategorien möglich ist – dies betrifft auch die so genannte industrielle Waldbewirtschaftung, wenn sie sich nach den Nachhaltigkeits-Standards des Forest Stewardship Council (FSC) ausrichtet. Die Frage ist also nicht „ob“, sondern „wie“ eine Nutzung praktiziert wird und wie gerecht die Wälder der DRK nach dem neuen Waldgesetz auf die verschiedenen Kategorien verteilt werden.

 

Ein zweiter Aspekt ist die Bedeutung der Wälder für die lokale Bevölkerung, der es erlaubt sein muss, ihre eigenen Nutzungsinteressen wahrzunehmen. Dies betrifft besonders indigene Gruppen wie die verschiedenen Pygmäenvölker in der DRK.

 

Der Knackpunkt: Die genannten Waldkategorien stehen bislang nur auf dem Papier des Waldgesetzes. Bislang gibt es nämlich keine landesweite Zonierung der Wälder in der DRK. Ebenso wie bei den meisten anderen Verwaltungsaufgaben ist die DRK allein nicht in der Lage, eine solche Zonierung landesweit durchzuführen.

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