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Stand: 29.02.2016

So hilft der WWF den BaAka

Die BaAka (gesprochen: Bayaka) gehören zu den ältesten Völkern der Erde. Seit Jahrtausenden leben sie als Jäger und Sammler in den Regenwäldern Zentralafrikas. Doch die Zerstörung und Plünderung der Wälder vernichtet ihre Lebensgrundlage. Um das Kultur- und Naturerbe des indigenen Volkes zu schützen, hat der WWF 2012 den BaAka-Fund eingerichtet. Ziel ist es, ihre Rechte zu stärken und sie bei der Erhaltung  ihres Wissens und ihrer  Traditionen zu unterstützen. Der WWF bindet die BaAka im Schutzgebiet Dzanga-Sangha aktiv in die Naturschutzarbeit ein und schafft nachhaltige Verdienstmöglichkeiten.

Angehörige der BaAka im Dzanga Sangha Gebiet © Percy Vogel / WWF
Angehörige der BaAka im Dzanga Sangha Gebiet © Percy Vogel / WWF

Der Wald rettet Leben

"Der Wald rettet unser Leben und befreit uns aus der Armut", sagt Jean Kemani, ein BaKaa aus dem Dorf Yenga im Osten Kameruns. Er litt jahrelang an einem chronischen Leistenbruch, doch für die Behandlung hatte er kein Geld. Kemani ist einer von über 700 BaAka, die in Yenga leben. Im Gegensatz zur Mehrheitsbevölkerung der Bantu-Ethnien haben sie meist kein finanzielles Einkommen und sind komplett vom Wald und den natürlichen Ressourcen abhängig.

 

Der WWF unterstützte die BaAka in Zusammenarbeit mit der kamerunischen Regierung bei der Errichtung des ersten, modellhaften "Community Forest" - ein 500 Hektar großes Gebiet im Umfeld des Lobeke Nationalparks. Die BaAka können den Wald selbst verwalten und bewirtschaften und tun dies sehr erfolgreich. Neben der traditionellen Nutzung von Wildtieren, Honig oder Heilpflanzen, können sie auch erstmals selbst Holz aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung verkaufen. Das Geld, das sie damit zwischen 2012 und 2014 erwirtschaftet haben, wird auf 10.800 Dollar geschätzt. Davon konnten sie Schulsachen für die Kinder kaufen, bessere Wohnverhältnisse schaffen und einen Brunnen zur Trinkwasserversorgung graben lassen. Außerdem hat sich die medizinische Versorgung dank der Einnahmen enorm verbessert. So konnte auch Kameni endlich operiert werden. Das Modell macht Schule: Auch dank des WWF werden jetzt ähnliche „Community Forests“ in anderen Ländern des Kongobeckens eingerichtet, in der DR Kongo wurden dieses Jahr die rechtlichen Grundlagen für potentiell Millionen Hektar solcher „Community Forests“ geschaffen.

Bewusstsein für Schulbildung

Schule im Projektgebiet des WWF © WWF
Schule im Projektgebiet des WWF © WWF

Unsere Arbeit mit den BaAka ist, wie in vielen anderen Projekten auch, auf Hilfe zur Selbsthilfe ausgerichtet. Im Jahr 2013 hat der WWF ein Bildungsprojekt in Kamerun ins Leben gerufen, um möglichst vielen BaAka-Kindern den Besuch einer Schule zu ermöglichen. Die Schwierigkeit lag vor allem darin, die Eltern zu überzeugen, ihre Kinder in die Schule zu schicken. Nicht nur die Armut hielt sie davon ab, sondern auch das Fehlen von speziellen BaAka-Schulen. Die Einstellung der Eltern hat sich mittlerweile gewandelt, das bestätigen auch die Statistiken. Nach einem Bericht von CEFAID, einer lokalen NGO, wurden im Schuljahr 2014 / 2015 insgesamt 318 BaAka-Kinder an Schulen angemeldet, 51 mehr als im Vorjahr. Auch die Zahl der Kinder, die zu den jährlichen Prüfungen zugelassen sind, stieg von 118 im Jahr 2014 auf 170 im Jahr 2015.

 

In der zentralafrikanischen Republik geht der WWF jetzt den nächsten Schritt: Hier werden mit Partnern Schulheime für jugendliche BaAka eingerichtet, damit sie auch weiterführende Schulen besuchen können. So gibt es zukünftig Ärzte, Anwälte und Lehrer aus dem Volk der BaAka und sie können ihre Interessen besser selbst vertreten.

 

Die Bereitschaft ist da, doch die Lernbedingungen sind zum Teil noch unzureichend. Ein Beispiel: In Assoumndele im Osten Kameruns stürzte 2015 die einzige Schule zusammen. Seitdem werden die 67 Schüler in einer heruntergekommenen Hütte unterrichtet. Nyamazoh Geovani, der Lehrer der Schule, sorgt sich: „Nach dem Zusammenbruch des Klassenzimmers, haben wir vom Chief dieses Gebäude bekommen. Aber die Bedingungen sind miserabel. Wenn es regnet, tropft es von der Decke und die Schüler können nicht lernen." Für ein neues Dach reicht das Geld nicht. Die Armut stellt die BaAka noch immer vor große Herausforderungen. Eins der wichtigsten Ziele ist es daher, verlässliche Einkommensquellen zu schaffen. 

Gemeinsam für den Naturschutz

Indigene BaAka © Weihrauch
Indigene BaAka © Weihrauch

Für ihre halbnomadische Lebensweise sind die BaAka auf ein intaktes Ökosystem angewiesen. Doch die Wälder des Kongobeckens sind fast vollständig leer gejagt. Skrupellose Wilderer rauben den BaAka die Lebensgrundlage und gefährden bedrohte Tierarten. Sie jagen sogenanntes „Bushmeat“ und verkaufen es in großen Mengen bis in die Großstädte. In den vom WWF betreuten Nationalparks sind deshalb Sonderzonen für die traditionellen, naturschonenden Nutzungsformen der BaAka eingerichtet. Hier kommen noch gesunde Populationen aller Tierarten vor, zum Beispiel die kleinen Duckerantilopen, die die BaAka seit Jahrhunderten nachhaltig jagen. Der WWF unterstützt zudem den Einsatz staatlicher EcoGuards. Sie sollen die Gesetze zum Schutz der Wildtiere und der natürlichen Ressourcen durchsetzen.

 

Einer von ihnen ist Awouma Petit Jean. Der Vierzigjährige kennt den Lobeke Nationalpark wie seine Westentasche. Seit 1999 begleitet er als Fremdenführer Touristen durch die Wälder und ist stolz auf seine Arbeit: „Während der Touren sehen wir Elefanten, Bongo-Antilopen, Menschenaffen und Büffel – ein unglaubliches Erlebnis für die Touristen. Ich sage ihnen, wie sie sich verhalten sollen, wenn bestimmte Tiere in der Nähe sind. Die meisten Besucher schätzen meine Arbeit sehr und empfehlen mich sofort weiter." Awouma kann als Touristenführer seine Familie ernähren und den Kindern eine Schuldbildung ermöglichen.

 

Als Teil des EcoGuard-Teams unterstützt er den WWF außerdem dabei, den Wildtierbestand aufzunehmen und wichtige Daten zu sammeln. Awouma nutzt sein Wissen auch, um andere BaAka für die Bedeutung des Parks und den Naturschutz zu sensibilisieren. Als Anerkennung für seine Arbeit hat der WWF ihm ein Haus als „Dienstwohnung“ gebaut. „Das ist das Beste, was mir als Touristenführer passieren konnte. Meine Familie ist durch das Haus gut geschützt. Der Wald ist mein Leben. Der Naturschutz hat für unser Gebiet so viel Gutes bewirkt. Davon profitieren alle BaAka“, sagt er.  Doch Awouma sieht auch die vielen Herausforderungen, vor denen die Gemeinschaft noch steht, allem voran die Bildung und die Gesundheitsversorgung.

 

In Dzanga-Sangha in der Zentralafrikanischen Republik baut der WWF mit lokalen Partnern deshalb modellhaft ein umfassendes mobiles Gesundheitsprojekt auf, das alle BaAka im Projektgebiet, aber auch die Vertreter anderer Ethnien, erreichen und versorgen soll.

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