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Stand: 01.06.2017

Der Wald kann sie nicht mehr ernähren - Hilfe für die Baka

Niemand kennt die Regenwälder im Kongobecken so gut wie sie: Leben und Kultur der indigenen Baka sind ganz auf das Leben im Dschungel ausgerichtet. Doch die fortschreitende Zerstörung nimmt den Indigenen jegliche Grundlage. Der WWF hilft mit alternativen Einkommen und dem Zugang zu Schulbildung.

Angehörige der BaAka im Dzanga Sangha Gebiet © Percy Vogel / WWF
Angehörige der BaAka im Dzanga Sangha Gebiet © Percy Vogel / WWF

"Der Wald rettet unser Leben und befreit uns aus der Armut", sagt Jean Kemani, ein Baka aus dem Dorf Yenga im Osten Kameruns. Er litt jahrelang an einem chronischen Leistenbruch, doch für die Behandlung hatte er kein Geld. Kemani ist einer von über 700 Baka, die in Yenga leben. Im Gegensatz zur Mehrheitsbevölkerung der Region haben sie meist kein finanzielles Einkommen und sind komplett vom Wald und den natürlichen Ressourcen abhängig. Aber die Wälder hier sind nicht mehr das, was sie einmal waren und Kemani und sein Volk brauchen dringend Alternativen, um zu überleben. 

 

Beispiel Kamerun: Traditionelle Waldnutzung in neuem Rahmen

Schule im Projektgebiet des WWF © WWF
Schule im Projektgebiet des WWF © WWF

Die Baka verfügen über Jahrtausende alte Erfahrungen darin, den Wald nachhaltig zu nutzen. Der WWF unterstützte das indigene Volk deshalb in Zusammenarbeit mit der kamerunischen Regierung bei der Errichtung des ersten "Community Forest" - ein 500 Hektar großes Gebiet im Umfeld des Lobeke Nationalparks. Die Baka können den Wald selbst verwalten und bewirtschaften und tun dies sehr erfolgreich. Neben der traditionellen Nutzung von Wildtieren, Honig oder Heilpflanzen verkaufen sie nun auch Holz aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung. Von dem Geld können sie Schulsachen für die Kinder kaufen, bessere Wohnverhältnisse schaffen und Brunnen zur Trinkwasserversorgung graben lassen. Außerdem hat sich die medizinische Versorgung dank der Einnahmen enorm verbessert. So konnte auch Kameni endlich operiert werden.

Gemeinsam für den Naturschutz

Indigene BaAka © Weihrauch
Indigene BaAka © Weihrauch

Rund um die betreuten Schutzgebiete im Kongobecken arbeitet der WWF an der Entwicklung von Einkommensalternativen – nicht nur für die Baka, sondern für die gesamte Bevölkerung. Die Verbesserung der Landwirtschaft, ein gezielter Aufbau von Vieh- und Fischzucht, nachhaltige Waldnutzung sowie der Aufbau von Ökotourismus tragen inzwischen erheblich zum Einkommen von Tausenden von Menschen in den WWF-Projekten bei. Für die indigenen Volksgruppen der Baka und auch der BaAka geht es hier aber um noch weitaus mehr als das reine Einkommen. Es geht auch darum, nicht mehr aus Not für einen Hungerlohn ausgebeutet zu werden. Es geht um die Wertschätzung und Anerkennung der indigenen Kultur, von traditionellen Kenntnissen und Fähigkeiten. Und nicht zuletzt geht es darum, dass wirksamer Naturschutz nur mit den Menschen vor Ort gemeinsam gelingen kann.

Die auch als „Pygmäen“ bezeichneten Indigenen nennen sich in Kamerun Baka, in der Zentralafrikanischen Republik BaAka oder Bayaka. Es sind verschiedene Volksgruppen, doch miteinander verwandt und vom gleichen Problem bedroht: Dem Verlust ihres Waldes und ihrer Traditionen. Der WWF arbeitet eng mit allen Indigenen zusammen, die in WWF-Projektregionen leben.

Beispiel Dzanga-Sangha: Wie die BaAka dem WWF helfen

Das Schutzgebiet Dzanga-Sangha im Süden der Zentralafrikanischen Republik ist eine der wichtigsten Ökoregionen der Erde und beherbergt viele seltene Arten - so wie etwa 3000 der letzten Westlichen Flachlandgorillas. Um die ganze Art zu retten, werden einige der Gorillas habituiert, also vorsichtig an den Menschen gewöhnt. Doch dafür muss man sie erst einmal finden – und ihnen dann Monate, wenn nicht Jahre lang täglich folgen, um sich jedes Mal ein Stückchen weiter anzunähern. Wer könnte das besser als die BaAka, die hier seit Jahrtausenden mit den Gorillas leben? Der WWF bindet sie deshalb aktiv in die Projekte vor Ort ein. So profitiert der Naturschutz von den BaAka, und die BaAka vom Naturschutz, der ihnen ein Einkommen verschafft und ihre Lebensgrundlagen dauerhaft sichert.

Habituierung von Menschenaffen

Ein wichtiger und erprobter Weg, um Gorillas und die gesamte Natur um sie herum zu schützen ist der Öko-Tourismus. Denn so lohnt es sich für die einheimische Bevölkerung, Tiere und Regenwald am Leben zu erhalten. Weltweit werden Gorillas genauso wie beispielsweise Bonobos und Schimpansen habituiert, damit Touristen sie – immer noch aus einiger Entfernung – besser beobachten können. Außerdem lassen sich die Menschenaffen so besser erforschen. Der WWF verzeichnet damit große Erfolge, was sich an wachsenden Beständen ablesen lässt.

Für das Überleben lernen: Schulheime im Regenwald

Auch eine bessere Schulbildung ist wichtig im Kampf gegen Armut und Ausbeutung. Doch gerade weiterführende Schulen sind für die Kinder der BaAka häufig nur schwer zu erreichen und kaum mit dem immer noch semi-nomadischen Lebensstil zu vereinen. In der Zentralafrikanischen Republik geht der WWF deshalb nun einen wichtigen Schritt und richtet gemeinsam mit Partnern vor Ort (ADIH und SMA) Schulheime ein. Hier können die indigenen Jugendlichen aus weit entfernt liegenden Dörfern während der Woche wohnen und müssen die Schule auch dann nicht unterbrechen, wenn ihre Eltern für längere Zeit durch die Wälder ziehen. So wird es zukünftig auch Ärzte, Anwälte und Lehrer aus dem Volk der BaAka geben und sie können ihre Interessen und Menschenrechte besser selbst vertreten. Der wichtige Zugang zu Bildung verhilft den indigenen Völkern des Kongobeckens nicht nur wirtschaftlich zu einer Zukunft und schützt sie vor Ausbeutung. Bildung schafft auch ein stärkeres Selbstbewusstsein, ermöglicht gesellschaftliche Teilhabe und hilft dem Fortbestehen der gesamten, einzigartigen Kultur.

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