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Zehn neu entdeckte Arten am Mekong

Der glatzköpfige Bülbül. © Iain Woxvold / WWF
Der glatzköpfige Bülbül. © Iain Woxvold / WWF

Der glatzköpfige Bülbül

Schon 1995 sah der britische Biologe Rob Timmins den eigenartigen Singvogel zum ersten Mal in Südostasien. Doch erst dreizehn Jahre danach konnte er den amselgroßen Glatzkopf vermessen und ausführlich beschreiben. Ironischerweise wurde er den Bülbüls zugeordnet, die als Haarvögel bezeichnet werden und sich durch einen extravaganten Federkopfschmuck auszeichnen. Nicht so jedoch der Pycnonotus hualon – sein Köpfchen ist kahl.

 

Aber auch bei Vögeln gilt das Aussehen als überwertet. Optische Schwächen versucht der kleine Glatzkopf mit seiner Stimme auszugleichen. Seinen Gesang beschreibt Timmins als „eine kurze Serie von Pfeifen und trockenen, blubbernden Rufen“.

 

Die Bülbüls gehören zu der Familie der Nachtigallen. Der Pycnonotus hualon ist aber der heimliche Star unter ihnen, denn er ist in ganz Asien der einzige mit einer Glatze.

Das Annamitische Streifenkaninchen. © Trinh Viet Cuong / WWF
Das Annamitische Streifenkaninchen. © Trinh Viet Cuong / WWF

Das Annamitische Streifenkaninchen

Mehr als 500 verschiedene Säugetierarten haben in Südostasien ihr zu Hause. 430 von ihnen leben auch in der Mekong-Region. Der vom WWF veröffentlichte Mekong-Report beschreibt wissenschaftliche Neuentdeckungen seit dem Jahr 1997. Allein in den letzten zehn Jahren wurden hier zudem 13 neue Säugetierarten entdeckt, so wie das Annamitisches Streifenkaninchen.

 

Im Jahr 2000 beschrieben Wissenschaftler erstmalig Nesolagus timminsi. Entdeckt wurde es aber nicht in der Wildnis, sondern bizarrer Weise auf einem Lebensmittelmarkt in Laos. Der britische Biologe Rob Timmins übersandte seinen Fund – drei tote Exemplare – an ein Labor der Universität von East Anglia. Die Untersuchung ermittelte eine nahe genetische Verwandtschaft zu dem 1.500 Kilometer entfernt lebenden Sumatra-Kaninchen. Annamiten und Sumatra Kaninchen werden daher gemeinsam in der Gattung der Streifenkaninchen zusammen gefasst.

Der Lippenstift-Gecko. © Ngo Van Tri / WWF
Der Lippenstift-Gecko. © Ngo Van Tri / WWF

Der Lippenstift-Gecko

Kein Wunder, dass er so lange unentdeckt geblieben ist. Der Dixonius aaronbaueri wird nur bis zu 36 Millimeter groß. Beim aufmerksamen Dr. Thomas Ziegler, Kurator am Kölner Zoo, erregte das kleine Reptil jedoch großes Interesse. Ziegler konnte den Kleinen erstmalig wissenschaftlich beschreiben. Besonders charakteristisch für den Lippenstift-Gecko ist neben seiner Winzgröße ein dunkler Strich entlang seines Gesichts.

 

Hauptsächlich ist er in der Mekong-Region zu finden, vereinzelt auch in Vietnam. Das kleine Reptil wurde der Familie der „leaf-toed“ Geckos zugeordnet, weil seine Füße die Form von Ginkoblättern besitzen. Obwohl er erst 2009 entdeckt wurde, gilt er schon jetzt als vom Aussterben bedroht. Neu errichtete Straßen und Dämme dringen zunehmend in die Lebensräume der Reptilien ein und zerstören sie.

Der Psychedelische Gecko. © L. Lee Grismer / WWF
Der Psychedelische Gecko. © L. Lee Grismer / WWF

Der Psychedelische Gecko

Der Cnemaspis psychedelica schimmert in den schillerndsten Farben: Rot, orange, grün, gelb und violett. Ist der überhaupt echt? Das schienen sich auch die Wissenschaftler gedacht haben, die den Psychedelischen Gecko 2011 erstmalig beschrieben haben. Wie sonst ist dieser Name zu erklären? Die Frage nach seiner Echtheit muss vielleicht schon in ein paar Jahren anders beantwortet werden. Noch lebt er, ja, doch bei dem Gecko handelt es sich um eine endemische Art mit einem äußerst begrenzten Lebensraum. Insgesamt drei Individuen wurden bislang von ihm gesichtet –ausschließlich auf einer einzigen von 92 Inseln der vietnamesischen Rach Gia-Bucht im Golf von Thailand. Diese Insel Hon Khoai ist nur etwa acht Quadratkilometer groß und mit Mangrovenwäldern bewachsen.

Der stupsnasige Elvis-Affe. © Martin Aveling / Fauna and Flora Int.
Der stupsnasige Elvis-Affe. © Martin Aveling / Fauna and Flora Int.

Der stupsnasige Elvis-Affe 

Der King lebt. Und zwar abgeschieden in den Wäldern von Kachin, einer burmesischen Provinz entlang des südlichen Himalajas. Nur handelt es sich beim 2011 erstmalig beschriebenen Rhinopithecus strykeri um eine seltene Primatenart – den „Elvis-Affen“. Von Wissenschaftlern erhielt er den Spitznamen „Snubby“ aufgrund seiner Stupsnase. Eigentlich, so erzählen die Bewohner von Kachin, sollte es ganz einfach sein, den Affen zu entdecken. Man müsse sich dabei nur auf seine Ohren verlassen. Denn immer wenn es regnet, sei er zu hören, wenn er auf den Bäumen sitzt und laut niest. Seiner charakteristischen Stupsnase verdanke er es, dass ihm bei Niederschlägen das Wasser in das Riechorgan läuft.

 

Um diese evolutionäre Unannehmlichkeit zu vermeiden, vergräbt der Elvis-Affe bei Regen seinen Kopf zwischen die Knie. So versteckt er dann auch die einzelne Haartolle, die ihm ins Gesicht fällt und der er auch seinen Beinamen „Elvis“ verdankt. So ganz leicht, wie die Einheimischen es behaupten, kann es aber dann doch nicht sein, den ulkigen Primaten zu entdecken. Ein Foto existiert von ihm bislang nicht, sondern lediglich eine Zeichnung.

Der Vögel fressende Fangzahn-Frosch. © David S. McLeod / WWF Greater Mekong
Der Vögel fressende Fangzahn-Frosch. © David S. McLeod / WWF Greater Mekong

Der Vögel fressende Fangzahn-Frosch

Seit 1967 untersuchen Forscher bereits den Dschungel in der thailändischen Provinz Nakhon Ratchasima. Der Lemnonectes megastomias ist ihnen aber mehr als 40 Jahre durch die Lappen gegangen. Erst 2007 war es soweit und der kuriose Frosch wurde der Wissenschaft präsentiert. Er gilt nicht nur unter Zoologen als eine wahre Sensation. Das liegt an seinen beiden Zähnen, die ihm aus dem Unterkiefer wachsen. Er wird als ein ausgesprochener Opportunist beschrieben, zumindest was die Wahl seiner Nahrung betrifft. Auf seinem Speiseplan stehen neben Insekten auch die eigenen Artgenossen. Die Wissenschaftler gehen sogar davon aus, dass der etwa handflächengroße Frosch Vögel jagt, denn einige Exemplare wurden mit verräterischen Federn im Gesicht gesehen.

 

Wenn das nicht schon kurios genug wäre, erlangte der Fangzahn-Frosch in Thailand zusätzliche Bekanntheit, als er 2009 Teil einer Kriminalgeschichte wurde. Eine Kiste mit drei Exemplaren der seltenen Spezies wurde aus einer Zuchtstation gestohlen. Ob hier Amphibiensammler involviert waren ist nicht bekannt.

Die größte Riesenkrabbenspinne der Welt. © Petra & Wilfried / Creative Commons
Die größte Riesenkrabbenspinne der Welt. © Petra & Wilfried / Creative Commons

Die größte Riesenkrabbenspinne der Welt 

In einer Felsenhöhle in der Volksrepublik Laos hat der Zoologe Dr. Peter Jäger vom Senckenbergmuseum Frankfurt sie entdeckt: Die größte Riesenkrabbenspinne der Welt. Sie besitzt eine Beinspannweite von bis zu 30 Zentimetern. Die vorderen Gliedmaßen sind von der Hüfte aus leicht nach vorn gedreht. Der Ähnlichkeit zu den Krabben verdankt sie auch ihren Namen.

 

Die Heteropoda maxima wurde im Jahr 2007 erstmalig beschrieben. Obwohl Dr. Jäger schon zuvor ein totes Exemplar im Tiefspeicher des Naturkundemuseums in Paris gesehen hatte. Er plante daraufhin eine Forschungsreise nach Laos, in der Hoffnung, die Spinne lebendig zu finden. Jäger befürchtete, sie könnte bereits für immer ausgestorben sein. Doch er hatte Glück und konnte drei Exemplare fangen und untersuchen.

Die sich selbst klonende Eidechse. © L. Lee Grismer / WWF
Die sich selbst klonende Eidechse. © L. Lee Grismer / WWF

Die sich selbst klonende Eidechse

Insgesamt 28 neue Reptilienarten konnten in der Mekong-Region 2010 erstmalig beschrieben werden. Unter ihnen war auch Leiolepsis ngovantrii. Äußerlich ist die Eidechse vielleicht nicht besonders spektakulär. Für die Wissenschaft jedoch gilt sie als eine absolute Sensation. Denn die Vertreter sind ausschließlich weiblich – Männchen benötigen sie nicht. Zur Fortpflanzung klont sich die Echse einfach.

Vietnamesische Wissenschaftler haben das spezielle Reptil in einem Restaurant entdeckt. Dort wurden mehrere Exemplare lebend zum Verkauf angeboten. Dr. Lee Grismer und sein Sohn Jesse untersuchten die Reptil-Damen anschließend in der Universität Kansas. Insgesamt 70 Stück wurden seither im „Binh Chau-Puoc Buu“ Naturreservat gezählt – allesamt weiblich.

Die weiß und orange schimmernde Orchidee. © Duong Toan / WWF
Die weiß und orange schimmernde Orchidee. © Duong Toan / WWF

Die weiß und orange schimmernde Orchidee

Im aktuellen Mekong-Report 2010 werden 145 Pflanzenarten neu beschrieben. Die Orchidee Dendrobium daklakense ist eine von ihnen. Sie besitzt weiße und orange schimmernde Blütenblätter. Die Orchidee wurde von lokalen Pflanzenexperten gepflückt und zur Überprüfung nach London zu Wissenschaftlern des „Royal Botanic Garden“ in Kew verschickt. Die Forscher untersuchen noch immer die Abstammung und die Verbreitung der Blüte. „Es ist schon außergewöhnlich, dass eine solche auffallende Spezies sich bislang der Entdeckung entzogen hat“, staunte Dr. Andre Schuiteman, Orchideenexperte des Kew Garden. Die Dendrobia gelten als besonders gefährdet und anfällig für Veränderungen innerhalb ihrer Biotope.

Fleischfressende Pflanze (Nepenthes andamana). © Marcello Catalano / WWF
Fleischfressende Pflanze (Nepenthes andamana). © Marcello Catalano / WWF

Fleischfressende Pflanzen

Bei den 2011 entdeckten Nepenthes andamana und Nepenthes holdenii handelt es sich nicht um Raubtiere im klassischen Sinne, aber trotzdem um Fleischfresser – genauer gesagt um Kannenpflanzen. Forscher fanden sie jeweils in Thailand und in Kambodscha. Sie wurden bislang ausschließlich in sehr geringer Anzahl und nur innerhalb ihrer jeweiligen Biotope gesehen, daher gelten sie als endemisch und sehr selten.

 

Kannengewächse funktionieren wie Fallgruben. Die Innenränder der Kannen sind fein gerillt und glatt. Rutschen Insekten oder auch kleine Säugetiere dort hinein, können sie sich mit eigener Kraft nicht mehr befreien und werden mit Hilfe eines Sekrets aus organischen Säuren und Enzymen verdaut.

   
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