WWF Deutschland

http://www.wwf.de/


Content Section

Mekong – Asiens Garten Eden in Gefahr

4.300, 5.200, 800.000 – so könnte man den Mekong beschreiben. 4.300 Kilometer legt der Fluss auf seiner Reise von der Quelle auf dem tibetischen Hochplateau bis zum Delta im Chinesischen Meer zurück. 5.200 Höhenmeter bewältigt er dabei. Wegen dieses enormen Höhenunterschiedes heißt er in China „Lancang Jian“, der turbulente Fluss. Rund 800.000 Quadratkilometer ist das Einzugsgebiet des Flusses, und damit mehr als doppelt so groß wie Deutschland.

Mekong-Riesenwels. © Zeb Hogan / WWF-Canon
Mekong-Riesenwels. © Zeb Hogan / WWF-Canon

Die Lebensader Südostasiens

Im gesamten Einzugsgebiet des Mekong kommen etwa 830 verschiedene Säugetiere, rund 2.800 Vögel sowie 900 Amphibien und Reptilien vor. Besonders wichtig für die circa 60 Millionen Menschen, die entlang des Flusses leben, sind jedoch die über 1.300 Fischarten. Doch die Abholzung in den Wassereinzugsgebieten, die ständige Ausweitung landwirtschaftlicher Nutzflächen und zunehmende Verschmutzung der Natur bedrohen die einzigartige biologische Vielfalt der Region und gefährden die Lebensgrundlage vieler Menschen.

 

Der WWF arbeitet seit mehr als 20 Jahren in der Mekong-Region. Die Projekte greifen in den Bereichen Wald, Wasser und Artenschutz ineinander. Ziel ist es, die biologische Vielfalt zu erhalten und den ökologischen Fußabdruck des Menschen zu verringern.

 

Über das „Greater Mekong Programme“ (GMP) ist der WWF in Kambodscha, Laos, Thailand und Vietnam aktiv. Das GMP konzentriert sich auf die Süßwasserökosysteme des Mekong-Einzugsgebietes, die Waldgebiete Kambodschas und Thailands sowie das Annamiten-Gebirge an der Grenze zwischen Laos und Vietnam. Diese Regionen bergen die höchste Biodiversität Kontinentalasiens. Zugleich zählt ihre Bevölkerung zu den ärmsten Südostasiens.

Zum Vergrößern bitte klicken! © WWF

Wasserkraftanlagen bedrohen die Artenvielfalt

Bedroht wird die Artenvielfalt auch durch geplante Wasserkraftanlagen am Unterlauf des Flusses. Mit einer mittleren Abflussmenge von 16.000 Kubikmetern pro Sekunde fließen durch den Fluss enorme Wassermengen – mit die höchsten weltweit. In der Regenzeit verdreifachten sich diese sogar. Bisher ist der Unterlauf noch unverbaut. Noch.

 

„Zurzeit ist es die Volksrepublik Laos, die sich als Energielieferant für die gesamte Region etablieren und ihr großes Wasserkraftpotenzial zu Geld machen möchte“, sagt Marc Goichot. Der Geograf arbeitet seit mehr als zehn Jahren für den WWF in der Mekong-Region. Schlecht geplante Wasserkraftanlagen zählen zu den größten Gefahren des Mekongs. Darum setzt sich der WWF für ein zehnjähriges Moratorium für den Bau von Staudämmen im Mekong-Hauptarm ein. Erst müssen die Auswirkungen der Dämme auf die Natur erforscht werden, dann kann man über deren Bau nachdenken. Alles andere wäre ein Lotteriespiel um die Lebensgrundlage von Mensch und Tier.

Fischerei nachhaltig gestalten

Ein WWF-Projektgebiet an der laotisch-kambodschanischen Grenze ist durch den Bau von zwei Wasserkraftwerken bedroht. Auf fast 150 Kilometern befindet sich dort eines der artenreichsten und ökologisch stabilsten Feuchtgebiete Südostasiens. Und für viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten, wie den Mekong-Riesenwels oder den Sunda-Marabu, das letzte Rückzugsgebiet.

 

Die Region, in der es mehr als 200 Fischarten gibt, ist für die Fischerei im gesamten Mekong zentral. Aktuelle Studien haben gezeigt, dass Fischfang und Aquakultur im unteren Mekong im Durchschnitt Erträge von jährlich rund 2,5 Millionen Tonnen liefern. Doch ist bei einigen Nutzfischarten der Bestand seit dem Jahr 2000 um bis zu 70 Prozent zurückgegangen. Der WWF unterstützt deswegen den Aufbau von Gemeindefischereien, stellt Boote und für die Ausweisung der Schutzgebiete bereit, fördert den Dialog zwischen Fischern und Regierungsvertretern und führt biologische Bestandsaufnahmen durch.

Schutzgebiete vernetzen

Im Grenzgebiet von Mittelvietnam und Südlaos wurden seit 1997 mehr als 1.500 unbekannte Tier- und Pflanzenarten entdeckt. Bereits in den 1990er Jahren war der WWF im Bach Ma Nationalpark auf vietnamesischer Seite aktiv. Jetzt gehören in Mittelvietnam weitere Schutzgebiete dazu, unter anderem auch zwei Areale, in denen das erst 1992 entdeckte und vom Aussterben bedrohte Vietnamesische Waldrind Saola vermutet wird. Mittlerweile bilden die beiden Saola-Schutzgebiete wichtige Mosaiksteine eines mehr als 200.000 Hektar großen Schutzgebietsnetzwerks, das sich bis nach Laos erstreckt.

 

Trotz der Ausweisung der Schutzgebiete ist die größte Gefahr noch lange nicht gebannt. „Wir müssen vor allem die Wilderei und den illegalen Handel mit Buschfleisch beenden, sonst nützt das beste Reservat nichts“, sagt der  promovierte Zoologe Ngoc van Thinh, WWF-Naturschutzdirektor in der alten Kaiserstadt Hue in Vietnam. Buschfleisch gilt bei Städtern und vietnameischen Touristen als Delikatesse.

© Kabir Backie / WWF-Greater Mekong
© Kabir Backie / WWF-Greater Mekong

Wälder des Tigers retten

In den ausgedehnten Wäldern zwischen Thailand und Myanmar liegt eines der Hauptverbreitungsgebiete des Indochinesischen Tigers, von denen es in Thailand nur noch 200 wildlebende Exemplare gibt.

 

In Kambodscha bieten nur noch die Trockenwälder im Osten des Landes ausreichend Lebensraum für eine zweite Population des Indochinesischen Tigers. Doch sind sich die Fachleute einig, dass sich der Tigerbestand in Kambodscha nicht von alleine erholen wird. Daher plant der WWF, Tiger aus anderen Ländern in die Trockenwälder Kambodschas umzusiedeln. Jetzt muss nur noch die kambodschanische Regierung von diesem Vorhaben überzeugt werden.

Der WWF im Dialog. Mach mit und stelle deine Fragen!
  • Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Pinterest
  • drucken
   
Unterstützen Sie
den WWF
Unterstützen Sie
den WWF