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Stand: 08.01.2014

Schwarze Raucher: Hexenkessel der Tiefsee

In der ewigen Dunkelheit der Tiefsee blieben sie lange Zeit verborgen – die steinernen Türme, aus deren Spitze schwarzer "Rauch" herausbrodelt. Doch dank so mancher U-Boot-Expedition wissen wir heute: Diese Schlote sind Ventile unserer Erde. Sie speien heißes, giftiges Wasser in den kalten Ozean. Und schufen auf diese Weise den wohl fremdartigsten Lebensraum der Erde.

Schwarzer Raucher in der Nähe der Galapagos Inseln © UCSB, Univ. S. Carolina, NOAA, WHOI.

Schwarze Raucher entstehen an den Schwächezonen der ozeanischen Erdkruste - meist dort, wo sie besonders dünn ist. Wie zum Beispiel an den Rändern von Kontinentalplatten, wo eine Erdkrustenplatte unter die andere abtaucht. Oder in den mittelozeanischen Rücken, an denen aufsteigendes Magma den Meeresboden auseinander treibt.

Überall dort dringt Meerwasser in Tiefen von einigen hundert bis mehreren tausend Metern durch Risse in tiefere Schichten der Erdkruste ein. Hier trifft es auf glühende basaltische Magma, erhitzt sich auf bis zu 400 Grad Celsius und reichert sich mit vulkanischen Gasen an. So entsteht ein explosives Gemisch, das durch die Erdkruste zurück auf den Meeresboden schießt.

Schlote bilden Hydrothermalfelder

Auf seiner Reise durch die Unterwelt nimmt das Meerwasser auch viele Mineralstoffe aus der sich abkühlenden basaltischen Schmelze auf - von Schwefelverbindungen bis zu Schwermetallen. Das heraus schießende Wasser ist deshalb nicht nur saurer als Essig, sondern auch schwarz gefärbt - daher der Name. Diese giftige Brühe wäre für die meisten Meeresbewohner tödlich, sofern sie den enormen Druck in großer Tiefe überhaupt aushalten könnten.

In der eisigen Kälte des Tiefseewassers - dort herrschen meist nur wenige Grad Celsius - flocken die gelösten Mineralstoffe schnell aus, lagern sich ab und bilden Schicht für Schicht die charakteristischen Schlote. Mehrere dieser Schlote bilden so genannte Hydrothermalfelder, die viele Dutzend Quadratkilometer groß sein können.

Leben im Extremen

Schwarze Raucher beherbergen die außergewöhnlichste Gemeinschaft von Organismen der Erde. © New Zealand-American Submarine Ring of Fire 2005 Exploration; NOAA Vents Program

Das Erstaunliche aber: In diesem brodelndem Hexenkessel in sonst eisiger Dunkelheit ist Leben entstanden. Mehr noch, ganze Ökosysteme mit einer Vielfalt von Arten existieren hier. Schwarze Raucher sind die am dichtesten besiedelten Lebensräume der Tiefsee. Und viele von ihnen werden erst jetzt entdeckt.

Schwarze Raucher beherbergen zugleich die außergewöhnlichste Gemeinschaft von Organismen der Erde. Denn Lebensenergie wird hier nicht - wie von Pflanzen auf der Erde - per Photosynthese aus Licht gewonnen. Vielmehr nutzen Bakterien die im Wasser gelösten Schwefelwasserstoffe durch Chemosynthese, um Primärenergie zu erzeugen. Und weil, genauso wie sonst wo auf der Welt, die Bakterien ihrerseits wieder anderen Lebewesen als Nahrung dienen, entstand auch dort unten eine artenreiche Lebewelt und zwar aus Muscheln, Röhrenwürmern und verschiedenen Arten von Krebstieren und selbst Fischen.

Da diese Schwarze Raucher-Zonen alle recht isoliert voneinander sind, existieren dort jeweils viele Arten, die einmalig sind und nirgendwo sonst vorkommen. Seit der ersten Entdeckung von Schwarzen Rauchern 1977 bei den Galapagos-Inseln konnten bereits mehrere hundert zuvor völlig unbekannte Tierarten bestimmt werden.

Die heißen Tiefseequellen der Ozeane sind durch Tiefseebergbau und Ausbeutung ihrer genetischen Ressourcen (Bioprospektion) bedroht. Dort abgelagerte so genannte Massivsulfide enthalten begehrte Metalle und seltene Erden. Auf Initiative des WWF und als erste Tiefseeschutzgebiete Europas wurden die Hydrothermalfelder "Lucky Strike", "Menez Gwen" und "Rainbow" bei den Azoren unter Schutz gestellt.

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