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Schwämme schaffen Lebensräume

Schwämme, nicht nur die der Tiefsee, sind eine der ältesten Lebensformen der Erde. Sie sind nicht näher verwandt mit irgendeiner anderen Gruppe heute lebender Organismen. Sie weisen eine ungeheure Vielfalt von Erscheinungsformen auf, von Exemplaren mit wenigen Millimetern Größe bis solchen mit mehreren Metern Höhe. Sie sind geformt wie Felsen oder wie Bäume und erscheinen in allen Farben des Spektrums.

Riffschwämme, Papua-Neuguinea. © Jürgen Freund / WWF-Canon
Riffschwämme, Papua-Neuguinea. © Jürgen Freund / WWF-Canon

In ihrer Lebensweise sind jedoch alle gleich: Es sind sesshafte Tiere, die kleine Organismen und Partikel aus dem Wasser filtern, das durch ihre Öffnungen und Kanäle strömt. Sie verfügen über keinerlei Nervensystem oder Organe, lediglich ein Skelett aus feinen Strukturen, so genannte "Spikulae", stabilisiert ihre Körper. Ihr Vorkommen ist bis auf wenige Ausnahmen auf die Ozeane beschränkt. Hier sind sie als "Hans Dampf in allen Gassen" in allen Gewässern und in Tiefen bis zu 2.500 Metern heimisch.

 

Schutzraum für Fischkinder – und Schatztruhen für die Medizin

Schwämme schaffen Lebensräume. Und vielfältige obendrein: Deshalb sind sie so wichtig. Auf ihnen können sich andere sesshafte Organismen wie zum Beispiel Korallen ansiedeln. Nicht zuletzt dienen sie auch als Schutz und Versteckmöglichkeiten für Nachwuchs von Fischen und andere Bewohner der Tiefsee.

 

Die Spikulae-Skelette der Schwämme bleiben nach dem Tod eines Schwammes übrig und formen in Mengen dichte Matten, die wesentlich zur Stabilisierung des Meeresgrundes beitragen können. Einige Arten, die über ein stabileres Skelett verfügen, bilden mitunter sogar Riffe.

 

Studien belegen, dass Schwämme eine vielfältigere Bodenfauna beherbergen als benachbarte schwammlose Gebiete. Eine reiche Bodenfauna wiederum sorgt auch für einen größeren Artenreichtum bei Fischen der Tiefsee - auch bei kommerziell wichtigen.

 

Noch direkter für den Menschen nutzbar ist eine weitere, verstecktere Facette der Schwämme: Ihr ungeheures Arsenal an pharmazeutisch wirksamen Substanzen. Keiner Gruppe von Lebewesen wird heute ein solches Potenzial an medizinischen Wirkstoffen zugetraut wie den unscheinbaren Meeersbodenbewohnern. Besonders Antibiotika und Mittel für die Krebs-Bekämpfung werden aus dem Gewebe der Schwämme gewonnen. Außerdem wurde jüngst eine Art entdeckt, die sogar, aus noch unbekannten Gründen, Glasfasern von herausragender Qualität produziert. Bei der Frage der Nutzbarkeit von Schwämmen muss man also weit über seinen Badewannenrand hinaus schauen.

Schwämme sind verletzliche Wesen

Diese noch weitgehend unerforschte Schatztruhe für die Menschheit zu erhalten ist Teil der Strategie des WWF zum Schutz der Meere. Denn ihre einzigartige Körperbeschaffenheit macht Schwämme besonders verletzlich für menschliche Eingriffe in ihr Ökosystem. Die katastrophalen Folgen der Fischerei mit Grundschleppnetzen gefährden sämtliche Lebensräume der Tiefsee - und damit auch die sesshaften Tiefseeschwämme.

 

Schwämme sind außerdem sehr anfällig für die Blockierung ihrer feinen Poren, durch die sie Wasser einströmen lassen. Kommt es zu mehr Trübstoffen im Wasser – etwa Sandpartikel – können sie kein Meerwasser mehr filtrieren. Sie müssen verhungern.

 

Durch Bauarbeiten im Meer und an den Küsten oder den Abbau von Erdöl oder anderen Rogstoffen, wie sie zum Beispiel an der Färöer Bank, nordlich von Schottland, vermutet werden, können Schwämme der Tiefsee deshalb ernsthaft bedroht werden.

 

Wertvoller "Käseboden"

Das, was die Fischer an der Färöer Bank vom Grund holen, haben sie "Ostur" getauft - "Käseboden". Die Tiefseeschwämme dort sehen aus und fühlen sich an wie Käse, zerbrochene Individuen riechen sogar so.

 

Die Färöer-Bank ist ein untermeerischer Berg, der ein eigenes, isoliertes Ökosystem beherbergt, mit einer im Vergleich zur Umgebung sehr reichen Fauna. Die Kabeljau-Bestände der Färöer-Bank sind die am schnellsten wachsenden der Welt und machen, mit den Vorkommen von Seelachs, Schellfisch und anderen Fischarten, die Bank zu einem ertragreichen Fischgrund.

 

Während die Fischerei mittels Fangquoten reguliert wird, um Überfischung zu verhindern, wird der Schutz des Meeresgrundes unterhalb von 200 Metern außer Acht gelassen. Ein Versäumnis, für das der WWF dringenden Handlungsbedarf sieht. Denn hier in der Tiefe liegen die großen Ostur-Felder der Färöer-Bank, die ca. 250 verschiedene Tierarten beherbergen und damit wesentlich zum Reichtum der Bank beitragen. Dieser Reichtum darf nicht durch gefährliche Fischereipraktiken und die mögliche Ausbeutung von Erdöl oder Mineralien gefährdet werden. Der WWF rät deshalb zur Schaffung einer Meeresschutzzone im Gebiet der Färöer-Bank, um deren einzigartige Natur und natürliche Ressourcen zu erhalten.

   
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