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Aufatmen - Phosphate werden aus Waschmitteln verbannt

Das Europäische Parlament hat ein Verbot für Phosphate als Waschmittelzusatz beschlossen. Ab dem 30. Juni 2013 heißt es „aufatmen“ für die Ostsee. Denn vor allem das Binnenmeer leidet bislang unter den enthärtenden Bestandteilen in Reinigungsmitteln. Im Jahr 2017 soll dieser Bann auch auf Geschirrspülmittel ausgeweitet werden.

 

„Das ist ein großer Erfolg für die Ostsee. Über fünf Jahre haben wir dafür gekämpft“, sagt Jochen Lamp vom WWF. „Die Phosphatbelastung ist eines der ökologischen Hauptprobleme der Ostsee. Nach wie vor stammt der Großteil aus der Landwirtschaft. Das Verbot für Wasch- und Geschirrspülmittel ist jedoch die kostengünstigste Lösung, die weitere Verschmutzung des Ökosystems zu begrenzen.“ 

 

Bei Phosphaten handelt es sich um Salze mit der Fähigkeit, Wasser zu enthärten. In Waschmitteln eingesetzt, unterstützen sie die chemische Reaktion von reinigenden Tensiden. Auf pflanzliche Organismen wirken sie jedoch wachstumsfördernd. Daher werden sie auch als Dünger in der Landwirtschaft verwendet.

 

Phosphate sind Wachstumsbeschleuniger

Jährlich werden über 20.000 Tonnen Phosphor in die Ostsee gespült. Bis zu einem Viertel davon entstammt den privaten Haushalten der etwa 85 Millionen Menschen, die rund um das Binnenmeer leben. Über die städtischen Abwassersysteme gelangt es in Seen, Flüsse und schließlich in die Meere. Dort angekommen, wirkt es als Wachstumsbeschleuniger für die im Wasser lebenden Pflanzen. Ein einziges Kilogramm Phosphat kann bis zu 500 Kilogramm Algen produzieren.

„Phosphate verstärken und verlängern die natürliche Frühjahrsblüte pflanzlichen Planktons beziehungsweise der bodenlebenden Algen“, erklärt Stephan Lutter vom WWF. „Viele Nährstoffe und viel Licht - das kann zu massenhaften Algenblüten führen“. Bakterien wiederum bauen das abgestorbene organische Material ab. Dabei wird Sauerstoff verbraucht und das Phosphat erneut freigesetzt- ein Kreislauf entsteht. Sauerstoffmangel im Wasser und in den Sedimenten sind die Folgen. Die Tiere und Pflanzen drohen zu ersticken. „Zusätzlich entsteht giftiger Schwefelwasserstoff. Doch nicht nur die Massenvermehrung wird zum Problem. Wenn im Sommer noch überschüssige Nährstoffe in den oberen Wasserschichten sind, breiten sich oft giftige Blau- und Panzergeißelalgen aus.“

 

Besondere Beschaffenheit der Ostsee 

Die Ostsee leidet aufgrund ihrer besonderen Struktur besonders unter dieser sogenannten Eutrophierung. „Durch die fehlenden Strömungen ist das Wasser sehr träge. Bis sich der gesamte Wasserkörper theoretisch ein einziges Mal ausgetauscht hat, können bis zu 30 Jahre vergehen. In der Nordsee dauert es theoretisch vier Jahre“, sagt Jochen Lamp.

 

In der Bundesrepublik Deutschland lag der Phosphatverbrauch in privaten Haushalten 1975 noch bei 276.000 Tonnen pro Jahr. Die „Phosphathöchstmengenverordnung“ aus dem Jahre 1980 führte zu einer drastischen Reduktion auf etwa 4000 Tonnen (alte Bundesländer).  Mit der Einführung von Geschirrspülmaschinen schnellte diese Zahl wieder auf 20.000 Tonnen. Für in Deutschland erhältliche Tabs gibt es bis heute keine gesetzliche Begrenzung. Allerdings werden in Kläranlagen hierzulande Phosphor und Stickstoff seit 2001 gezielt aus Abwässern entfernt.

 

Phosphatverbot zeigte in der Nordsee Wirkung

Ungern erinnert sich Stephan Lutter an die Zeiten, als die starke Phosphatbelastung auch die Nordsee bedrohte. „Es gibt zwar nach wie vor eine starke Überdüngung, aber nicht mehr durch Phosphate aus Waschmitteln, sondern eher durch Nitrate und andere Stickstoffverbindungen aus der Landwirtschaft. Wir konnten eindrucksvoll mit anschauen, dass ein solches Phosphatverbot tatsächlich positive Auswirkungen auf die Wasserqualität und somit auf das gesamte Ökosystem hat.“

 

Begrenzung auf unter 0,5 Prozent

„Durch die EU-Gesetze können Unternehmen nun einheitlichen Regeln folgen, statt unterschiedlichen Regelungen in den 27 Mitgliedsstaaten“, schreibt das Europäische Parlament in seiner Pressemittelung. In den Ostseeanrainerstaaten Dänemark, Schweden, Lettland und Finnland ist der Zusatz von Phosphaten bereits - wie in Deutschland auch - auf 0,5 Prozent limitiert. In Estland und Litauen gab es bislang gar keine Regulierung. In Polen liegt der Grenzwert über einem halben Prozent.

   
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