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Stand: 19.03.2015

Rettung für den Feuerschwänzigen Springaffen

Im Dezember 2010 machten Wissenschaftler auf einer WWF-Expedition am Amazonas eine Sensationsentdeckung: Sie fanden den Feuerschwänzigen Springaffen, eine bis dato unbekannte Art der Gattung Callicebus. Jetzt wurden die ersten wissenschaftlichen Erkenntnisse zu der neuen Affenart veröffentlicht. Sie machen klar: Es muss etwas getan werden – sonst droht die gerade entdeckte Art auszusterben.

© A. Gambarini / WWF
Der Feuerschwänzige Springaffe © A. Gambarini / WWF

Hoch oben in den Baumkronen des brasilianischen Regenwaldes wohnt er, der Feuerschwänzige Springaffe (Callicebus miltoni), der seinen deutschen Namen – es ist unschwer zu erraten – seinem leuchtend orangenen Schwanz verdankt. Menschenscheu und in den Wipfeln gut versteckt, war seine Entdeckung purer Zufall: eine WWF-Expedition zur Einrichtung neuer Schutzgebiete im Amazonas führte in das Gebiet zwischen dem Rio Roosevelt und dem Rio Aripuana.

 

Genau hier wohnt der Feuerschwänzige Springaffe – und zwar nur hier. „Es ist ein unheimliches Glück, dass wir diese Affen entdeckt haben“, meint Roberto Maldonado, Amazonas-Referent beim WWF. „Denn nur was wir kennen, können wir auch schützen.“ Viele Arten sterben tagtäglich aus, noch bevor sie überhaupt von Menschen entdeckt werden. Den Feuerschwänzigen Springaffen fand man vielleicht gerade noch rechtzeitig, um ihn vor dem Aussterben zu bewahren.

Mit gespitzten Ohren durch den Dschungel

Familie von Feuerschwänzigen Springaffen © A. Gambarini / WWF
Familie von Feuerschwänzigen Springaffen © A. Gambarini / WWF

Wissen über die Lebens- und Verhaltensweise des Affen mit dem buschigen, orangenen Schwanz ist essentiell für gezielte Schutzprogramme. Mehrere Expeditionen unter der Leitung von Wissenschaftler Julio Dalponte durchkämmten nach 2010 den Regenwald, immer mit offenen Augen auf der Suche nach dem Feuerschwänzigen Springaffen. Letztlich waren es ihre Ohren, die sie zu den scheuen Affen führten. Denn, so eine wichtige Erkenntnis der Forschungsaufenthalte: Callicebus miltoni lebt in Kleingruppen und verständigt sich mit seinen Artgenossen mithilfe lauter Distanzrufe. Die Schreie scheinen das Gruppengefüge zusammenzuhalten und das Territorium gegen rivalisierende Artgenossen abzustecken. So beobachteten die Wissenschaftler, dass die Affen während der Regenzeit besonders viel und laut rufen – vermutlich um die Bäume zu verteidigen, von deren Früchten sie sich ernähren.

 

Am liebsten frisst der flinke Affe übrigens die süßen Früchte des Kakaobaumes, der Inga-Pflanze sowie die Früchte des Ameisenbaumes. „Erkenntnisse wie diese sind für uns sehr wichtig, denn wir müssen herausfinden, welche Rolle der Feuerschwänzige Springaffe im komplexen Ökosystem des Regenwaldes spielt. Wir möchten wissen, warum er gerade hier lebt und ob er theoretisch auch woanders leben könnte.“ sagt Maldonado.

Seine Heimat ist so groß wie Niedersachsen

Denn leider ist auch der neu entdeckte Affe in Lebensgefahr, da sein Lebensraum durch die Abholzung des Regenwaldes zu schwinden droht. Die Affen leben auf einer Fläche von 4,9 Millionen Hektar. Im Norden, Osten und Westen ist ihr Lebensraum von Flüssen begrenzt – und schwimmen kann der Feuerschwänzige Springaffe nicht. Im Süden beginnt die Savanne. „Das ist viel weniger Raum, als wir ursprünglich angenommen haben. Seine Heimat ist lediglich so groß wie Niedersachsen,“ sagt Maldonado. Und das mitten in der dramatischsten Entwaldungsfront der Welt, wo illegale Rodungen zum Alltag gehören und der Lebensraum vieler Tierarten stetig schrumpft. Zwar liegen Teile des Lebensraumes des Feuerschwänzigen Springaffen in Schutzgebieten und auf dem Land der Indigenen, doch ist fast die Hälfte seines Lebensraumes akut bedroht. „Es ist unbedingt notwendig, die bestehenden Schutzgebiete zu erweitern – sonst verlieren wir den Affen nur kurz nachdem wir ihn entdeckt haben“, meint Maldonado.

Was können wir tun?

Julio Dalponte © Adriano Gambarini / WWF Brasilien
Der Wissenschaftler Julio Dalponte auf der Suche nach dem Feuerschwänzigen Springaffen © Adriano Gambarini / WWF Brasilien

Der WWF hat sich bereits aktiv an der Ausweisung einiger Schutzgebiete im Lebensraum des Feuerschwänzigen Springaffen beteiligt (zum Beispiel im Resex Guariba-Roosevelt, den Bundeslandpark Guariba, den Staatsforst Aripuanã oder den Staatsforst Manicoré). Mit all diesen Schutzgebieten und mit dem Nationalpark Campos Amazônicos arbeitet der WWF zusammen. Sie bilden mit anderen Schutzgebieten zusammen das aus über 40 Schutzgebieten bestehende Meridional Mosaik am Juruena, welches durch den WWF Deutschland seit Jahren unterstützt wird. Vor allem im Norden des Verbreitungsgebiets des Feuerschwänzigen Springaffen klafft aber noch eine Lücke in den Schutzgebieten. „Wir müssen es unbedingt schaffen, diese Lücke zu schließen, denn Rinderfarmen und Sojafelder sind kein Lebensraum für einen Springaffen. Eine zusammenhängende Schutzzone wäre ein großer Erfolg und eine lebensnotwendige Maßnahme für viele Tierarten – nicht nur, aber eben auch für die neu entdeckte Affenart“, sagt Maldonado.

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