Zur wwf.de-Startseite

Content Section

Netzwerk für Unterwasser-Lebensräume aufbauen

Der nordostatlantische Schelf gehört zu den ökologisch wertvollsten Meeresregionen der Erde. Zugleich ist dieses Flachmeer mit Kontinentalabhang ein von Menschen besonders genutzter Ozean. Der englische Kanal gilt als die am meisten befahrene Schifffahrtsstraße der Welt. Hinzu kommen die Umweltprobleme durch die Ausbeutung von Bodenschätzen und der Fischerei.

Rauhe See vor den Lfofoten, Norwegen. © Peter Prokosch / WWF
Raue See vor den Lofoten, Norwegen. © Peter Prokosch / WWF

Oft sind die Gewässer vor den Küsten leer gefischt und moderne Fangflotten erschließen deshalb zunehmend auch die Tiefsee bis in 2.000 Meter. Seeberge, die vielen Tiefseefischen als Laich- und Nahrungsgebiet dienen, sind für die Fangflotten besonders attraktiv. Dabei werden allerdings viele Fischarten weggefischt, die nur langsam nachwachsen, wie beispielsweise der Grenadierfisch oder der Granatbarsch, der nur wenige Nachkommen hat und mehr als 100 Jahre alt werden kann, ein Methusalem unter den Fischen.

 

Der WWF mischt sich ein

Der WWF ist seit vielen Jahren aktiv in die internationale Gremienarbeit zum Schutz des Nordost-Atlantiks involviert, z. B. im Rahmen der Internationalen Nordseeschutzkonferenz (INK), des Abkommens zum Schutz der Meeresumwelt des Nordost-Atlantiks (OSPAR-Abkommen) und der Nordostatlantischen Fischereikommission (NEAFC). 

 

Seit dem Ende der 90er Jahre hat sich die Umweltstiftung in diesem Rahmen für den wirksamen Schutz von Meeresflächen eingesetzt, den Anrainerstaaten Meeresschutzgebiete in ihren Ausschließlichen Wirtschaftszonen (200-Seemeilen-Zonen) vorgeschlagen, die Aufnahme bedrohter Arten und Lebensräume (Habitate) in die Rote Liste wissenschaftlich begründet sowie Schutzmaßnahmen und Managementpläne konzipiert.

 

Auch die Tiefsee verdient Schutz

Auf diese Weise wurden die internationalen Beschlüsse immer weiter vorangetrieben, so dass jetzt z. B. auch Seeberge, Tiefseeschwämme oder heiße Tiefseequellen, sich langsam fortpflanzende Tiefseehaie, Rochen oder der Granatbarsch als schutzwürdig gelten und für diese Arten und Lebensräume Meeresschutzgebiete eingerichtet werden können. Viele der vom WWF erfolgreich durchgesetzten Schutzgebiete auf offener See und in der Tiefsee tragen klingendeNamen wie die „Darwin Mounds“ nordwestlich vor Schottland, „Sedlo Seamount“ bei den Azoren, das „Sula  Riff“ vor Mittelnorwegen, die „Doggerbank“ in der zentralen Nordsee, „Lilla Middelgrund“ in schwedischen Gewässern des Kattegat oder „Lucky Strike Vent Field“ bei den Azoren, das erste Tiefseeschutzgebiet in der Region überhaupt (2002).

 

Bis heute ist das Netzwerk im Nordost-Atlantik auf 180 Meeresschutzgebiete angewachsen, die 3,15 Prozent der Fläche bedecken. Weitere 130 Gebiete sollen bis 2012 hinzukommen, darunter auch die vom WWF beschriebene „Banco de Galicia“ in spanischen Gewässern und „La Grande Vasière“ vor der französischen Küste, ein Komplex aus Weichböden reich an Seefedern und Kaisergranat und einem Kaltwasserkorallenriff. Für alle diese Gebiete drängt der WWF die Staaten zur raschen Umsetzung von Schutzmaßnahmen und hat entsprechende Muster-Managementpläne vorgelegt.

 

Die Frage, ob das Netzwerk ökologisch repräsentativ ist, d. h. die typischen Arten und Lebensräume ausreichend erfasst, und ob die geschützten Habitate zusammen mit Schutzkorridoren die Ausbreitung oder Wiederbesiedlung von Arten ermöglichen, wird vom WWF regelmäßig bewertet.

 

Typische Arten des Nordost-Atlantik im WWF-Artenlexikon

Unterstützen Sie den WWF

Unterstützen Sie
den WWF