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Stand: 05.12.2013

Das Öl der Zukunft: Teuer und gefährlich

Die Ära des Öls ist vielleicht noch nicht zu Ende. Aber die Zeit des scheinbar günstigen Öls. Leicht zu förderndes Öl geht zur Neige. Angezapft werden sollen dafür zunehmend auch geschützte Gebiete.

Konsequenzen der Ölförderung am Niger © National Geographic / Ed Kashi / WWF Canon
Konsequenzen der Ölförderung am Niger © National Geographic / Ed Kashi / WWF Canon

Der weltweite Energiebedarf wird sich bis 2050 verdoppeln, schätzt der World Energy Council. Die vergleichsweise leicht auszubeutenden Ölfelder werden in den kommenden 25 Jahren vermutlich drei Viertel ihrer Produktionskapazitäten einbüßen, prognostizierte die Internationale Energieagentur IEA in einem Bericht aus dem Jahr 2010. Es müssen neue Quellen gefunden werden, aus denen das Öl des 21. Jahrhunderts gewonnen werden soll.

Teuer und gefährlich

Per Klick vergrößern und downloaden © WWF
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Die Ölanalysten sind sich dabei zunehmend einig: Die Zeit des „Easy Oil“, des relativ leicht zugänglichen und daher preisgünstigen Erdöls, ist vorbei. Zwar lagern in der Erde noch immer umfangreiche Reserven. Doch die sind schwer zugänglich oder schwierig aufzubereiten – sogenanntes „Tough Oil“, wie es in der Branchensprache heißt. Dieses „schwierige Öl“ kann nur mit Hilfe teurer, umweltgefährdender Technologie gefördert werden. Es liegt tief in der Erde, in komplexen geologischen Formationen, in der Tiefsee, in der Arktis, oder auch in politisch und sozial instabilen Ländern. Schwierig zu förderndes Öl ist nicht nur teurer, es ist auch gefährlicher, wie etwa bei der Explosion der Plattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko deutlich wurde. Es muss extrem umweltschädlich aufbereitet werden, wie etwa Teersande. Oder es liegt eben in eigentlich geschützten Gebieten. Das UNESCO-Weltnaturerbe Virunga wäre ein weiteres dieser Naturjuwelen, die für den globalen Durst nach Öl auf Spiel gesetzt werden.

Nationalparks auf der Todesliste

Auf der Suche nach neuen Quellen sind längst auch andere einzigartige Naturregionen ins Visier der Ölindustrie gerückt. In den USA schwelt seit Jahren der Streit, ob im Arctic National Wildlife Refuge in Alaska nach Öl gebohrt werden darf.  Der begehrliche Blick der Ölfirmen fällt auch schon auf die Arktis, Belize oder die peruanischen Amazonasgebiete. Im pazifischen Korallendreieck, dem wohl artenreichsten Meeresreservat der Erde, soll gebohrt werden. Bis zu 42 Nationalparks in den USA droht eine Ölförderung. Selbst bei uns vor der Haustür wird mitten im Nationalpark Wattenmeer nach Öl gesucht . Der Yasuni Nationalpark in Ecuador mit seinen einzigartigen Regenwäldern wurde schon für die Suche nach Öl freigegeben - für geschätzte 920 Millionen Barrel. Das ist der Weltbedarf von gerade einmal zwei Wochen.

Rücksichtslose Ölförderung

Die Schäden an den Ökosystemen beginnen aber nicht erst bei Öllecks und den giftigen Chemikalien, die bei der Ölförderung eingesetzt werden. Schon die Probebohrungen können in den empfindlichen Ökoregionen verheerende Auswirkungen haben. So wird etwa mit einer ganzen Reihe von Explosionen mit dem Echo dieser seismischen Erschütterungen - nach Ölvorkommen gefahndet, Schneisen in Wälder geschlagen. „Die gravierendsten Auswirkungen hat jedoch der Straßenbau“, sagt Johannes Kirchgatter vom WWF Deutschland. Über die neu entstehenden oder ausgebauten Straßen wird die gesamte Versorgung, inklusive des Transports von schweren Maschinen, für die Erdölcamps abgewickelt, überall entlang dieser Routen entstehen neue Siedlungen auch mitten in den Schutzgebieten. Die Straßen sind dann auch  Einfallstor für Jäger, Holzfäller und neue Siedler.
„Die Büchse der Pandora ist damit geöffnet“, sagt Kirchgatter. „Wenn selbst Weltnaturerbestätten wirtschaftlich ausgebeutet werden dürfen, ist zukünftig nichts mehr vor kurzfristigen Profit-Interessen sicher“, sagt Kirchgatter. Unser Kampf gegen die Öl-Förderung in Virunga steht somit symbolisch für den Kampf gegen die rücksichtslose Gier nach Öl.

Von Oliver Samson

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