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Stand: 23.05.2013

Etappensieg für Virunga - vorerst keine Ölförderung

Lange schien die Firma TOTAL bereit, für Öl und Gas im Virunga-Nationalpark eines der wertvollsten Naturjuwelen überhaupt auszubeuten. Nun lenkte der Mineralölkonzern ein – und will die bestehenden Grenzen des ältesten Nationalparks Afrikas achten. Doch der Kampf ist noch nicht gewonnen.

Auch die Berggorillas sind vorerst in Sicherheit. © Dr. Andreas Bödecker / WWF
Auch die Berggorillas sind vorerst in Sicherheit. © Dr. Andreas Bödecker / WWF

Gegen Bürgerkrieg und Wilderei konnte die einzigartige Natur des Virunga-Nationalpark über Jahrzehnte geschützt werden. Jetzt gibt es auch einen Etappensieg über die Profitsucht: TOTALs Vorstandsvorsitzender Christophe de Margerie gab auf der Generalversammlung in Paris bekannt, dass seine Firma kein Öl im Virunga-Nationalpark – einer UNESCO-Weltnaturerbestätte – fördern werde. Die aktuellen Grenzen des Parks würden akzeptiert.

"Wir begrüßen diese klare Versicherung", sagt Lasse Gustavsson, Naturschutzgeschäftsführer des WWF International. Gewonnen ist der Kampf um Virunga aber noch nicht: Auch der britische Konzern SOCO hat ein Auge auf die Förderrechte für die in Virunga vermuteten Öl- und Gasvorkommen geworfen. "Wir fordern SOCO auf, die Aktivitäten im Park einzustellen und eine ähnliche Erklärung wie TOTAL abzugeben".

WWF-Demonstration vor der Total-Konzernzentrale. © Martin Leers / WWF France
WWF-Demonstration vor der Total-Konzernzentrale. © Martin Leers / WWF France

Der Druck des WWF wirkt

TOTAL gab die Entscheidung bekannt, nachdem der WWF den Druck auf den Mineralölkonzern erhöht hatte. Vor der Konzernzentrale gab es eine Demonstration, eine Online-Petition wurde gestartet, um Virunga zur No-Go-Area für Mineralölkonzerne zu machen. In einem Offenen Brief forderte der WWF TOTAL auf, die Aktivitäten in Virunga einzustellen – und veröffentliche eine repräsentative Untersuchung, wonach 80 Prozent der französischen Bevölkerung es "sehr begrüßen" würden, wenn französische Firmen Welterbestätten respektieren würden. Ein noch höhere Prozentsatz sah auch die Finanzpartner der Öl-Firmen in der Verantwortung – und 80 Prozent finden es wahrscheinlicher ihr Benzin von einer Firma zu kaufen, die verspricht kein Öl oder Gas in UNESCO-Weltkulturerbestätten zu fördern.

Der Kampf um Virunga geht weiter

"Daran sieht man, wie gut wir als internationales Netzwerk Ziele für die Natur durchsetzen können", sagt Johannes Kirchgatter, Afrika-Experte des WWF Deutschland. "Wir werden aber weiter dafür kämpfen müssen, dass in Virunga nicht angefangen wird zu bohren – damit wäre die Büchse der Pandora offen und weitere Projekte würden folgen." Die Regierung der Demokratischen Republik Kongo hat fünf Ölsuchgebiete in und um Virunga ausgeschrieben. Gerechtfertigt wird dies mit "nationalem Interesse" an den Bohrungen. Auch gab es seitens der Regierung Überlegungen, das Gebiet des Nationalparks zu verkleinern, damit Ölbohrungen außerhalb des Parks liegen – und damit nicht gegen die UNESCO-Standards verstoßen.

Der Virunga-Nationalpark in der Demokratischen Republik Kongo. © Kate Holt / WWF-UK
Der Virunga-Nationalpark in der Demokratischen Republik Kongo. © Kate Holt / WWF-UK

Der WWF fordert, die Grenzen unangetastet zu lassen – und dass alle Konzerne und Investoren verbindlich versichern, keine Bohrungen innerhalb des Nationalparks durchzuführen. Außerdem kämpft der WWF gegen ein geplantes Gesetz der Demokratischen Republik Kongo, das es wesentlich vereinfachen würde, Bodenschätze in Schutzgebieten auszubeuten und damit die gesamten Naturschätze des Landes zur Plünderung freigäbe!

Der Virunga-Nationalpark im Grenzgebiet zwischen der Volksrepublik Kongo und Ruanda ist weltbekannt für seine extrem hohe Artenvielfalt. Hier leben über 200 Säugetier- und mehr als 700 Vogelarten – und es ist einer von nur noch zwei Orten, an denen es noch die sehr seltenen Berggorillas gibt. Seit 1925 ist Virunga-Nationalpark, seit 1979 ist der Nationalpark Weltnaturerbe der UNESCO.

Ölbohrungen bedeuten, dass seismische Tests durchgeführt, Straßen und Infrastruktur in die unberührte Savanne gebaut und Leitungen quer durch den Nationalpark gelegt werden – das alles bedroht das Ökosystem. Zudem drohen massive sozio-ökonomische Spannungen. Zehntausende von Menschen leben direkt von und mit dem Nationalpark, etwa vom Fischfang und vom Tourismus. Von einer Ausbeutung der Öl- und Gasvorkommen würden sie sicher nicht profitieren – ganz im Gegenteil.

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