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Stand: 25.09.2013

Keine Erdölsuche in Afrikas ältestem Nationalpark: Rote Karte für SOCO in Virunga

Der Britische Ölkonzern SOCO International PLC will Öl-Erkundungen im Weltnaturerbe Virunga vornehmen, die Umweltgefahren sind unabsehbar. Dagegen hat sich Ende August 2013 die Britische Regierung ausgesprochen. Die unabhängige Forschungsorganisation IPIS wirft dem Konzern außerdem vor, sich nicht ausreichend um die Menschenrechte zu kümmern. Was ist das für eine Firma, die solch einen Eingriff in Afrikas ältesten Nationalpark wagt? 

Schuhschnabel © naturepl.com / Edwin Giesbers / WWF Canon
Schuhschnabel © naturepl.com / Edwin Giesbers / WWF Canon

Schon die Suche nach Öl ist eine Bedrohung für den ohnehin gefährdeten Nationalpark Virunga. Erstmals hat sich nun ein britischer Regierungssprecher gegen die Pläne des Ölkonzerns SOCO ausgesprochen. Gegenüber der Zeitung „The Telegraph“ erklärte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes, das Vereinigte Königreich lehne eine Ölförderung im UNESCO-Weltnaturerbe Virunga ab. Der britische Sprecher appellierte an das Unternehmen und die Regierung der Demokratischen Republik Kongo, internationale Übereinkommen zu achten. Er riet der Firma SOCO, dem Beispiel des Ölkonzerns TOTAL zu folgen. TOTAL hatte sich nach anhaltenden Protesten des WWF und andere NGOs aus Virunga zurückgezogen.

SOCO arbeitet da, wo andere sich nicht die Finger schmutzig machen wollen

Im Gegensatz zum Öl-Riesen Total kennt SOCO kaum jemand. Genau das ist das Problem, und genau das hat auch Methode. SOCO ist ein internationaler Öl- und Gas-Konzern mit Hauptsitz in London. Über verschiedene Tochterfirmen und Projekte ist das Unternehmen neben dem Kongo auch in Vietnam und Angola aktiv. Mit Probebohrungen und der Suche nach Öl gerade in umstrittenen und schwierigen Gebieten wie Virunga machen sich große und bekannte Konzerne ungern die Finger schmutzig. Denn damit wäre ihr Ruf beim Endverbraucher in Gefahr.

Eine Firma wie SOCO International PLC dagegen muss viel weniger auf ihr Image achten. „SOCO ist im Vergleich zu Öl-Multis wie Shell oder TOTAL relativ klein und überwiegend eine Explorationsfirma,“ erklärt Johannes Kirchgatter, Afrika-Referent beim WWF Deutschland. „Solche Firmen suchen oft nur nach lukrativen Vorkommen, gerade in kritischen Gebieten, und verkaufen ihre Rechte im Erfolgsfall. Wenn sie selbst Öl fördern, dann verkaufen sie auf dem Weltmarkt und nicht an den Endverbraucher. Sie sind daher wenig bekannt und im Gegensatz zu den großen Konzernen von Boykottdrohungen der Verbraucher  oder möglichen Imageschäden kaum beeindruckt. Erst wenn Ihre Investoren unruhig werden, geraten sie unter Druck.“

Erdölförderung in Virunga: Gefahr für die Mensch und Natur

Kinder in Virunga © Sandra Mbanefo Obiago / WWF Canon
Kinder in Virunga © Sandra Mbanefo Obiago / WWF Canon

Eine mögliche Erdölförderung im Virunga-Nationalpark birgt große Risiken für die Umwelt, widerspricht nationalen Gesetzen und internationalen Vereinbarungen und gefährdet die Lebensgrundlage der Menschen. Der unabhängige Friedensinformationsdienst IPIS (International Peace Information Service) wirft SOCO große Nachlässigkeit in Bezug auf die Rechte der Bevölkerung vor: Der Konzern berufe sich allein auf die Genehmigung der Kongolesischen Regierung. Doch "in einem Land wie der Demokratischen Republik Kongo, wo die Menschenrechte in der Vergangenheit oft genug verletzt wurden, reicht es nicht zu behaupten, man habe die Regierung hinter sich," so IPIS.

Was hat Erdöl mit Menschenrechten zu tun?

Die Öl-Erkundung durch die Firma SOCO soll vor allem rund um den Eduardsee im Virunga-Nationalpark stattfinden. In einem solchen Gebiet gilt es zum Beispiel sicherzustellen, dass die ortsansässigen Fischer ihre Lebensgrundlage nicht verlieren. Von der Fischerei im Virunga-Nationalpark leben momentan rund 27.000 Menschen. Ein funktionierendes Öko-System bietet den Menschen neben der Ernährung viele weitere, lebenswichtige Vorteile. „Ökosystemdienstleistungen wie sauberes Wasser, Schutz vor Erosion und nachhaltige Einkommen für hunderttausende Menschen sind gefährdet. Der Virunga-Nationalpark könnte - wie der benachbarte Vulcanoes-Nationalpark in Rwanda - durch Ökotourismus zu einem der größten Devisenbringern des Landes werden. Aber nicht, wenn in diesem Naturparadies zugleich nach Öl gebohrt wird,“ betont Johannes Kirchgatter vom WWF Deutschland.

In einer Region mit immer wieder aufflackerndem Bürgerkrieg und der Präsenz zahlreicher Rebellenmilizen sind die Risiken für die Ölförderung zudem unabschätzbar. Niemand weiß zum Beispiel, wie in einem solch schwierigen Umfeld Ölverschmutzungen oder Rebellenübergriffe verhindert werden könnten. Auch in der Beschäftigung privater Sicherheitsdienste sieht IPIS eine Gefahr. Hier muss dringend bewaffneten Konflikten vorgebeugt werden, die durch eine Ölförderung und die damit verbundenen Geldströme und Begehrlichkeiten zusätzlich angeheizt würden.

Keine Erdölförderung im Nationalpark: SOCOs Investoren müssen jetzt handeln

SOCO selbst bestreitet jegliches Fehlverhalten. Doch der Konzern ist von Investoren abhängig. Der WWF fordert alle Investoren von SOCO dringend auf, ihre Rechte und Pflichten wahrzunehmen. Sie müssen SOCO dazu bewegen, sich aus dem Weltnaturerbe Virunga zurückzuziehen!

Von Stephanie Probst

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