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Stand: 08.01.2016

Klimaschutz und Naturschutz: Kabel durch den Nationalpark?

Insel-Bewohner wollen an das Elektrizitäts- und Kommunikationsnetz angeschlossen sein, internationale Kommunikationskabel sollen Deutschland erreichen und Hochspannungsverbindungen zu anderen Staaten werden gebraucht. Und vor allem müssen die vielen geplanten Offshore-Windparks an das Stromnetz angebunden werden.

Kabel im Watt. © Hans-Ulrich Rösner / WWF
Kabel im Watt. © Hans-Ulrich Rösner / WWF

Für all das sind Kabel-Verbindungen durch die Nordsee erforderlich, die auf dem Weg ans  Land meistens durch das geschützte Wattenmeer verlegt wurden oder verlegt werden sollen. Dies wird zunehmend zum Problem. Im Boden vergrabene Kabel sind zwar ungleich besser für Natur und Mensch als es Freileitungen wären. Aber auch Kabel haben Folgen, die gerade in Schutzgebieten vermieden werden müssen. Denn sie müssen aufwändig in den Meeresboden eingegraben bzw. eingespült werden und zerschneiden im Watt die letzten Wildnis-Gebiete. Aufgrund der Energieverluste beim Stromtransport erwärmen sie den Boden. Und im Watt werden sie an unvorhersehbaren Stellen immer wieder freigespült, so dass dann neue Eingriffe erforderlich werden.

 

Eingriffe in Nationalparks vermeiden

Manche Kabel sind nicht unbedingt notwendig, für sie muss man kein Schutzgebiet schädigen und sie sollten nicht verlegt werden. Viele Kabel können jedoch nicht vermieden werden. Doch oft können mehrere von ihnen zu einem größeren Kabel zusammen gefasst werden, so dass der Eingriff geringer ist. Und oft kann bei der Wahl der Trasse eine gefunden werden, die weniger naturschädlich ist als andere Trassen. Dafür setzt sich der WWF ein.

Solche Begrenzungen sind auch rechtlich erforderlich, denn erhebliche Eingriffe in Schutzgebiete – hier vor allem Nationalparks und europäische Natura 2000-Gebiete – müssen vermieden werden. Es müssen deshalb stets Alternativen gesucht werden bzw. es muss der kleinstmögliche Eingriff geplant werden, damit er naturschutzrechtlich überhaupt genehmigungsfähig ist.

Es ist deshalb notwendig

  • Die Nationalparks bei der Querung zu vermeiden und die Kabel bevorzugt in schon gestörten Lebensräumen zu verlegen, z. B. in der Nähe der Schifffahrtswege im Bereich von Ems, Weser oder Elbe.
  • Soweit eine Vermeidung der Nationalparke nicht möglich ist, müssen die Eingriffe dort auf ein Minimum begrenzt werden. Deshalb darf es insgesamt höchstens zwei Kabeltrassen (je eine in Schleswig-Holstein und in Niedersachsen) geben, innerhalb derer dann nur Kabel mit hoher Leistung verlegt werden. Dies sind „Hochspannungs-Gleichstromübertragungskabel“, die möglichst 1000 Megawatt oder mehr abführen, in der Regel also mehrere Offshore-Windparks durch Sammelanbindungen zusammenfassen. Diese Größe ist notwendig, damit die knappen Trassen nicht durch zu kleine Kabel „verstopft“ werden und so die Gesamtzahl der Kabel begrenzt bleibt.
  • Im Bereich der Kabel darf die Oberfläche des Meeres- bzw. Wattbodens um nicht mehr als 2 Grad Celsius erwärmt werden, um unerwünschte Auswirkungen auf die Lebensgemeinschaften zu begrenzen.
  • Elektrische und magnetische Felder müssen so gering sein, dass nur minimale Einflüsse auf die Natur entstehen können.
  • Die Eingrabtiefe der Kabel muss so groß sein, dass Freispülungen und folgende Reparaturen bzw. erneute Eingriffe sehr unwahrscheinlich werden.
  • Es muss stets die Verlegetechnik mit den geringsten negativen Auswirkungen auf die Natur gewählt werden.

 

Erfolge

In Schleswig-Holstein gelang es durch die Arbeit der letzten Jahre bereits, eine ursprünglich geplante Kabeltrasse über Sylt und durch den Nationalpark zu verhindern. Des Strom der vor Schleswig-Holstein geplanten Offshore-Windparks soll nun auf nur einer Trasse und mit maximal vier Kabeln abgeführt werden.

   
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