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Stand: 22.02.2016

Klimaschutz und -anpassung im Wattenmeer

Bedrohung durch den Klimawandel

Das Wattenmeer ist durch den Klimawandel und den damit verbundenen Meeresspiegelanstieg massiv bedroht: Wattflächen, Salzwiesen, Strände und Dünen, sogar ganze Inseln könnten mitsamt ihrer einmaligen Natur durch Abbruch verloren gehen. Sturmfluten könnten an unseren Küsten höher auflaufen und Menschen gefährden.

Priel-Kante auf Hallig Hooge: Man sieht an der Schichtung, wie die Hallig seit Jahrhunderten mit dem Meeresspiegel mitgewachsen ist. Bei jeder Überflutung setzt sich Schlick ab, die Hallig wächst so in die Höhe. Wird dies auch in Zukunft noch möglich sein? © Hans-Ulrich Rösner / WWF
Priel-Kante auf Hallig Hooge: Man sieht an der Schichtung, wie die Hallig seit Jahrhunderten mit dem Meeresspiegel mitgewachsen ist. Bei jeder Überflutung setzt sich Schlick ab, die Hallig wächst so in die Höhe. Wird dies auch in Zukunft noch möglich sein

Es ist klar: Menschen und Natur sind an der Nordseeküste vom Klimawandel besonders betroffen. Wir müssen in der Wattenmeer-Region deshalb alle Anstrengungen unternehmen, dem Klimawandel zu begegnen. Doch besserer globaler Klimaschutz allein wird nicht reichen. Selbst bei einem effektiven globalen Klimaschutz würde der Meeresspiegel als Nachwirkung noch lange ansteigen. Daher werden in jedem Fall über eine sehr lange Zeit (Jahrhunderte) auch Anstrengungen zur Anpassung an den Klimawandel erforderlich.

Klimaschutz in der Region

Große Mengen erneuerbarer Energie werden schon heute in der Wattenmeer-Region erzeugt. Wer die vielen Windanlagen an der Nordseeküste kennt, weiß das. Neben der Windenergie wird hier inzwischen auch viel Solarenergie und Energie aus Biomasse erzeugt.

Symbol für die Energiewende in der Wattenmeer-Region: Das Atomkraftwerk Brokdorf steht vor der Abschaltung, daneben liegen heute Windenergieanlagen. Im Vordergrund äsen Nonnengänse. © H.-U. Rösner / WWF
Symbol für die Energiewende in der Wattenmeer-Region: Das Atomkraftwerk Brokdorf steht vor der Abschaltung, daneben liegen heute Windenergieanlagen. Im Vordergrund äsen Nonnengänse. © H.-U. Rösner / WWF

Die drei Wattenmeerstaaten Dänemark, Deutschland und die Niederlande haben 2010, auch auf Vorschlag des WWF, beschlossen, dass die Wattenmeer-Region bis 2030 klimaneutral sein soll! Um dies zu erreichen, muss mehr erneuerbare Energie in der Region erzeugt, die fossile Energie zurückgedrängt und auch Energie eingespart werden.

Zugleich ist aber wichtig, dass erneuerbare Energie so natur- und landschaftsverträglich wie möglich erzeugt wird. Das ist an der Küste bei Wind- und Solarenergie vielfach gelungen. Leider gilt dies aber noch nicht für alle Windanlagen. Für den Klimaschutz ist es außerdem unsinnig, Grünland in Maisäcker umzuwandeln, um Energie aus Biomasse zu gewinnen.

Klimaanpassung: „Wachsen mit dem Meer“

Auch in den vergangenen Jahrhunderten stieg der Meeresspiegel aus natürlichen Gründen. Der Meeresspiegel erhöhte sich aber sehr viel langsamer als dies zukünftig durch den Klimawandel der Fall sein wird. Seit Jahrhunderten schützen sich die Menschen an der Nordseeküste deshalb vor den Sturmfluten mit immer höheren Deichen. Große Wattenmeergebiete wurden hierzu neu eingedeicht, an manchen Stellen wurden Dämme zwischen Festland und Inseln gebaut, und vielfach wurde der Übergang zwischen Land und Meer durch Beton- und Steinkonstruktionen festgelegt. Oft waren solche Maßnahmen des Küstenschutzes mit erheblichen Naturzerstörungen verbunden.

In den 1970er und 1980er Jahren kämpften der WWF und andere gegen neue Eindeichungen großer Wattgebiete – mit Erfolg! Solche Maßnahmen sind heute in allen drei Wattenmeerstaaten nicht mehr zulässig. Vielmehr ist der einzigartige Naturraum Wattenmeer heute als Nationalpark geschützt und sogar als Weltnaturerbe anerkannt. Auch der Küstenschutz muss deshalb seine Maßnahmen heute so ausrichten, dass Beeinträchtigungen der Natur vermieden werden.

Als der WWF 1977 mit seiner Arbeit für den Schutz des Wattenmeeres begann, wurden noch riesige Wattgebiete eingedeicht. Hier die ehemalige Nordstrander Bucht kurz vor dem Deichschluss in den 80er Jahren. Es war die letzte sehr große Eindeichung im Wattenmeer. © WWF-Archiv
Als der WWF 1977 mit seiner Arbeit für den Schutz des Wattenmeeres begann, wurden noch riesige Wattgebiete eingedeicht. Hier die ehemalige Nordstrander Bucht kurz vor dem Deichschluss in den 80er Jahren. Es war die letzte sehr große Eindeichung im Wattenm

Der WWF ist aber überzeugt, dass große Konflikte zwischen Küstenschutz und Naturschutz der Vergangenheit angehören: Heute, vor dem Hintergrund des Klimawandels, müssen beide zusammenarbeiten, um zwei große Ziele zu erreichen:

  1. den Schutz der Menschen an der Nordseeküste vor Sturmfluten, und
  2. den Schutz des Weltnaturerbes und Nationalparks Wattenmeer vor Zerstörung aufgrund des Meeresspiegelanstiegs.


Mit höheren Deichen allein sind diese Ziele nicht zu erreichen. Maßstab für alle Maßnahmen sollte sein, dass sie beiden Zielen dienen. Mit anderen Worten: Unter den möglichen Maßnahmen des Küstenschutzes müssen stets jene ausgewählt werden, die die Natur möglichst wenig beeinträchtigen. Und sie sollten dem Wattenmeer dabei helfen, mit dem Meeresspiegelanstieg mitzuwachsen, z.B. indem der natürliche Transport von Sedimenten im Wattenmeer unterstützt und deren Ablagerung nicht behindert wird. Unklar ist, ob eines Tages z.B. auch zusätzlicher Sand aus der Nordsee aufgespült werden muss, um dem Meeresspiegelanstieg zu begegnen.

Perfekte Lösungen gibt es noch nicht – wir brauchen aber schon heute Pilotprojekte, mit denen die Möglichkeiten für eine naturverträgliche Klimaanpassung des Wattenmeeres wissenschaftlich erforscht und praktisch ausprobiert werden. Mit seinen Projekten zum „Wachsen mit dem Meer“ beteiligt sich der WWF intensiv an dieser Diskussion und begleitet entsprechende Pilotprojekte und Maßnahmen.

Im Juni 2015 beschloss die Landesregierung Schleswig-Holsteins eine Strategie, wie eine naturverträgliche Klimaanpassung des Wattenmeeres bis 2100 zu erreichen ist. Bei ihrer Erarbeitung hat der WWF intensiv mitgewirkt.

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