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Stand: 29.09.2016

Pilotprojekt zur Klimaanpassung im Wattenmeer

Im Projekt „Pilotmaßnahmen zur Klimaanpassung mit Kommunen in der schleswig-holsteinischen Wattenmeer-Region“ (PiKKoWatt) entwickelt und erprobt der WWF gemeinsam mit Partnern innovative Konzepte zum „Wachsen mit dem Meer“. Das Projekt wird durch das Bundesumweltministerium (BMUB) im Rahmen des Förderprogramms für Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel unterstützt.

Was bedeutet „Wachsen mit dem Meer“?

Wattflächen und Salzwiesen sind durchaus in der Lage, sich an einen gemäßigten Meeresspiegelanstieg auf natürliche Weise anzupassen. Dort lagert sich mit jeder Überflutung feiner Meeresschlick ab. Dieses Wachstum lässt sich in den Salzwiesen oder auf den Halligen gut beobachten. Bei einem beschleunigten Meeresspiegelanstieg stößt dieses Wachstum jedoch an Grenzen: Das als Nationalpark und Weltnaturerbe geschützte Wattenmeer kann nicht schnell genug mitwachsen und droht dann zu „ertrinken“. „Wachsen mit dem Meer“ steht also symbolisch für die Klimaanpassung des Wattenmeeres.

Die Salzwiese – hier bei Westerhever – wird oft bei Hochwasser vom Meer teilweise überflutet und wächst über die Jahre langsam in die Höhe. © Hans-Ulrich Rösner / WWF
Die Salzwiese – hier bei Westerhever – wird oft bei Hochwasser vom Meer teilweise überflutet und wächst über die Jahre langsam in die Höhe. © Hans-Ulrich Rösner / WWF

Pilotgebiete im PiKKoWatt-Projekt

Mit dem Projekt PiKKoWatt engagiert sich der WWF für eine naturverträgliche Klimaanpassung des Wattenmeeres. Pilotgebiete sind die nordfriesischen Halligen und Inseln sowie der Husumer Dockkoog an der schleswig-holsteinischen Festlandküste. Dort geht es darum,

  • dem Wattenmeer dabei zu helfen, mit dem beschleunigten Meeresspiegel mit zu wachsen, und
  • einen naturverträglichen Küstenschutz voran zu bringen, der das Wattenmeer bei seiner natürlichen Anpassung an den Meeresspiegelanstieg bestmöglich unterstützt.

Das Marschgebiet des Husumer Dockkooges liegt im Westen der Stadt Husum und direkt am Wattenmeer. In einem integrierten Planungsprozess diskutieren Vertreter der Stadt und aus Küstenschutz, Tourismus, Naherholung, Naturschutz und einer Bürgerinitiative, angestoßen und koordiniert durch den WWF, wie sich der Dockkoog am Wattenmeer im Einklang mit der Natur entwickeln, an den Meeresspiegelanstieg anpassen, und zugleich ein wirtschaftlicher Impuls für die Stadt Husum gesetzt werden kann.

Am 28. September 2016 wurde der Abschlussbericht der Projektgruppe Dockkoog im zuständigen städtischen Ausschuss vorgestellt. Er schlägt drei konkrete und sehr unterschiedliche Gestaltungsvarianten vor. Nach einem der Vorschläge („Husumer Hallig“) könnte der Deich im Zuge seiner ohnehin erforderlichen Verstärkung auf eine hintere Linie verlegt werden, die Sicherheit vor Sturmfluten für die Stadt würde so erhöht. Im jetzigen Dockkoog könnte eine Naturlandschaft entstehen. Das heute noch sehr tiefliegende Gebiet hätte dann wieder Anschluss an Ebbe und Flut und könnte so mit dem Meeresspiegel in die Höhe wachsen. Auf einer Warft könnte in diesem Gebiet ein sturmflutsicheres Hotel entstehen, welches die Möglichkeiten von Husum als „Tor zum Nationalpark“ für einen nachhaltigen Tourismus aufgreift.

So könnte es zwischen Wattenmeer und Husum in Zukunft aussehen, wenn man sich auf die Planungsvariante „Husumer Hallig“ verständigen sollte. Von unten: Husumer Badestelle, Warft mit einem möglichen Hotel, Naturlandschaft im geöffneten Dockkoog, neuer Seedeich. Im Hintergrund die Stadt Husum. © studio urbane landschaften – hamburg
Zeichnung der Planungsvariante „Husumer Hallig“ © studio urbane landschaften – hamburg

Auf den nordfriesischen Halligen untersucht der WWF deshalb gemeinsam mit Partnern, wie diese einmalige und schützenswerte Landschaft trotz des Meeresspiegelanstiegs auch in der Zukunft für Mensch und Natur erhalten bleiben kann. Hierzu müssen die Halligen häufig genug überflutet werden, damit genug Meeresschlick auf die Hallig-Salzwiesen gelangt und sie so in die Höhe wachsen.

Priel und Salzwiese auf der Hallig Langeness © Jannes Fröhlich / WWF
Priel und Salzwiese auf der Hallig Langeness © Jannes Fröhlich / WWF

Auf den Wattenmeer-Inseln ist der WWF z. B. auf Sylt aktiv. Hier setzt er sich gemeinsam mit anderen Organisationen für den Erhalt eines Dünengebiets an der Sylter Südspitze ein. Für das Gebiet schlagen wir einen naturverträglicheren Küstenschutz vor, d. h. Alternativen zum bestehenden Bollwerk aus Beton (Tetrapoden). Strände und Dünen sollen sich wieder natürlicher entwickeln und in Zukunft an den steigenden Meeresspiegel anpassen können.

Alternativen sind gefragt: Beton-Tetrapoden gehören nicht ins Wattenmeer und können auch negative Folgen für den Küstenschutz haben. © Hans-Ulrich Rösner / WWF
Alternativen sind gefragt: Beton-Tetrapoden gehören nicht ins Wattenmeer und können auch negative Folgen für den Küstenschutz haben. © Hans-Ulrich Rösner / WWF

Im Rahmen der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS), im Programm „Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel“ (Förderschwerpunkt „Kommunale Leuchtturmvorhaben“)

Förderkennzeichen: 03DAS049, Projektlaufzeit: 01.01.2015 – 31.12.2017

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