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Stand: 21.08.2015

Das Wattenmeer darf nicht ertrinken

Gemeinsame „Strategie für das Wattenmeer 2100“ in Schleswig-Holstein

Der Klimawandel kann zu einer Zerstörung des Nationalparks und Weltnaturerbes Wattenmeer führen, wenn wir diese Entwicklung nicht durch Klimaschutz und durch Anpassungsmaßnahmen gegen den beschleunigt steigenden Meeresspiegel aufhalten. Dies ist die entscheidende Botschaft der im Juni 2015 von Umweltminister Dr. Robert Habeck vorgelegten und von der schleswig-holsteinischen Landesregierung beschlossenen Strategie für das Wattenmeer 2100. Der WWF, der bei der Erarbeitung der Strategie intensiv mitgewirkt hat, setzt sich nun weiter für ihre Umsetzung ein, damit das Wattenmeer auch im Jahr 2100 noch so groß und mindestens so wertvoll ist wie heute.

Wattflächen, Sandbänke, Salzwiesen, Halligen und Inseln werden in der Zukunft mehr Sediment brauchen, um mit dem Meeresspiegel in die Höhe wachsen zu können © Hans-Ulrich Rösner / WWF
Wattflächen, Sandbänke, Salzwiesen, Halligen und Inseln werden in der Zukunft mehr Sediment brauchen, um mit dem Meeresspiegel in die Höhe wachsen zu können © Hans-Ulrich Rösner / WWF

Die Szenarien

Wie sich das schleswig-holsteinische Wattenmeer infolge des Klimawandels künftig entwickeln könnte, wird in der Strategie für zwei Szenarien auf der Basis des fünften Weltklimaberichtes der UNO sowie für die beiden Zeithorizonte 2050 und 2100 dargestellt:

  • In einem gemäßigten Szenario, unter der Annahme einer weltweiten Reduzierung der Treibhausgasemissionen, wird projiziert, dass sich der Meeresspiegel vor Ort bis zur Mitte des Jahrhunderts um 0,2 und bis zum Ende um 0,5 Meter erhöhen würde. 
  • Im zweiten Szenario, unter der Annahme von unverändert hohen Treibhausgasemissionen, würde der Meeresspiegel noch in diesem Jahrhundert um 0,8 Meter steigen. 


Die Szenarien zeigen erhebliche negative Veränderungen: Für den Küstenschutz infolge erhöhter hydrologischer Belastungen der Küsten und Küstenschutzanlagen, für den Naturschutz durch Abnahme und Veränderungen der das Wattenmeer prägenden Strukturen, Funktionen und seiner biologischen Vielfalt. Wichtig ist jedoch: Die Szenarien beschreiben Entwicklungen, wie sie ohne Maßnahmen zur Klimaanpassung eintreten würden.

Möglichkeiten zur Klimaanpassung

Die wichtigste Anpassungsoption für das Wattenmeer (natürlich neben dem globalem Klimaschutz!) heißt „Wachsen mit dem Meer“. Denn das Wattenmeer kann mit einem moderaten Meeresspiegelanstieg durchaus „mitwachsen“, indem sich Sand und Schlick auf Salzwiesen, Stränden, Wattflächen sowie im Unterwasserbereich absetzen.

Bei dem durch den Klimawandel beschleunigten Meeresspiegelanstieg kann die Natur jedoch nicht mehr mithalten und braucht Unterstützung durch naturverträglichen Küstenschutz. Zusätzlicher Sand aus der vorgelagerten Nordsee ist nach heutigen Erkenntnissen die entscheidende großräumige Anpassungsoption, um den durch den Klimawandel beschleunigten Meeresspiegelanstieg einigermaßen zu kompensieren.

Solche Maßnahmen sind nicht unproblematisch, aber auf lange Sicht notwendig, um das Wattenmeer zu retten. Sie müssen aber so ausgeführt werden, dass an den Entnahmestellen des Sandes nur geringe Schäden entstehen. In dem als Nationalpark geschützten Wattenmeer müssen sie sich gut in die natürlichen Abläufe einfügen, z.B. indem die Verteilung des Sandes den Naturkräften überlassen wird. Vor einer Umsetzung werden deshalb stets sorgfältige Umweltprüfungen erforderlich sein.

Zusätzliches Sediment kann auch helfen, bei lokalem Anpassungsbedarf den Küstenschutz so zu gestalten, dass er dem Naturschutz besser als bisher gerecht wird. In zunehmendem Maße sollten „harte“ Maßnahmen aus Beton und Steinen durch „weiche“ Maßnahmen aus Sand ersetzt werden.

Darüber hinaus bleibt es laut Strategie erforderlich, Anpassungen und Verbesserungen im Hochwasserschutz an der Küste, insbesondere an den Deichen, vorzunehmen. Und schließlich müssen Kommunikation, Raumplanung, Denkmalschutz und Bewusstseinsbildung die Strategie als Querschnittsaufgaben von Beginn an in der Umsetzung begleiten.

Miteinander statt Gegeneinander

Bei der über zweijährigen Arbeit an der „Strategie für das Wattenmeer 2100“ hat sich gezeigt, dass Küstenschutz und Naturschutz an der Nordseeküste Schleswig-Holsteins heute gut zusammenarbeiten: Früher war das Verhältnis stark von Konflikten geprägt – Naturschützer mussten bis in die 1980er-Jahre hinein immer größere werdende Eindeichungen von Wattenmeergebieten bekämpfen. Dagegen ist die Arbeit heute stark vom gemeinsamen Ziel der Abwehr der Folgen des Klimawandels für die Erhaltung des Nationalparks und Weltnaturerbes Wattenmeer und für die Sicherheit der Menschen an der Küste geprägt. Dies geht nur gemeinsam: Ohne Küstenschutz geht es nicht, aber dessen Maßnahmen müssen so entwickelt, ausgewählt und durchgeführt werden, dass die natürlichen Prozesse und die Artenvielfalt des Wattenmeer dabei nicht leiden, sondern gestärkt werden.

Wie weiter?

Naturschützer und Küstenschützer im schleswig-holsteinischen Wattenmeer müssen bei ihrer Arbeit künftig die neue Strategie berücksichtigen. Für ihre Umsetzung müssen konkrete Pilotprojekte und Experimente auf den Weg gebracht werden werden. Der WWF beteiligt sich hierbei z.B. durch das Projekt „PiKKoWatt“.

Die Strategie beschränkt sich in ihren Aussagen auf das Wattenmeer außerhalb der Festlandsdeiche. Sie trifft keine Aussagen über die ebenfalls bedrohten und bewohnten Marschgebiete hinter den Deichen. In der Zukunft wird es sicher erforderlich, auch dort gemeinsam die Weichen für eine Klimaanpassung zu stellen.

Aus Sicht des WWF müssen ähnliche Strategien nun auch für das Wattenmeer in Niedersachsen und Hamburg entwickelt werden. Auf der Ebene der drei Wattenmeerstaaten Dänemark, Deutschland und Niederlande ist zudem ein ständiger Austausch von Ideen erforderlich, wie Klimaanpassung so naturverträglich wie nur möglich gestaltet werden kann. Nur so können die drei Staaten der Verpflichtung zur Bewahrung des „Außergewöhnlichen Universellen Wertes“ des gemeinsamen Weltnaturerbes Wattenmeer gerecht werden

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