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Ökoregion jenseits der Wüste

Wo an Westafrikas Küste heiße Wüstenwinde auf kalte, nährstoffreiche Ströme aus der Tiefsee treffen, liegt eines der ökologisch wertvollsten Meeresgebiete der Erde. Weil es Fischkutter aus Europa und Asien plündern, kämpft der WWF dort am Äquator seit 2004 für eine nachhaltige Fischerei – mit wachsendem Erfolg.

© Olivier van Bogaert / WWF
© Olivier van Bogaert / WWF

Die Westafrikanische Marine Ökoregion (WAMER) umfasst die Länder Mauretanien, Senegal, Gambia, Guinea, Guinea Bissau, Sierra Leone, Ghana und die Kapverdischen Inseln. Die Region zählt zu den produktivsten und fischreichsten Meeresgebieten der Welt. Sie beherbergt Korallenriffe und Mangrovenküsten. Viele Zugvögel, die wir aus dem Wattenmeer kennen, überwintern an der westafrikanischen Küste. Stark bedrohte Arten, wie Meeresschildkröten, Mönchsrobben, sowie seltene Wal- und Delfinarten sind hier noch zahlreich anzutreffen. Große, international bedeutende Schutzgebiete, wie die Banq d’Arguin in Mauretanien helfen, die Lebensräume der bedrohten Arten zu sichern. Viele Menschen in der Region leben vom Fischfang. Die Fischbestände sind bereits stark zurückgegangen, weil hier auch Fischereiflotten aus der ganzen Welt anzutreffen sind.

 

Im Jahr 2004 begann der WWF Deutschland, sich an der internationalen marinen Fokusregion „Western Africa Marine Ecoregion“ zu beteiligen. Die Arbeiten vor Ort werden vom WAMER-Büro in Dakar und Projektteams auf den Kapverden und in Gambia durchgeführt. Die inhaltlichen Schwerpunkte der WAMER-Arbeit liegen in folgenden Bereichen: Aufbau eines Netzwerks mariner Schutzgebiete, Fischerei, Tourismus, Offshore-Öl- und Gasgewinnung und Schutz bedrohter Arten und Lebensräume.

 

Als Partner sieht der WWF-Deutschland seine hauptsächliche Rolle darin, sich an der kontinuierlichen inhaltlichen Weiterentwicklung des Programms zu beteiligen, strategische Partnerschaften in Deutschland und Europa für das WAMER-Programm aufzubauen, Finanzmittel für die Projektarbeit vor Ort zu akquirieren, die Arbeiten zum Schutz bedrohter Tierarten finanziell und die Arbeiten in den Bereichen Tourismus, Fischerei und Meeresschutzgebiete fachlich bzw. politisch zu unterstützen

Mauretanischer Fischer. © Mark Edwards / WWF-Canon
Mauretanischer Fischer. © Mark Edwards / WWF-Canon

Ein wesentlicher Faktor, der den langfristigen Erfolg des Naturschutzes entscheidend mitbestimmt ist die Zivilgesellschaft. Obwohl viele Länder Westafrikas formal Demokratien sind, ist der Staat hier wesentlich mächtiger als z.B. in Europa. Es fehlen eine kritische Öffentlichkeit und Strukturen der Selbstverwaltung. Der WWF hat deshalb bei der Gründung eines Netzwerks kritischer Umweltjournalisten geholfen, die sich gegenseitig unterstützen.

 

So kommen Umweltthemen in die Zeitungen und werden öffentlich diskutiert. Das kann sogar globale Auswirkungen haben. Der Senegal hat bisher auf betreiben Japans in der Internationalen Walschutzkonvention für die Aufhebung von Walfangverboten votiert. Dies war im Senegal kaum bekannt. Dem WWF ist es gelungen eine öffentliche Debatte über dieses Thema zu beginnen. Dadurch kann Druck auf die Regierung ausgeübt werden, um ihre Position zu verändern.

 

Der WWF achtet darauf, dass sich durch die Naturschutzmaßnahmen auch die Lebenssituation der Bevölkerung verbessert. In wenig entwickelten Ländern, wie dem Senegal, wo die Menschen zum Überleben unmittelbar auf die Nutzung natürlicher Ressourcen angewiesen sind, kann Naturschutz nur dauerhaft Erfolg haben, wenn er die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung einbezieht. In den Küstenorten, wo die meisten Menschen vom Fischfang leben, steht das nachhaltige Management der Fischbestände im Mittelpunkt.

 

In marinen Schutzgebieten können sich Jungfische und bedrohte Meerestiere ungestört entwickeln. Die Managementmaßnahmen in den Schutzgebieten werden gemeinsam mit den örtlichen Fischern festgelegt und überwacht. So wurden z.B. besonders engmaschige Netze verboten, in denen sich viele seltene Tiere und Jungfische verfangen. Um eine Überfischung zu verhindern, wurden auch die Fangmengen begrenzt. Jeder Fischer darf nur einmal am Tag zum Fang hinaus fahren. Diese Maßnahmen tragen dazu bei, dass die Fischer ihre Einkommensgrundlage langfristig nutzen können.

Fischerei in Kayar, Senegal. © Olivier van Bogaert / WWF-Canon
Fischerei in Kayar, Senegal. © Olivier van Bogaert / WWF-Canon

Um Fischern den Umstieg auf naturverträgliche alternative Erwerbsquellen zu erleichtern hat der WWF in drei Küstenorten die Gründung von Mikrokredit-Genossenschaften initiiert und in der Anfangsphase mit Startkapital und Ausbildung der Mitglieder geholfen. Bisher wurden bspw. in Kayar über 200 Kleinstkredite für Aktivitäten wie Gemüseanbau, Souvenirherstellung, Handel und Fischverarbeitung vergeben.

 

Ein weiterer Ansatzpunkt ist die Verarbeitung der angelandeten Fische. Fische für den afrikanischen Markt werden traditionell getrocknet oder geräuchert. Bisher wurde direkt am Strand über offenem Feuer geräuchert, was mit großem Holzverbrauch und starker Luftbelastung verbunden war. Der WWF hat im Fischerort Kayar geschlossene Räucheröfen gebaut, die nur 1/5 der Holzmenge benötigen und zudem die Qualität der geräucherten Fische verbessern.

 

Die Öfen werden von den Fisch verarbeitenden Frauen verwaltet. Neben der Luftverbesserung und der Schonung von Küstenwäldern und Mangroven, konnten die Frauen ihren Verdienst steigern, weil sie weniger Geld für Brennholz ausgeben müssen und ihre Ware zu besseren Preisen verkaufen können. Die Öfen sind so erfolgreich, dass sie nun auch in anderen Orten eingesetzt werden sollen. Der WWF braucht hierfür nicht einmal zu werben, es reicht, die Frauen der verschiedenen Orte zum Erfahrungsaustausch zusammen zu bringen.

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