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Fish for Life: Naturschutz, nachhaltige Fischerei und Armutsminderung Hand in Hand

Der Südostatlantik vor Westafrika ist eines der ökologisch wertvollsten Meeresgebiete der Erde. Kalte, nährstoffreiche Meeresströmungen aus der Tiefsee verwandeln die Küsten in eines der produktivsten und fischreichsten Meeresgebiete der Welt.

Fischer im Senegal © Uwe Johannsen / WWF
Fischer im Senegal © Uwe Johannsen / WWF

Hier gibt es gigantische Sardinen- und Sardinellenschwärme, Tintenfische und große Raubfische, wie Thun- und Schwertfische. Doch die Fischbestände vor den westafrikanischen Küsten sind stark überfischt. Internationale Fangflotten und eine stark wachsende Küstenfischerei haben die Situation in den letzten Jahren verschärft. Hinzu kommt eine starke Zuwanderung der Bevölkerung aus dem Binnenland an die Küste aufgrund langanhaltender Dürreperioden.

Meeresschutzgebiet und Fischereizentrum

Fischfang im Senegal © Uwe Johannsen / WWF
Fischfang im Senegal © Uwe Johannsen / WWF

Die alte Kolonialhauptstadt St. Louis im Norden des Senegal ist Weltkulturerbe und zählt zu den bedeutendsten Fischereizentren des Landes. Hier wurde 2009 das größte Meeresschutzgebiet des Senegal eingerichtet. Das Gebiet ist knapp 50.000 ha groß. Es soll die wertvollen Lebensräume und Laichgebiete für Fische und andere Meerestiere vor der Zerstörung zu bewahren und die Fischbestände schützen, die die wichtigste Einkommensgrundlage der lokalen Bevölkerung bilden. Jedoch sind die Fänge der senegalesischen Küstenfischer seit Jahren rückläufig.

Unmittelbar nach der Einrichtung des Schutzgebiets wurde ein Managementplan entwickelt und wichtige Laichgebiete zu fischereifreien Zonen erklärt. Aber es fehlten die Mittel, um die Regelungen durchzusetzen und das Gebiet wirksam zu schützen. Die Schutzgebietsbehörde verfügte nicht einmal über ein Boot und musste so immer wieder machtlos vom Strand aus zusehen, wie die Schutzregeln verletzt wurden. So ist das Schutzgebiet, das mit großem Enthusiasmus eingerichtet wurde, bei der lokalen Bevölkerung schnell wieder in Vergessenheit geraten. Die Überfischung ging trotz der Einrichtung weiter.

Fish for Life - gemeinsames Management des Schutzgebiets

Fischmarkt © Uwe Johannsen / WWF
Fischmarkt © Uwe Johannsen / WWF

Um diesem Missstand ein Ende zu setzen hat der WWF gemeinsam mit der lokalen Organisation APTE (Assainissement Peche Tourisme Environment) und mit Unterstützung des deutschen Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit im Jahr 2013 das Projekt „Fish for Life“ ins Leben gerufen. Im Rahmen dieses Projekts soll das Management des Schutzgebiets gemeinsam mit den Fischern überarbeitet und verbessert werden. Die Fischer organisieren sich selbst und bestimmen die Regeln aktiv mit. Aus den Projektmitteln soll auch die notwendige Ausrüstung für den Schutz des Gebietes beschafft werden. So soll das Gebiet mit Bojen markiert werden, damit die Fischer auf See erkennen können, ob sie im Schutzgebiet sind. An den Fisch-Anlandeplätzen sollen zudem Schilder aufgestellt werden, die auf die Regeln hinweisen. Vor allem aber soll ein schnelles seetaugliches Boot angeschafft werden, mit dem Fischer und Behörden auf gemeinsamen Patrouillen künftig die Einhaltung der Regeln überwachen. Dafür erforderliche Schwimmwesten, Ferngläser, GPS-Geräte, Handys usw. werden ebenfalls angeschafft.

Verbesserung der Bedingungen in der Fischverarbeitung

Fischverarbeitung © Uwe Johannsen / WWF
Fischverarbeitung © Uwe Johannsen / WWF

St. Louis lebt nicht allein vom Fischfang, auch die Verarbeitung der Fische ist ein wichtiger Wirtschaftssektor, der traditionell von den Frauen dominiert wird. Die Frauen kaufen den Fisch frisch vom Boot und verarbeiten ihn weiter. Für den afrikanischen Markt wird der Fisch durch Trocknen und Räuchern haltbar gemacht. Die Frauen verkaufen ihre Waren über Mittelsmänner in viele afrikanische Länder. Fisch ist in Westafrika eine unverzichtbare Eiweißquelle. Die Verarbeitung der Fische erfolgt direkt am Strand, die hygienischen und gesundheitlichen Bedingungen sind dabei häufig sehr schlecht. Die Frauen müssen stundenlang in der brennenden Sonne und im beißenden Rauch stehen. Es gibt keine Müllentsorgung und keine Abflussmöglichkeit für die Abwässer. Frischwasser muss oft über weite Strecken von wenigen Wasserhähnen herangetragen werden. Auch funktionierende Toilettenanlagen sucht man vergebens.

Besonders schlimm sind die Bedingungen am ältesten Fischverarbeitungsplatz in St. Louis. Gemeinsam mit den ca. 450 hier arbeitenden Frauen wollen wir die schlimmsten Mängel beseitigen. So wollen wir z.B. mehr Wasserleitungen legen, Abwasserrinnen bauen, Toilettenanlagen in Stand setzen und viele weitere Verbesserungen durchführen. Alle Maßnahmen werden mit den Frauen gemeinsam beraten und umgesetzt. Zusätzlich werden die Frauen in Hygiene, Qualitätsverbesserung und Vermarktung geschult, damit sie bessere Preise für ihre Produkte erzielen können und weniger Fisch verdirbt. Das Projekt startet im Juli 2013 und dauert drei Jahre.

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