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Mangrovenschutz im Senegal

Gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung hat der WWF im Jahr 2012 ein Projekt zum Schutz und zur Wiederaufforstung der Mangroven in drei Projektgebieten im Senegal begonnen. Das Projekt wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert.

Mangroven © WWF
Mangroven © WWF

Insgesamt werden im Laufe von 4 Jahren 1000 ha Mangroven aufgeforstet. Um den Projekterfolg langfristig zu sichern, werden gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung Regeln zur nachhaltigen Nutzung von Mangroven aufgestellt. Die fertigen Managementpläne werden von der Forstverwaltung genehmigt, dadurch erhalten die Dorfgemeinschaften exklusive Nutzungsrechte. Für die Überwachung der Regeln durch gemeinsame Patrouillen der Dorfbewohner und Behörden werden Boote und Ausrüstung angeschafft. Das Projekt soll auch dazu beitragen, Mangrovenprodukte wie Austern, Krabben und Honig besser zu vermarkten. Dadurch steigen die Einkommen der Frauen, die viele dieser Aktivitäten ausführen. Es werden auch zusätzliche Einkommensmöglichkeiten entwickelt und Kleinkredite für umweltfreundliche Aktivitäten vergeben. 

Wälder auf Stelzen

Mangroven © Uwe Johannsen / WWF
Mangroven © Uwe Johannsen / WWF

Mangroven sind salztolerante Gezeitenwälder. Sie wachsen an flachen tropischen Küsten, z. B. im Schutz von Inseln und in Flussmündungen. Hier bilden sie einzigartige vielfältige und produktive Lebensräume. Neben Korallenriffen und den tropischen Regenwäldern zählen Mangroven zu den produktivsten Ökosystemen der Erde.

Weltweit gibt es ca. 70 verschiedene Mangrovenarten. Je nach Standort wachsen sie zu zwei bis fünf Meter hohen Büschen oder mehr als 30 Meter hohen Bäumen heran. Im Schutz ihrer typischen Stelzwurzeln bieten sie zahlreichen Meerestieren, wie Fischen und kleinen Krebsen, sicheren Unterschlupf und reichlich Nahrung. Deshalb sind sie bevorzugte Laichplätze und Kinderstuben vieler Fische der Küstengewässer. Auch Meeressäugetiere und Meeresschildkröten sind hier heimisch. Im Geäst der Mangroven leben Säugetiere, Reptilien, Vögel und Insekten. An der westafrikanischen Küste beziehen Millionen Zugvögel, die wir im Frühjahr und Herbst auf ihrer Reise im Wattenmeer beobachten können, ihr Winterquartier in den Mangroven.

Mangroven zählen zu den effektivsten CO2 Speichern. Sie speichern bis zu 5 Mal mehr CO2 als tropische Regenwälder. Sie bilden dicke kohlenstoffreiche Sedimentschichten, die sie mit ihren Stelzwurzeln festhalten. Die Abholzung von Mangroven hat zur Folge, dass der Schlamm weggespült und der gespeicherte Kohlenstoff freigesetzt wird.

Mangroven: weltweit bedroht und abgeholzt

Mangroven Patrouillenfahrt © Uwe Johannsen / WWF
Mangroven Patrouillenfahrt © Uwe Johannsen / WWF

In den letzten Jahrzehnten sind die Mangrovenbestände weltweit um 20 % zurückgegangen. Die Verlustrate von Mangroven liegt damit höher, als die von tropischen Regenwäldern. Dies ist besonders alarmierend, da die Fläche der Mangroven weniger als 1 % der globalen tropischen Waldfläche ausmacht. Die größten Mangrovenbestände des Senegal liegen im Süden des Landes, in den weit verzweigten Mündungsbereichen der großen Flüsse Sine Saloum und Casamance. Sie bilden mehr oder weniger breite Ufersäume, Flussinseln oder flächige Bestände auf Wattflächen, die im Rhythmus der Gezeiten überflutet werden. Seit den 1950er Jahren sind ca. 30 % der Mangroven im Senegal verschwunden, insbesondere weil durch langanhaltende Dürreperioden das Süßwasser aus dem Hinterland ausblieb und die Standorte immer mehr versalzten. Aber auch die Übernutzung, durch den Einschlag von Bau- und Brennholz und nicht nachhaltige Nutzungsformen haben zum Rückgang der Mangroven beigetragen.

Mangroven sichern lokale Einkommen

Mangroven bieten der lokalen Bevölkerung zahlreiche Nutzungsmöglichkeiten (Fischerei, Sammeln von Muscheln sowie Krebs- und Schalentieren, Holznutzung als Bau- und Feuerholz, Gewinnung von Honig) sowie Schutz vor Hochwasser und Stürmen. Der Schutz von Mangrovenlebensräumen und ihrer Biodiversität trägt zum Klimaschutz ebenso bei, wie zur Sicherung der Einkommens- und Ernährungsgrundlagen der lokalen Bevölkerung. In den Projektgebieten leben insgesamt ca. 70.000 Menschen. Nach vorliegenden Schätzungen trägt die Nutzung der Mangroven zwischen 10 und 30 % zur Wirtschaftsleistung der Kommunen bei. Die Erträge sind jedoch in einigen Bereichen bereits rückläufig. Wenn dieser Trend nicht gestoppt wird, verliert die lokale Bevölkerung eine wichtige Ernährungs- und Einkommensquelle. Auch die Küstenfischer spüren den Verlust der Mangroven unmittelbar, weil der Nachwuchs der Fischbestände in ihren Fanggebieten ausbleibt.

Schutz und Aufforstung

Aufforstung © Uwe Johannsen / WWF
Aufforstung © Uwe Johannsen / WWF

In den drei Projektgebieten des WWF Projekts wurden zunächst alle verfügbaren Informationen über die Mangrovenbestände zusammengetragen. Satellitenbilder der letzten 20 Jahre wurden ausgewertet, um zu sehen, wo früher Mangroven wuchsen. Auf dieser Grundlage werden die geeignetsten Standorte für die Wiederaufforstung festgelegt. Die Bodenbeschaffenheit wird untersucht, um die bestgeeignete Mangrovenart für die Standorte zu finden.

In jedem Jahr werden in der Regenzeit zwischen Juli und September in allen drei Projektgebieten gemeinsam mit freiwilligen Helfern aus den Dorfgemeinschaften mehrtägige Pflanzaktionen durchgeführt. Im ersten Projektjahr 2012 wurden 100 ha Mangroven gepflanzt. Insgesamt waren daran über 700 Helfer beteiligt. Die jungen Pflanzen müssen nach der Pflanzung mehrere Monate gepflegt werden. Immer wieder müssen Spinnweben, Algen und Plastikmüll abgesammelt werden. Im zweiten Jahr sollen 300 ha aufgeforstet werden. Ebenso wichtig wie die Aufforstung ist ein nachhaltiges Management der Mangrovenbestände.

Mangroven als Lebensgrundlage

Mangroven Management © WWF
Mangroven Management © WWF

Die Frauen der Dorfgemeinschaften erzielen einen beträchtlichen Teil des Familieneinkommens durch das Sammeln von Austern, Muscheln und Krebsen in den Mangroven, die auf den lokalen Märkten angeboten werden. Viele Männer fischen in den Mangroven oder in angrenzenden Meeresgebieten. Das Holz der Mangroven wird als Bau- und Feuerholz verwendet, z. B. zum Räuchern der Fische und Meeresfrüchte.

In gemeinsamen Workshops in den Dorfgemeinschaften werden anhand von Karten, die Schutz- und Nutzungsgebiete festgelegt und Managementregeln vereinbart. So entstehen Managementpläne, die offiziell von der Forstverwaltung genehmigt werden. Die Dorfgemeinschaften erhalten exklusive Nutzungsrechte für die Gebiete und können so die vereinbarten Regeln auch gegenüber auswärtigen Nutzern durchsetzen. Zur Überwachung der Regeln werden Boote und Ausrüstung angeschafft. Die Dorfbewohner gehen regelmäßig gemeinsam mit den Behörden auf Patrouillenfahrt.

Verbesserung der Einkommen

Die Vermarktung der Mangrovenprodukte ist in den Projektgebieten relativ wenig entwickelt. In der Regel verkaufen z. B. die Frauen die gesammelten Muscheln gekocht und getrocknet auf lokalen Märkten. Dies ist arbeitsintensiv und wenig ertragreich. Zusätzliche Verdienstmöglichkeiten durch Verarbeitung, Erschließung neuer Märkte, Vereinbarung von Mindestpreisen und alternative Nutzungsmöglichkeiten wie Austernzucht, Honiggewinnung oder Ökotourismus werden noch wenig genutzt.

Das Potenzial für Wertsteigerungen und zusätzliche naturverträgliche Einkommensmöglichkeiten in den Projektgebieten soll untersucht werden. Den Mangrovennutzern werden Beratungen und Trainings in nachhaltigen und wertsteigernden Techniken der Mangrovennutzung angeboten. Gemeinsam werden z. B. einfache Anlagen zur Austernzucht als umweltfreundliche Alternative zum Sammeln in den Mangroven in unmittelbarer Nähe der Dörfer errichtet. Auch der Ökotourismus bietet in allen drei Projektgebieten ungenutzte Potenziale. Naturverträgliche Aktivitäten sollen durch Mikrokredite unterstützt werden. Die Entscheidung über die Kreditvergabe und die Verwaltung wird durch die Dorfgemeinschaften erfolgen. 

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