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Stand: 08.10.2014

Wie wir für die BaAka arbeiten

Das indigene Volk der BaAka lebt vermutlich schon seit Jahrtausenden in den Regenwäldern des Kongobeckens. Mit der fortschreitenden Zerstörung und Plünderung dieser Wälder verlieren auch die BaAka die Grundlage ihrer Lebensform und ihrer einzigartigen, ganz auf das Leben im Wald ausgerichteten Kultur. Der WWF hat zahlreiche Projekte zum Schutz dieses zweitgrößten Regenwaldgebietes der Erde ins Leben gerufen.

BaAka © Ralf Baecker / WWF
BaAka © Ralf Baecker / WWF

In allen Projekten in Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik und der demokratischen Republik Kongo liegt ein Schwerpunkt der WWF-Arbeit auf der Unterstützung der indigenen Bevölkerung. Durch die strikten WWF-Richtlinien zur Berücksichtigung indigener Belange und Rechte, die Umsetzung der internationalen ILO-Richtlinie zum Schutz der Rechte Indigener Gruppen, sind allen WWF-Projekten dabei klare Standards gegeben, die durch zahlreiche Aktivitäten vor Ort umgesetzt werden.

Zusammenarbeit gegen die Diskriminierung

Ohne die BaAka und ihr Wissen um den Regenwald wären viele Naturschutzbemühungen des WWF - wie die Programme zum Schutz und zur Erforschung der Gorillas - unmöglich. Die Situation der BaAka in den zum Teil von jahrelangen Bürgerkriegen und enormen sozialen Problemen zerrütteten Ländern im Kongobecken ist jedoch sehr schwierig. Sie werden von der Mehrheitsbevölkerung der Bantu-Ethnien häufig diskriminiert und politisch, sozial und ökonomisch an den Rand gedrängt.

BaAka Jugendliche im Regenwald © WWF
BaAka Jugendliche im Regenwald © WWF

Dem versucht der WWF entschieden entgegen zu wirken. 2012 hat der WWF den BaAka-Fund ins Leben gerufen, um die indigene Bevölkerung Dzanga-Sanghas beim Schutz ihres Kultur- und Naturerbes zu unterstützen und sich für die Verteidigung ihrer Rechte einzusetzen. Als erstes Projekt des BaAka-Funds startete 2012 eine Initiative mit Jugendlichen und Dorfältesten. Die Alten geben dabei ihr traditionelles Wissen an die Jungen weiter und festigen ihre kulturelle Identität. Der WWF unterstützt dieses Projekt jedes Jahr mit einem sechsstelligen Betrag.

Auf Initiative des WWF wurde der erste von den BaAka selbst verwaltete "Community Forest" in Kamerun, im Umfeld des Lobeke Nationalparks, eingerichtet.
Hier können die BaAka der Mambele Community die Ressourcen des Waldes selbst verwalten und bewirtschaften. In den kamerunischen Nationalparks Lobeke, Boumba Bek, Nki und Campo Ma´An wurden - ebenfalls auf Bestreben des WWF - spezielle Zonen für die BaAka zur nachhaltigen Nutzung von Waldprodukten wie etwa Honig, Pilzen und traditionellen Medizinpflanzen eingerichtet.

EcoGuards gegen die Wilderei

Da jedoch ein enormer Jagddruck auf den Wäldern des Kongobeckens lastet, um den rasant ansteigenden Bedarf an "Bushmeat" (Wildfleisch) der Gesamtbevölkerung zu decken, sind die Wälder außerhalb der Schutzgebiete fast vollständig leer gejagt. Die BaAka finden in ihren traditionellen Jagdgebieten oft keine Beute mehr. Zugleich steigt deshalb der Druck auch in den Schutzgebieten. In kommunalen Jagdgebieten wie dem Dzanga-Sangha Projekt oder in den Pufferzonen um die vom WWF betreuten Schutzgebiete in Kamerun, versucht der WWF nachhaltiges Jagdmanagement durch die Bevölkerung einzuführen. Umweltbildung, kollektive Kontrolle und partizipative Regelentwicklung zeigen jedoch nur sehr langsam Erfolge, auch wegen skrupelloser Wilderer, die ganze Wälder leerschießen und damit der Bevölkerung ihre Lebensgrundlage rauben. Aus diesem Grund und um bedrohte Tierarten vor dem Aussterben zu bewahren, unterstützt der WWF den Einsatz staatlicher "EcoGuards", die die Gesetze zum Schutz der Wildtiere und der natürlichen Ressourcen durchsetzen.

Matten aus Naturmaterial als Einkommensalternative © WWF
Matten aus Naturmaterial als Einkommensalternative © WWF

Dies birgt jedoch ein enormes Konfliktpotential. Der WWF setzt sich dafür ein, diese Konflikte zu entschärfen: durch Umweltbildung, Information und Einbindung der Bevölkerung, sowie Fortbildung und Sensibilisierung der EcoGuards. Zusätzlich arbeitet der WWF mit der gesamten Bevölkerung rund um die betreuten Schutzgebiete an der Entwicklung von Einkommensalternativen. Die Verbesserung der Landwirtschaft, ein gezielter Aufbau von Vieh- und Fischzucht, nachhaltige Waldnutzung sowie der Aufbau von Ökotourismus tragen inzwischen erheblich zum Einkommen von Tausenden von Menschen in den WWF-Projekten bei. Insbesondere die BaAka finden hier Arbeit und eine Anerkennung ihrer traditionellen Kenntnisse und Fähigkeiten.

Gewaltige Herausforderungen

In weiten Bereichen der entlegenen Projektregionen ist der WWF jedoch nahezu die einzige Organisation vor Ort, die sich um die Belange der Indigenen und den Naturschutz bemüht. Die staatliche Verwaltung ist oft sehr schwach. Der WWF baut deshalb in vielen Projektgebieten wie dem Dzanga-Sangha-Schutzgebiet oder dem Ngiri-Projekt, eine Basisgesundheitsversorgung auf. Hierbei muss darauf geachtet werden, dass die Mehrheitsbevölkerung sich nicht gegenüber den BaAka oder anderen Indigenen Gruppen benachteiligt fühlt und dadurch weitere Konflikte entstehen. Diese sehr schwierige Gesamtsituation kann der WWF nur schrittweise verbessern und muss in Zukunft noch mehr Partner-Organisationen für ein Engagement vor Ort überzeugen, um den gewaltigen Herausforderungen gerecht zu werden.

Eine BaAka Jugendgruppe diskutiert über Naturschutz © WWF
Eine BaAka Jugendgruppe diskutiert über Naturschutz © WWF

Der WWF bemüht sich zunehmend darum, den BaAka Selbstverwaltung und Hilfe zur Selbsthilfe zu ermöglichen. Im intensiven Dialog mit den BaAka, aber auch allen anderen Bevölkerungsgruppen, werden dazu im Umfeld aller vom WWF betreuten Schutzgebiete neue Strategien entwickelt und schrittweise umgesetzt. In einem Modellprojekt in Dzanga-Sangha wird der Dialog zwischen den Bevölkerungsgruppen, die Bewahrung traditionellen Wissens und die Stärkung der Rechte und der Selbstbehauptung der BaAka in Selbstverwaltungsstrukturen, Jugendgruppen und lokalen Gremien intensiv unterstützt. Die BaAka sollen für sich selbst sprechen und über ihre Belange entscheiden können.

Was der WWF für die BaAka tut

  • Aufbau und Unterstützung des ersten selbstverwalteten "BaAka Community Forests" in Kamerun (Mambele Community im Umfeld des Lobeke Nationalparks).
  • Einrichtung des BaAka-Funds 2012 zum Schutz der indigenen Bevölkerung Dzanga-Sanghas und der Verteidigung ihrer Rechte.
  • Kartierung und Einrichtung von Zonen zur nachhaltigen Nutzung von Waldressourcen innerhalb aller vom WWF betreuten Nationalparks in Kamerun (Lobeke, Nki, Camp Ma`An, Boumba Bek) insbesondere für die BaAka.
  • Entwicklung eines REDD+-Konzeptes (FPIC) zum Waldschutz im Rahmen der internationalen Klimaschutzbemühungen unter Wahrung und Abstimmung aller indigenen Belange für Kamerun.
  • Entwicklung von Einkommensalternativen im Umfeld der Schutzgebiete: Verbesserung der Landwirtschaft, Ausbau von Vieh- und Fischzucht zur Reduktion des Jagddruckes auf Wildtiere, Aufbau von Ökotourismus und naturschutzrelevante Forschung.
  • Intensive Schulung und Sensibilisierung der EcoGuards, um ein Bewusstsein für die indigene Bevölkerung zu fördern und einen korrekten Umgang sicherzustellen.
  • Aufbau und Unterstützung einer Basis-Gesundheitsversorgung, wie zum Beispiel die Ausbildung von "Gemeindekrankenschwestern", Unterhalt von Gesundheitsstationen, Bereitstellung von Medikamenten, Aufbau einer Gesundheits- und Sozialkasse, insbesondere in den Projekten Dzanga-Sangha und Ngiri.
  • Aufbau von Selbstverwaltungsorganisationen und Selbsthilfegruppen (Dzanga-Sangha), Initierung von Co-Managementverträgen zwischen indigenen Communities und dem Staat (Campo Ma`An Nationalpark, Kamerun).
  • Unterstützung von lokalen NGOs, die den BaAka helfen (z.B. MEFP, "Maison des enfants et des femmes de pygmees", Kamerun und ZAR).
  • Lobby-Arbeit für die Ratifizierung und Umsetzung der ILO-Konvention 169 für die Rechte Indigener Gruppen in nationales Recht.
  • Aufbau von "community hunting zones", Entwicklung von Regeln zu nachhaltiger Jagd in den Pufferzonen um Schutzgebiete oder in kommunalen Wäldern.
  • Partizipatives Management der Ressourcen, kooperative Maßnahmenplanung und Nutzungskartierung in und um alle betreuten Nationalparks, Berücksichtigung und Abstimmung indigener Belange in allen Nationalparks.
  • Beeinflussung nationaler Prozesse wie dem "Ökonomischen Wachstumsplan" für Kamerun oder der Landnutzungsplanung zur Sicherung indigener Rechte und Belange.
  • Einarbeitung indigener Belange in die UNESCO-Welterbe-Nominierung des trinationalen Sangha-Schutzgebietes und Unterstützung der Aufnahme der BaAka-Kultur in die immaterielle Welterbe-Liste.
  • Implementierung der WWF-Richtlinie zur Wahrung indigener Belange in allen WWF-Projekten in der Region, Überzeugungsarbeit bei den Regierungen für indigene Rechte und Belange.
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