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Stand: 28.08.2014

Wasserrisiko – Deutschlands Risiko in Zeiten der Globalisierung

Deutsche Unternehmen sind in hohem Maße abhängig von Waren und Dienstleistungen aus dem Ausland. Für die Herstellung unserer weltweit produzierten Konsumgüter braucht die deutsche Wirtschaft sauberes Wasser in ausreichenden Mengen. Doch Wasser ist vielerorts ein knappes Gut und Deutschland hat bei zahlreichen Waren ein besorgniserregendes „importiertes Wasserrisiko“.

Wasser ist kein Problem der Zukunft mehr © iStock / Getty Images
Wasser ist kein Problem der Zukunft mehr © iStock / Getty Images

Durch das weltweite Bevölkerungswachstum, verändertes Konsumverhalten und den Klimawandel werden Probleme wie Wasserknappheit in vielen Teilen der Welt weiter zunehmen. Doch nicht nur vor Ort hängen Mensch und Natur von der Ressource Wasser ab. Als drittgrößte Importnation der Welt müssen wir uns auch in Deutschland mit dem Thema auseinandersetzen: „Wasser ist kein Problem der Zukunft mehr. Immer häufiger sind Unternehmen innerhalb der Wertschöpfungsketten von lokalen Wasserrisiken betroffen. Spürbare Folgen reichen von Imageproblemen über temporäre Produktionsstopps bis hin zu Standortschließungen“, sagt Philipp Wagnitz, Süßwasser-Experte beim WWF Deutschland. 

Das importierte Wasserrisiko am Beispiel eines T-Shirts © WWF
Das importierte Wasserrisiko am Beispiel eines T-Shirts © WWFLupe

Was bedeutet Wasserrisiko?

Ob Nahrungsmittel, Strom, Bekleidung oder andere Industriewaren: Die Privatwirtschaft ist der weltweit größte Wassernutzer. Wenn in den Produktionsgebieten nicht vorrausschauend geplant wird, kann dies gravierende Folgen haben.

Ein dramatisches Beispiel ist der Aralsee: „Im Zuge der Baumwollproduktion, wurden in Usbekistan die gesamten Wasserressourcen der Zuflüsse zum Aralsee aufgebraucht – mit der Folge, dass das Wasservolumen des Sees um fast 90 Prozent geschrumpft ist“, erklärt Philipp Wagnitz. Wassermangel ist aber nicht das einzige Problem. 

Wasserrisiken gibt es auf zwei Ebenen:

  1. Unternehmensbezogen:
    Als Produktionsmittel
  2. Auf das Flussgebiet bezogen:
    Als gemeinsam genutzte Ressource

Sie umfassen physische Risiken wie Trockenheit, regulative Risiken - wie falsche Gesetze - und reputative Risiken, wie beispielsweise Proteste. Die Risiken sind durch unterschiedliche klimatische, geologische und sozio-ökonomische Faktoren von Region zu Region verschieden. „Beim Thema Wasser ist es wichtig, dass Unternehmen über ihre traditionellen Grenzen hinausdenken und sich als Wassernutzer innerhalb von Flussgebieten verstehen. Oft sind Risiken, die die eigene Produktion beeinflussen, ein Resultat vieler Nutzer. Es braucht daher gemeinsame Lösungen für gemeinsame Probleme“, so Wagnitz.

Wie misst man das Wasserrisiko?

Der WWF hat gemeinsam mit der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) ein Instrument entwickelt, um Wasserrisiken zu ermitteln. Der Wasserrisikofilter ermöglicht es Nutzern, schnell und einfach das Wasserrisiko für Branchen und Länder zu analysieren. 

Physisches Risiko: Wasserknappheit und schlechte Wasserqualität

Durch die Übernutzung von Flüssen, Seen und Grundwasserleitern, durch die Verschmutzung mit Chemikalien oder Pestiziden und durch die Zerstörung lokaler Ökosysteme wächst der Druck auf Mensch und Natur vor Ort. Die Auswirkungen und damit entstehenden Wasserrisiken für Unternehmen sind Wasserknappheit und schlechte Wasserqualität. „Im Flussgebiet sitzen alle in einem Boot. Wasserknappheit entsteht zum Beispiel dann, wenn die Wassernutzer gemeinsam mehr Wasser verbrauchen als saisonal zur Verfügung steht“, erklärt Wagnitz.

Globale physische Wasserrisikokarte, basierend auf Daten zu Wasserknappheit, Verschmutzung und dem Zustand von Ökosystemen. (Stand 2014) © WWF
Globale physische Wasserrisikokarte, basierend auf Daten zu Wasserknappheit, Verschmutzung und dem Zustand von Ökosystemen. (Stand 2014) © WWF

Regulatives Risiko: Unzureichende Gesetze und mangelnde Durchsetzung

Ob beim Baumwollanbau in Pakistan, bei der Öl-, Kohle- und Gasförderung in Russland oder beim Erzbergbau in Südafrika: Viele Regionen, aus denen deutsche Unternehmen ihre Rohstoffe beziehen, kennzeichnen sich bisher durch eine eher laxe Wassergesetzgebung. Vor allem bei der Durchsetzung und Kontrolle von Gesetzen hakt es. Dabei sind gute Gesetze und deren Verfolgung die Grundlage eines nachhaltigen Wassermanagements vor Ort. Ohne sie entstehen regulative Risiken für hier produzierende Unternehmen.

Reputatives Risiko: gesellschaftliche Proteste und Medien

Hat der Wasserverbrauch oder die Wasserverschmutzung eines Unternehmens negative Auswirkungen auf benachbarte Gemeinden und Lebensräume, auf Menschen, Tiere und Pflanzen vor Ort, kann das auch dem Ruf eines Unternehmens schaden und Kaufentscheidungen von Verbrauchern beeinflussen. In Zeiten eines erhöhten Umweltbewusstseins wird dieses Risiko immer wahrscheinlicher. „Es gibt viele Fälle, bei denen gesellschaftliche Proteste Produktionsstopps und ganze Standortschließungen zur Folge hatten. Da Wasser ein öffentliches Gut ist, müssen Unternehmen, Politik und die Zivilgesellschaft gemeinsam an Lösungen für lokale Probleme arbeiten“, sagt WWF-Wasserexperte Philipp Wagnitz.

Branchen mit hohem Wasserrisiko

90 Prozent der Unternehmen, die Deutschlands Wirtschaft stützen, sind Wasserrisiken ausgesetzt. Dazu gehören die Textil- und Bekleidungsindustrie, die Rohstoffindustrie, die Landwirtschaft und die Chemieindustrie – also beispielsweise Hersteller von Kunststoffen, Pflanzenspritzmitteln und Farbstoffen.

In der Textil- und Bekleidungsindustrie ist die Baumwollproduktion das wasserintensivste Segment. Da Baumwolle oft in Ländern mit Wasserknappheit angebaut wird, ergeben sich zwangsläufig Probleme. „Leider wissen viele führende Bekleidungsunternehmen nicht einmal, woher ihre Ware genau stammt. Das ist aber die Grundvoraussetzung, um gemeinsam mit den Lieferanten an Lösungen zu arbeiten“, kritisiert Wagnitz.

Hoher Wasserverbrauch bedeutet nicht hohes Wasserrisiko

Wassersparen allein genügt nicht. Denn auch für ein Unternehmen, das nur wenig Wasser benötigt, kann das Wasserrisiko hoch sein – zum Beispiel durch eine sehr unsichere Wasserversorgung am Produktionsstandort. Und auch in wasserreichen Regionen muss man mit einem Wasserrisiko rechnen – zum Beispiel durch ein mangelndes politisches Management. 

Was muss passieren?

Deutschlands Unternehmen müssen jetzt handeln, um die Wasserrisiken der Zukunft zu senken. Sie müssen ihr Wasserrisiko analysieren und gemeinsam mit anderen Wassernutzern vor Ort wirksame Lösungen entwickeln und umsetzen.

Investoren und Finanzdienstleister müssen das Wasserrisiko in ihre Anlageentscheidungen einbeziehen. Regierungen müssen den Wert von Wasser in den Flussgebieten besser verstehen, nachhaltige Wassergesetzgebungen schaffen und diese umsetzen. Verbraucher sollten sich über die Herkunft von Produkten informieren, mehr Transparenz einfordern und Kaufentscheidungen von einer nachhaltigen Herstellung abhängig machen. 

Sie vertreten ein Unternehmen und möchten Ihr Wasserrisiko minimieren? Arbeiten Sie mit uns zusammen!

Andrea Dreifke-Pieper

Leiterin Strategische Unternehmenskooperationen

Tel.: 030 - 311 777 740
Mobil: 0151 188 54 886

andrea.dreifke-pieper(at)wwf.de

Philipp Wagnitz

Water Risk Management

Tel.: 030-311 777 209

philipp.wagnitz(at)wwf.de

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