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Weltwasserforum 2012: Wege aus der Wasserkrise

Obwohl unser Planet zu mehr als 70 Prozent damit bedeckt ist, wird Wasser zunehmend ein knappes Gut. Denn gerade mal drei Prozent dieser gewaltigen Mengen sind trinkbares Süßwasser, und wiederum nur ein Drittel davon ist für die menschliche Nutzung erreichbar. Die steigende Nachfrage nach Energie, Nahrung und sauberem Wasser wird die ohnehin schon schwelende Wasserkrise noch weiter verschärfen.

Der WWF zieht zum Abschluss des Weltwasserforums 2012 in Marseille ein zwiespältiges Fazit. Die offizielle Ministerdeklaration habe nicht die Kraft, um den lokalen und regionalen Erfolgsmodellen einen ausreichenden globalen Rahmen zu geben, urteilt Martin Geiger vom WWF. „Wer das Menschenrecht auf Wasser umsetzen und wirtschaftlichen Wohlstand sowie eine ausreichende Gesundheitsversorgung aller Menschen sicherstellen möchte, der muss die entsprechenden Süßwasservorkommen und die damit untrennbar verbundenden Ökosysteme schützen", sagte der Leiter vom Fachbereich Süßwasser. Zugleich kritisiert Geiger, dass zwar viele, vornehmlich lokale Lösungen und Versprechen präsentiert wurden, dieser aber leider in ihrer Summe bisher nicht den dringend erforderlichen, globalen Aktionsplan darstellten. Als Beschlussgrundlage für den im Juni stattfindenden UN-Umweltgipfel Rio+20 in Brasilien taugt die Deklaration nicht, so das Urteil des WWF.

 

Immerhin wurde die Umsetzung des Menschenrechtes auf Wasser und der Erhalt von natürlichen Feuchtgebieten und Flüssen gefordert. Zudem hätten die Teilnehmer anerkannt, das Wasser eine ökologische, soziale und ökonomische Komponente habe.

 

Wasserkrise ist eine der größten globalen Herausforderungen

Auf dem Weltwasserforum 2012 in Marseille waren Staatspräsidenten, Minister, Parlamentarier und Vertreter von Behörden zusammengetroffen, um gemeinsam mit Wasserwirtschaft und Wissenschaft sowie Nichtregierungsorganisationen an globalen Strategien zu arbeiten.

Die globale Sicherung des Zugangs zu Süßwasservorkommen stellt eines der größten Herausforderung der Zukunft dar.

 

„Auch wenn in Deutschland und Westeuropa die Situation derzeit weitgehend entspannt ist, kann das nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir uns bereits mitten in einer globalen Wasserkrise befinden“, warnt Geiger. Die Ressource Wasser würde, so der WWF-Experte, immer knapper. Das sei in erster Linie eine Folge von Verschwendung, Missmanagement und ineffizienter Bewässerung. „Eine Verschärfung der weltweiten Wasserkrise wird die öffentlichen Gesundheitskosten steigen lassen, die wirtschaftliche Entwicklung ausbremsen, ökologische Probleme verschärfen und schwerwiegenden sozialen und geopolitischen Spannungen und Konflikten führen", fasst Geiger die Ergebnisse einer WWF-Analyse zusammen.

 

Starke Zunahme von gewalttätigen Konflikten seit der Jahrtausendwende

So ist es allein seit der Jahrtausendwende weltweit zu über 50 Konflikten mit Gewalteinwirkung aufgrund der Nutzung von Wasser gekommen. Die steigende Nachfrage nach Energie, Nahrung und sauberem Wasser werde die ohnehin schon schwelende Wasserkrise noch weiter verschärfen und vermehrt zu Konflikten führen. 

 

Die Folgen würden nach Geigers Einschätzung auch Deutschland und die EU treffen. Es drohten Landflucht in Südeuropa, Kollaps der Landwirtschaft in Teilen des Mittelmeers und ein Ende des Tourismus in einigen beliebten Urlaubsregionen, so der WWF-Experte. Der WWF sieht auch die Deutsche Bundesregierung in der Verantwortung, immerhin importiert die Bundesrepublik über Nahrungsmittel und Industriegüter jedes Jahr 106 Milliarden Kubikmeter Wasser. „Wir sind Verantwortlicher und Betroffener zugleich“, sagt Martin Geiger. „Unsere Versorgung mit Agrargütern ist direkt von Wasserressourcen der Erzeugerstaaten abhängig, so sind derzeit die Supermärkte voll mit Gemüse und Obst aus der Mittelmeerregion und dem Nahen Osten. Wir können es uns daher allein aus ökonomischer Sicht nicht leisten, dass sich die Wasserproblematik weiter verschärft.“ 

 

Das Weltwasserforum findet seit 1997 alle drei Jahre statt und ist eine der größten, internationalen Konferenzen von Wissenschaftlern, Politikern und Experten aus aller Welt.

Der WWF hatte die Abschlusserklärung des letzten Weltwasserforums 2009 als eine „Ansammlung von Plattitüden“ kritisiert. Diesmal muss die Abschlusserklärung klare Zielvorgaben enthalten, die als Beschlussgrundlage für den UN-Umweltgipfel Rio+20 im Juni dienen können. Außerdem müssten die Delegierten ihre jeweiligen Regierungen dazu auffordern, die „UN Watercourses Convention“ zu unterzeichnen. Die UN-Gewässer-Konvention bietet ein Rahmenwerk für gemeinschaftliches und partnerschaftliches Management für Wassersysteme, die internationale Grenzen überschreiten oder bilden und ist eine der entscheidenden Konventionen um zukünftige Wasserkonflikte zwischen Nationalstaaten zu verhindern.

Der WWF fordert insbesondere von Regierungen und Unternehmen:

  • Die Wassernutzung an natürlichen und nicht an politischen Grenzen auszurichten und im Rahmen eines integrierten Flussgebiets-Management zu verwirklichen.
  • Investitionen vorzunehmen in integrierte Programme zur Erhaltung der Fließgewässerökosysteme und der Sicherung von Wasserversorgung, Abwasserentsorgung und Hygiene.
  • Fließgewässerökosysteme zu schützen und wiederherzustellen, damit sie ihre Funktionen für die biologische Vielfalt, die Nahrungsgrundlagen für die lokale Bevölkerung und das Wohlergehen der Menschen in den Einzugsgebieten nachhaltig bereitstellen können.
  • Den Wasser-Fußabdruck von Städten zu vermindern, ihre Anpassung an den Klimawandel zu verbessern und das Wasser-Risiko in städtischen Gebieten zu reduzieren.
  • Den Wasser-Fußabdruck der Landwirtschaft zu reduzieren.
  • Die Gesetze, Vorschriften, politischen Leitlinien und Standards zur nachhaltigen Nut-zung der Wasserkraft einzuhalten, anzuwenden und zu verbessern.
  • Finanzielle Anreize für private Investitionen in eine regenerative, verlässliche und nachhaltige Energieversorgung in Entwicklungsländern einzuführen.
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