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Tropenholzbelastung in deutschen Papierprodukten

Papierprodukte aus dem deutschen Einzelhandel sind häufig mit Tropenholz belastet. Seit 2009 untersucht der WWF Deutschland immer wieder Papierprodukte und findet dabei MTH (mixed tropical hardwood - siehe Infokasten). Diese Fasern sind ein starker Hinweis, dass das Holz aus tropischen Regenwäldern stammt.

© Thomas Macholz / WWF
© Thomas Macholz / WWF

Bei nachhaltiger Bewirtschaftung tropischer Regenwälder werden zwei bis drei nach Art und Alter identifizierte Bäume je Hektar Wald entnommen. Nach dieser Entnahme wird dieses Waldgebiet über einen Zeitraum von ca. 25 Jahren nicht mehr bewirtschaftet. Bei dieser Art der Waldbewirtschaftung, die in aller Regel nicht typisch ist für die Papierindustrie, ist es nahezu ausgeschlossen später eine große Anzahl Holzgattungen unbekannter und unterschiedlicher Gattungen in Papier wiedergefunden werden. Solche Funde deuten daher sehr stark auf Raubbau und Waldumwandlung hin.

EU-Holzhandelsverordnung

Seit 2013 ist in Deutschland die EUTR (EU-Holzhandelsverordnung) in Form des Holzhandelssicherungsgesetzes (HolzSiG) in Kraft. Die Verordnung soll verhindern, dass bestimmte Holz- und Papierprodukte mit illegalem Hintergrund in die EU gelangen. Nach Auffassung des WWF ist es bei Papieren mit MTH-Faser nahezu ausgeschlossen, die Anforderungen der EUTR für Papierprodukte einzuhalten. Der Grund liegt darin, dass selbst die fachkundigen und in Bezug auf die Identifizierung von MTH-Fasern am weitesten entwickelten Labore, derzeit noch nicht in der Lage sind, alle Holzarten / -gattungen in der MTH-Fraktion eindeutig benennen zu können.

Buchtitel aus den Herstellungsjahren 2011/2012: 16 von 34 untersuchten Büchern wiesen einen erheblichen Anteil an Tropenholz-Fasern auf.

Aus Sicht des WWF hat dies im Umkehrschluss zur Folge, dass ein Marktteilnehmer (Erstimporteur in die EU) im Falle von MTH (bei Produkten, die der EUTR unterliegen) vom Import absehen müsste, da das Unternehmen nicht gemäß EUTR sachgemäß alle Holzarten / -gattungen benennen und für jede Holzgattung eine Risikobewertung durchführen könnte. Selbst wenn es den Versuch unternehmen würde, müsste es an den aus technischen Gründen nicht ermittelbaren aber nach EUTR notwendigen Informationen zu denen im Produkt enthaltenen Holzarten scheitern. Aus Sicht des WWF ist bei solchen Produkten die Einhaltung der Sorgfaltspflicht gemäß EUTR nicht möglich.

 

Die Einfuhr solcher Produkte sollte aus Sicht des WWF aus genannten Gründen unterbleiben. 2015 erstattete der WWF Deutschland zum ersten Mal Anzeige gegen mehrere Unternehmen, bei denen MTH Fasern in Papierprodukten gefunden wurde. 

Erläuterungen zu Mixed Tropical Hardwood (MTH)

Als ‚Mixed Tropical Hardwood‘ (MTH) wird eine Gruppe von Holzfasern in Papier oder zusammengesetzten Holzprodukten wie z.B. Spanplatten bezeichnet. In Bezug auf Papier: Zu den klassisch etablierten Fasern der Papierherstellung gehören z.B. Hölzer aus gemäßigten und borealen Regionen, Plantagenhölzer (für Papier i.d.R. Eukalyptus, Akazie), Baumwolle, Stroh oder Zuckerrohr. Diese etablierten und bekannten Fasern können routinemäßig von Laboren identifiziert werden. Tropenhölzer kommen erfahrungsgemäß als Mischung vieler verschiedener Arten vor, von denen einige von qualifizierten Laboren aufgrund von Referenzen auf Gattungsebene identifiziert werden können. Diese Mischung verschiedener, zum Teil unbekannter Gattungen und Arten (MTH), gibt einen Hinweis, dass es sich wahrscheinlich um Hölzer aus tropischen Naturwäldern handelt. Die Identifizierung einer einzelnen unbekannten Holzart, die im Papier in größerer Menge vorkommt, gibt einen Hinweis auf Anpflanzungen wie Plantagen (nicht MTH).

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