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Der grünen Lunge droht die Luft auszugehen

Guénola Kahlert, Wald- und Klimaexpertin des WWF, erklärt im Interview, warum die Abholzung der indonesischen Torfmoorwälder eine tickende Zeitbombe ist.

Projekt im Blick: WWF-Wald- und Klimaexpertin Guénola Kahlert in Sebangau. © WWF
Projekt im Blick: WWF-Wald- und Klimaexpertin Guénola Kahlert in Sebangau. © WWF

Warum sind die indonesischen Torfmoorwälder so wichtig für das Weltklima?

In den Böden schlummern gigantische Mengen an Kohlenstoff, der sich über Jahrtausende dort abgelagert hat. Obwohl Torfmoorwälder nur rund drei Prozent der Landmasse des Planeten bedecken, enthalten ihre mächtigen Torfschichten soviel Kohlenstoff wie die Gesamtheit der Biomasse des Planeten! Rund 6.000 Tonnen Kohlenstoff sind in jedem Hektar Torfmoorwald gebunden. Das ist rund 50-mal so viel wie in Tropenwäldern, die nicht auf Torfmoor wachsen. Indonesien beherbergt die größten tropischen Torfmoorwälder der Welt (21 Millionen Hektar).

Was passiert, wenn diese Wälder abgeholzt werden?

Ihre Zerstörung ist in Bezug auf den Klimawandel eine tickende Zeitbombe. Werden sie zerstört, wird der Kohlenstoff vergangener Epochen schlagartig als CO2 freigesetzt und Wälder, die über Jahrtausende als CO2-Speicher wirkten, heizen so plötzlich selbst den Treibhauseffekt an. Insgesamt sind in ihnen bis zu 61 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gelagert – die extrem bedroht sind.  Indonesien ist inzwischen das Land mit dem drittgrößten Treibhausgasausstoß der Welt. Grund dafür ist nicht die ausufernde Industrie, sondern die Zerstörung der heimischen Regenwälder.

Wie sehr belastet die Zerstörung der Torfmoorwälder aktuell das Klima?

Wir haben berechnet, dass schon jetzt pro Jahr ein Ausstoß von rund zwei Milliarden Tonnen CO2 allein auf die Zerstörung der Torfmoorwälder Indonesiens zurückzuführen ist. Das entspricht acht Prozent der weltweiten CO2 Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energieträger. Der Großteil davon entfällt auf Borneo und Sumatra.

Was ist verantwortlich für die Entwaldung?

Einer der Haupttreiber der Entwaldung in Indonesien ist die nicht nachhaltige Palmölindustrie. Mehr als 50 Prozent der neuen Ölpalmplantagen auf Borneo und Sumatra sollen auf Torfmooren angelegt werden. Die Zerstörung der Torfmoorgebiete beginnt mit dem Bau von Entwässerungsgräben. Dadurch wird der Grundwasserspiegel abgesenkt, um das sumpfige Gelände für Palmöl- oder Holzplantagen zu nutzen. Der WWF rechnet mit einer Vervierfachung der Palmölnachfrage weltweit bis 2050. Dann wären bis zu 50 Millionen Hektar zusätzliche Plantagen nötig. Wenn Ölpalmen auf Torfland wachsen, verursacht die Produktion einer Tonne Palmöl bis zu 30 Tonnen CO2-Emissionen.  

Wie sieht eine Lösung aus?

Die Verantwortung für den Erhalt der einmaligen Wälder liegt nicht allein bei den betroffenen Ländern Südostasiens. Die Produkte, die auf den ehemaligen Regenwaldflächen angebaut werden, werden in erster Linie in den Industrieländern verbraucht. Die Problematik muss international gelöst werden. Daher tritt der WWF für die Bereitstellung von Geldern für waldreiche Länder im Rahmen des REDD-Mechanismus ein, wenn diese ihre Wälder schützen. Der so genannte REDD-Mechanismus (Reduced Emissions from Deforestation and Forest Degradation) ist einer der zentralen Punkte eines künftigen Klimaschutzabkommens. Ziel ist es, dass die Industrieländer für die Erhaltung des Regenwaldes einen finanziellen Beitrag leisten. Nur durch eine angemessene finanzielle Entschädigung für den Erhalt von Waldflächen ist die Zerstörung der Wälder aufzuhalten. Es ist unter derzeitigen Rahmenbedingungen ökonomisch rational, den Regenwald abzuholzen, weil die Abholzung leider immer noch mehr wirkliches Geld bringt, als ihn zu erhalten.

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