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Stand: 09.05.2014

REDD+ für den Regenwald: 43 Millionen Euro zum Schutz von Kongos Wäldern

Es ist ein Riesenerfolg für den WWF: Die Demokratische Republik Kongo wird in den nächsten Jahren über 43 Millionen Euro aus einem REDD+ Fond der Weltbank für den Schutz ihrer Regenwälder erhalten.

Regenwald im Kongo © Sandra Mbanefo Obiago / WWF Canon
Regenwald im Kongo © Sandra Mbanefo Obiago / WWF Canon

Die Demokratische Republik Kongo im Herzen des Kongobeckens ist eines der ärmsten Länder der Welt. Dort befindet sich das zweitgrößte tropische Regenwaldgebiet der Erde. Die Artenvielfalt der riesigen Wälder ist einmalig, für das Weltklima sind sie von enormer Bedeutung. Nun hat die Republik Kongo die Zusage über Ausgleichszahlungen in Millionenhöhe erhalten, wenn sie ihren Wald schützt.

Waldschutz ist Klimaschutz

Der Erhalt von Tropenwäldern gehört seit der UN-Klimakonferenz auf Bali 2007 genauso zum Klimaschutz wie die Reduzierung des CO2-Ausstoßes der Industrieländer. „Wälder und besonders tropische Wälder sind wichtige Kohlenstoffspeicher“, erklärt WWF-Expertin Hermine Kleymann. „Werden sie abgeholzt oder geschädigt, entweicht das gespeicherte CO2 in die Atmosphäre. Dieser Beitrag macht mehr als 15 Prozent aller globalen Treibhausgase aus. Das ist mehr als der gesamte Transportsektor, also alle Flugzeuge, LKW und Autos zusammen und trägt erheblich zur Erwärmung des Weltklimas bei.“ Länder mit großen Waldvorkommen sollen einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten, indem sie ihre Wälder schützen. Deshalb haben die Vereinten Nationen den Mechanismus REDD+ geschaffen. Die Abkürzung REDD bedeutet Reducing Emissions from Deforestation and Degradation (Verminderung von Emissionen aus Entwaldung und Schädigung von Wäldern).

Mit REDD+ gegen die Urwaldzerstörung

Hermine Kleymann WWF-Referentin REDD Politik © David Biene / WWF
Hermine Kleymann WWF-Referentin REDD Politik © David Biene / WWF

Die Grundidee von REDD ist einfach: Wer nachweislich weniger Waldflächen abholzt, tut etwas für uns alle und erhält einen entsprechenden finanziellen Ausgleich. Über den Erhalt des Waldes hinaus wird seit etwa fünf Jahren auch die natürliche Wiederaufforstung von Wäldern belohnt, eine nachhaltige Forstbewirtschaftung und zum Beispiel das Einrichten von Schutzgebieten. Das Programm wurde deshalb im Laufe der UN-Klimaverhandlungen in REDD+ umbenannt. „Aufgrund von großem Investitionsinteresse und Bevölkerungswachstum ist zu erwarten, dass sich der Druck auf die Wälder, insbesondere der ganz armen Länder, in Zukunft extrem erhöhen wird“, sagt Hermine Kleymann. „Es ist deshalb sehr wichtig, dass die letzten großflächigen Naturwälder gerade im Kongobecken noch erhalten bleiben. Hier kann REDD+ die richtigen Anreize setzen und bietet eine realistische Chance.“

Wo kommt das Geld her?

An der endgültigen Finanzierung von REDD+ wird noch gearbeitet, bis zur UN-Klimakonferenz 2015 in Paris soll sie stehen. „Zu hoffen ist, dass REDD+ aus dem sogenannten „Grünen Klimafonds“ unter der UN-Klimarahmenkonvention finanziert wird, in den Industrienationen und private Investoren einzahlen werden“, sagt Hermine Kleymann vom WWF. Derzeit wird REDD+ über verschiedene Kanäle finanziert. Der bedeutendste Topf ist der Carbon Fund des Waldklimafonds der Weltbank (FCPF), von dem auch der Kongo in Zukunft profitiert. Dieser Fonds ist im Moment mit etwa 300 Millionen Euro befüllt – durch großzügige Geberbeiträge zum Beispiel von Norwegen, Deutschland, England, Kanada und Australien.

Die Heimat von Waldelefant, Gorilla & Co.: REDD+ im Kongo

Wald in der Ndombe-Provinz © Julie Pudlowski / WWF Canon
Wald in der Ndombe Provinz © Julie Pudlowski / WWF Canon

REDD+ ist ein nationales Programm, betrifft also immer ganze Länder. Damit will man der Gefahr vorbeugen, dass die Entwaldung lediglich von einer Region in eine andere verlagert wird. In einer Übergangsphase wird aber auch der Waldschutz einzelner Bundesländer oder Provinzen gefördert. Im Kongo kann dadurch eine besonders wertvolle Region geschützt werden: Die Mai-Ndombe-Provinz im Westen des Landes ist mit gut 13 Millionen Hektar etwa so groß wie Österreich und die Schweiz zusammen, neun Millionen Hektar davon sind bewaldet. Hier leben Waldelefanten und Gorillas, Flusspferde und Leoparden. Die Artenvielfalt in den Wäldern Mai-Ndombes ist einzigartig. Doch die Bevölkerung wächst und mit ihr der Druck auf die Wälder.

Der WWF Deutschland in Mai-Ndombe

Wodurch genau entsteht der Druck auf die Wälder und wie kann man dem wirkungsvoll begegnen? Das herauszufinden ist wichtiger Bestandteil von REDD+. In der kongolesischen Provinz Mai-Ndombe arbeitet der WWF Deutschland an dieser Fragestellung. „Effektiver Waldschutz kann immer nur mit der Bevölkerung zusammen geschehen“, erklärt Hermine Kleymann. „Es ist wichtig zu verstehen, wie Wälder genutzt werden und welchem Zweck sie dienen. Zusammen mit Indigenen als auch anderen Menschen, die im und vom Wald leben, müssen Alternativen entwickelt werden, die einen Kompromiss aus Schutz und Nutzen des Waldes darstellen. Wichtig ist, eine Lösung zu finden, um die Natur zu schützen und der Bevölkerung keine Entwicklungsmöglichkeiten verwehren.“

Feuerholz und Ackerland: Bedrohungen für den Tropenwald in Mai-Ndombe

Feuerholzhandel in Kinshasa © Julie Pudlowski / WWF Canon
Feuerholzhandel in Kinshasa © Julie Pudlowski / WWF Canon

In Mai-Ndombe fällt immer wieder viel Wald der Brandrodung für Ackerflächen zum Opfer. Hier gilt es vor allem, bessere landwirtschaftliche Anbaupraktiken zu entwickeln, damit nicht ständig neue Flächen benötigt werden. Ein weiteres großes Problem ist der Feuerholzbedarf der lokalen Bevölkerung. Eine Lösung dafür  könnten energieeffizientere Öfen sein - oder die Anpflanzung von Holzplantagen auf bereits gerodeten Flächen, die zur Nutzung zur Verfügung stehen.Auch die Holzindustrie richtet im Regenwald der Region große Schäden an. „Um die Wälder Mai- Ndombes zu schützen, muss zum einen dem illegalen Abholzen Einhalt geboten werden,“ sagt Hermine Kleymann. „Zum anderen muss die genehmigte industrielle Holzentnahme zukünftig ressourcensparender vorgehen und zum Beispiel vermeiden, große Zugangswege in den dichten Naturwald zu planieren.“

43 Millionen Euro für das Klima

Als einer der wichtigsten Impulsgeber treibt der WWF seit 2010 REDD+ in Mai-Ndombe voran. Für den gerade bewilligten Weltbank-Antrag mussten über 30 Interessensgruppen an einen Tisch gebracht werden – neben der Regierung auch Indigenenvertreter und lokale NGOs, Ackerbaufirmen, die Holzindustrie, Vertreter der UN und internationale Geber. „Es war eine sehr große Herausforderung, die Koordinierung und Vereinbarung vieler Interessen zu wahren - und dies zu einem Thema, das komplexer nicht sein könnte“, sagt Hermine Kleymann. Die Mühe hat sich gelohnt: Als eines der ersten Länder der Welt hat der Kongo die Zusage über rund 43 Millionen Euro erhalten, wenn in Mai-Ndombe nachweislich Wald geschützt und dadurch CO2 gebunden bleibt beziehungsweise wird.

„Carbon Mapping“: Waldvermessung per Laser

Wie viel Kohlenstoff speichert der kongolesische Regenwald überhaupt? Welchen Wert hat der Wald also für unser Klima? Um das zu ermitteln, startete der WWF Deutschland ein Modellprojekt und nutzt eine neue Methode: Per Laser werden die Wälder aus der Luft vermessen. Zum Vergleich finden immer wieder exemplarische Messungen vom Boden aus statt, in denen Anzahl, Breite und Höhe der Bäume geprüft werden. Zusammen mit der Auswertung von Satellitendaten entstehen so Kohlenstoff-Karten (Carbon Maps). Diese Daten werden dem REDD+ Mechanismus im Kongo als Berechnungsgrundlage zur Verfügung gestellt. 

Die Zukunft in Mai-Ndombe

Das Programm REDD+ bietet für den Kongo große Chancen. „Idealerweise können wir hier zeigen, wie man Naturschutz mit Entwicklung vereinbart und dazu den Privatsektor mit an Bord holt, damit er nachhaltig investiert“, erklärt Hermine Kleymann. „REDD+ ist dabei nicht die Lösung für alles, sondern ein Mittel, um entsprechende Entwicklungen oder gar Green Economy anzustoßen.“ Die Zusage der Gelder bietet die Chance, in der Provinz Mai-Ndombe REDD+ modellhaft umzusetzen – als Vorbild für andere Provinzen oder Länder.


Von Stephanie Probst

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