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Klimakiller Waldbrand – unser Klima wird brandstiftenden Wirtschaftsinteressen geopfert

Weltweit haben nur etwa 4% aller Waldbrände natürliche Ursachen wie beispielsweise Blitzeinschlag. In allen anderen Fällen ist der Mensch – sei es direkt oder indirekt, sei es fahrlässig oder vorsätzlich – verantwortlich für den Brand. Oft kann sich der Wald nicht mehr selbstständig von den Folgen des Brandes erholen. Nicht selten sind die verbrannten Flächen und damit das gesamte Ökosystem mit den darin lebenden Pflanzen und Tieren verloren. Die Auswirkungen von Waldbränden auf die weltweite Artenvielfalt sind nach Ansicht des WWF gravierend.

© Konstantin Kobyakov / WWF Russia
© Konstantin Kobyakov / WWF Russia

Solange Feuer nur natürlichen Ursachen wie Blitzeinschlägen entsprang, konnten sich die Wälder noch nach jedem Brand erholen und wieder in ihren angestammten Regionen ausbreiten. Doch überall dort, wo Brände heute am falschen Ort, zur falschen Zeit, zu stark und zu häufig auftreten, stellen sie eine ernsthafte Bedrohung für das Ökosystem Wald dar.

 

Ein Waldbrand lässt sich in drei Phasen unterteilen: Meist entzünden sich zunächst das Gras und der trockene Unterwuchs. Es kommt zu einem Bodenfeuer, das noch leicht bekämpft werden kann. Wenn es sich zu einem Lauffeuer auswächst, kann es besonders bei Nadelhölzern auf die Baumwipfel überspringen. Das führt rasch zu einem Kronenfeuer und zu einem rasanten Ausbreiten der Flammen. Kronenfeuer lassen sich deutlich schwerer bekämpfen und wachsen sich leicht zur dritten Stufe, einem Totalbrand aus. Dieser kann so gut wie nicht mehr gelöscht werden.

 

Sämtliche Ökoregionen, die für die Erhaltung der globalen Artenvielfalt entscheidend sind, sind auf 84% ihrer Fläche durch Veränderungen in der Intensität und Häufigkeit von Feuern gefährdet. Nur auf den verbleibenden 16 % bewegen sich die auftretenden Feuer noch innerhalb der ökologisch akzeptablen Grenzen.

Die Ursachen der Waldbrände

Es gibt viele Arten der Entstehung und Ausbreitung von Waldbränden, aber meist nur einen Verursacher: den Menschen. Der WWF fordert daher, dass die wirklichen Ursachen der Waldbrände – Abholzung, nicht selten illegale, und damit verbundene Austrocknung der Flächen, zerstörerische Holzwirtschaft und Brandrodung für Plantagen, die oft außer Kontrolle gerät – konsequent bekämpft werden. Er setzt sich mit Projekten zum Schutz und zur pfleglichen Nutzung der Wälder für dieses Ziel ein und übt durch Lobbyarbeit Druck auf die jeweiligen Regierungen aus.

Satellitenbild der Brände in Südost-Asien 2015 © NASA Earth Observatory / Adam Voiland
Satellitenbild der Brände in Südost-Asien 2015 © NASA Earth Observatory / Adam Voiland

Wie kompliziert das Ursachengeflecht von Klima, menschlicher Nutzung und dem Auftreten von Waldbränden ist, zeigen die Feuerkatastrophen der Jahre 1997/1998 und 2015. Das Wetterphänomen El Niño führte in weiten Teilen Südostasiens, Lateinamerikas und im russischen fernen Osten zu extremer Trockenheit. In Brasilien und Indonesien gerieten riesige Waldgebiete in Brand, die zuvor durch Holzeinschlag aufgelichtet und damit der Austrocknung schutzlos preisgegeben worden waren. Allein in Indonesien brannten fast 1997/1998 fünf Millionen und 2015 2.6 Millionen ha Wald. Rauch und Gase verschmutzten die Luft und gefährdeten die Gesundheit von 70 Millionen Menschen in der Region. Wissenschaftler befürchten, dass sich die El Niño-Zyklen durch die drohende Erderwärmung in Zukunft verkürzen und so zu noch mehr Trockenperioden führen könnten.

 

Die Ursachen für die zunehmenden Waldbrände finden sich in Indonesien selbst, aber auch in der Entwicklung globaler Märkte. Rohstoffe wie Zellstoff, Palmöl oder Kautschuk, für deren Produktion auf riesigen Plantagen die indonesischen Wälder weichen müssten, seien weltweite Handelsprodukte und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für den Inselstaat. Die riesigen Torfmoorwälder werden entwässert und der bis zu 20 m tiefe Torf wird trocken. Dieser durch El Niño noch zusätzlich ausgetrocknete Torf brennt schnell und dauerhaft. Rund 30 Prozent der Brände in 2015 sind laut WWF auf Zellstoff- und Holzplantagen entdeckt worden, weitere zehn Prozent in Palmölkonzessionen. In der Landwirtschaft werde Feuer illegal eingesetzt, um bereits genutzte Flächen von Pflanzenresten zu befreien, aber auch um neue Gebiete für den Anbau zu gewinnen. Diese Brände gerieten dann häufig außer Kontrolle.

Dahinter stecken häufig Großkonzerne wie etwa Asia Pulp and Paper (APP), einer der weltgrößten Papier- und Zellstoffproduzenten, oder der Palmöl-Gigant Wilmar. Auf der Insel Sumatra befanden sich 39 Prozent aller Brände auf Konzessionen von APP-Zulieferern. Haupthindernis für eine effektive Kontrolle der Brände und die Verfolgung der Verursacher seien das schwache Justizsystem und die grassierende Korruption. Erst in jüngster Zeit hat die indonesische Regierung begonnen, gegen Unternehmen vorzugehen. Seit 1990 verlor Indonesien 27,5 Mio ha Wald durch Abholzung, Brände und Umwandlung in Holz-, Papier- und Ölpalmplantagen. Dies entspricht in etwa der zweieinhalbfachen Waldfläche Deutschlands.

 

Maßnahmen des WWF

Folgen eines Waldbrandes in Spanien © iStock / getty
Folgen eines Waldbrandes in Spanien © iStock / getty

Im russischen Fernen Osten hat der WWF geholfen, ein funktionierendes Frühwarnsystem für Waldbrände aufzubauen. Der WWF hat Personal für die Brandbekämpfung ausgebildet und ausgestattet. In Indonesien unterstützt der WWF ein gemeindebasiertes Management gegen die Brandrodung in den Schutzgebieten und deren Randzonen. Er setzt sich für bessere Managementmethoden in Plantagen ein und ist in der politischen Arbeit aktiv, die sich gegen den weiteren Aufbau von Plantagen richtet – einer der Hauptgründe für Brandstiftung in diesem südostasiatischen Land. Darüber hinaus wirkt der WWF an der Wiederherstellung des Wasserhaushalts dieses tropischen Torfmoorwaldes auf Borneo mit, um das Abbrennen des Torfes und die Freisetzung von Kohlenstoff zu verhindern. Im Mittelmeerraum werden Aufklärungskampagnen durchgeführt. Daneben setzt sich der WWF in seiner Lobbyarbeit dafür ein, dass die Verursacher von Waldbränden stärker zur Rechenschaft gezogen und die dafür vorgesehenen Strafen auch vollstreckt werden. Im Amazonasbecken kämpft der WWF für die Ausweitung der Schutzgebietsflächen, in denen Brandrodung und andere waldvernichtende Maßnahmen ausgeschlossen sind.

Forderungen des WWF

Brände verhindern – Der Vorbeugung von Bränden sollte oberste Priorität eingeräumt werden, wenn das Waldbrandrisiko in den genannten Regionen und die daraus resultierenden Schäden reduziert werden sollen.

 

Keine Eukalyptusbestände oder andere brandanfällige Monokulturen schaffen – Ziel der Forstwirtschaft sollte es sein, durch den Aufbau natürlicher Wälder mit natürlicher Baumartenkombination die Anfälligkeit für Feuer zu verringern und die Widerstandsfähigkeit des Ökosystems zu erhöhen.

 

Brandrodung gesetzlich verhindern – Der Aspekt der Waldbrandgefährdung muss in alle relevanten Gesetze integriert werden. In manchen Ländern wird die Umwandlung von Wald in landwirtschaftliche Flächen gefördert. Die Brandrodung kann jedoch unkontrollierbare Flächenbrände verursachen. Hier ist dringend eine Gesetzesreform notwendig. Ebenso wenig sollte die Umwidmung von Waldbrandflächen in Bauland gestattet sein, da hierdurch Anreize für Brandstiftung geschaffen werden. In manchen Ländern sind zusätzlich harte Strafen und eine starke Rechtsdurchsetzung erforderlich, um vorsätzliche Brandstiftung (zum Beispiel bei Landstreitigkeiten oder in Verbindung mit illegalem Holzeinschlag) zu verhindern.

 

Waldrisiken durch angepasste Landnutzungsplanung verringern – Die Waldbrandgefahr muss in den betroffenen Ländern stärker als bisher in die Raumplanung integriert werden. In besonders gefährdeten Gebieten sollte auf die Errichtung neuer Siedlungen verzichtet werden. Um unnötige Risiken zu minimieren, sollte beim Bau berücksichtigt werden, dass Eisenbahnlinien und Stromleitungen Waldbrände auslösen können. Ob bislang unberührte Wälder neu erschlossen werden, sollte stets einer Umweltverträglichkeitsprüfung unterliegen. Denn wo neue Waldwege angelegt werden, kommen auch mehr Menschen. Dadurch steigt unweigerlich die Gefahr durch Menschen verursachter Brände.

 

Verantwortlichkeiten klären und stärken – Bei der Bekämpfung eines Feuers müssen die Verantwortlichkeiten klarer zugewiesen werden. Gerade in Waldbrandzonen muss feststehen, wer die verschiedenen Stellen (Behörden, Feuerwehr, Bürger) koordiniert. Für die Überwachung von Waldbrand-Risikogebieten müssen ausreichende finanzielle Mittel und personelle Kapazitäten zur Verfügung stehen. Nur so können Waldbrände im Frühstadium erkannt und rechtzeitig bekämpft werden. 

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