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Stand: 23.04.2014

Elfenbeinhandel in Asien

Auf Schwarzmärkten in Vietnam, Thailand und China boomt die Nachfrage für Elfenbeinprodukte. Weitere asiatische Staaten gelten als wichtige Transitländer für den Schmuggel. Hier in Asien entscheidet sich der Kampf gegen die Wildereikrise, ist sich Flora Müller vom WWF Deutschland sicher.

Elefant in Afrika © Martin Harvey / WWF Canon
Elefant in Afrika © Martin Harvey / WWF Canon

Elfenbeinschnitzereien haben in asiatischen Ländern eine lange Tradition in der Religion, Kunst und Kultur. Obwohl der internationale Handel seit 1989 durch das CITES-Abkommen verboten wurde, ist der nationale Handel unter bestimmten Umständen in vielen asiatischen (z.B. Thailand, China) aber auch außer-asiatischen Ländern erlaubt. „Den signifikanten Anstieg von Elfenbeinschmuggel mit dem Ziel Asien beobachten wir schon seit Jahren mit großer Sorge. Wir wissen von 16 neu geöffneten registrierten Elfenbeinfabriken zwischen 2002 und 2011“, sagt Flora Müller, Expertin für Wilderei und illegalen Wildtierhandel beim WWF Deutschland.


Ein großes Problem im Kampf gegen die Elfenbein-Mafia sei die Unterscheidung zwischen legalem und illegalem Elfenbein, sagt Müller. Zu legalem Elfenbein gehören Stücke, die aus der Zeit vor dem CITES-Verbot stammen, sowie Elfenbein von domestizierten Elefanten (z.B. in Thailand) und von einmaligen Verkäufen im Jahr 1999 und 2008, die durch CITES abgesegnet wurden.

Elfenbein in China

Gewildertes Elfenbein aus Gabun © Bas Huijbregts / WWF Canon
Gewildertes Elfenbein aus Gabun © Bas Huijbregts / WWF Canon

China ist das Hauptziel für Elfenbeinprodukte. Schätzungen zu Folge könnte der Anteil illegaler Produkte bei etwa 90 Prozent liegen. Im Jahr 1999 gestattete CITES erstmalig den Ländern Namibia, Zimbabwe und Botswana insgesamt 55 Tonnen Elfenbein aus zertifizierten Beständen an Japan zu verkaufen. 2008 folgten weitere 115 Tonnen, die von Japan und China aufgekauft wurden. Eine Bedingung für den Verkauf an China war, ein Identifikationsschema einzuführen, um das Elfenbein als legal zu kennzeichnen. Darüber hinaus sollte es ausschließlich für chinesische Staatsbürger erhältlich sein und jedes Stück ab 50 Gramm benötigt eine Identifikationskarte mit Foto. Allerdings ist dieses System extrem anfällig für Korruption und Missbrauch. Ermittlungen haben gezeigt, dass auch staatliche Verkäufer die Objekte ohne Karte verkaufen, diese Karten anschließend wiederverwerten und das illegale Elfenbein so „reinwaschen“. „Es ist davon auszugehen, dass sich ein weiterer Schwarzmarkt für die Identifikationskarten aufgetan hat“, fürchtet Müller.

China ist berühmt für seine Elfenbeinschnitzereien, die früher hauptsächlich exportiert wurden, aber zunehmend von einer wachsenden Mittel- und Oberschicht gekauft werden. Geschnitzt werden aufwändige Landschaften, verschnörkelte Pagoden oder kunstvolle Wunderkugeln. Elfenbein gilt als Luxusprodukt. Es wird als prestigeträchtiges Geschenk überreicht oder als finanzielle Investition wie Gold oder Immobilien betrachtet. Bei einer Umfrage des National Geographic gaben mehr als die Hälfte der Befragten an, bereits Elfenbein gekauft zu haben. Auf die Frage, warum sie diese Produkte kauften, antworteten mehr als 85 Prozent mit Prestigegefühlen, und über ein Drittel assoziierte Elfenbein mit den Begriffen „Luxus“ und „Status“.

Eine weitere Studie in Beijing, Shanghai und Changzhou ergab, dass über die Hälfte der Befragten nicht wusste, dass Elefanten für ihr Elfenbein sterben müssen und die Stoßzähne nicht nachwachsen. 50 Prozent kannten die gesetzlichen Identifikationskarten nicht oder waren sich nicht des Wildereiproblems in Afrika bewusst.

Elfenbein in Thailand

Elfenbein Souvenirs © Bas Huijbregts / WWF Canon
Elfenbein Souvenirs © Bas Huijbregts / WWF Canon

Ähnlich wie China hat Thailand ebenfalls eine lange Elfenbeinschnitzerei-Kultur, die zum Teil stark im Buddhismus verankert ist. Es gilt als Glücksbringer und wird für Amulette und Buddha-Figuren genutzt.

In Thailand befindet sich einer der größten unkontrollierten Elfenbeinmärkte Südostasiens. Der Handel mit Elfenbein von verstorbenen, domestizierten Asiatischen Elefanten ist hier legal. Dieses Schlupfloch wird ausgenutzt, um Afrikanisches Elfenbein ins Land zu schmuggeln und auf dem Lokalmarkt als Thai-Elfenbein „reinzuwaschen“. Eine rein optische Unterscheidung zwischen Elfenbein von Asiatischen und Afrikanischen Elefanten ist nicht möglich. Indizien für diese „Elfenbeinwäsche“ liefern die Diskrepanz zwischen der Zahl von domestizierten Elefanten und angebotenem Elfenbein, sowie die steigenden Zahlen von Verkaufsstellen und Schnitzern. Seit 2008 müssen sich alle Händler und Schnitzerei-Unternehmen offiziell registrieren. Dies haben bis jetzt allerdings nur wenige gemacht. Das Risiko ist anscheinend so gering, dass Verkäufer ihre illegale Ware nicht versteckt anbieten, sondern öffentlich anpreisen.

Touristen aus China, anderen asiatischen Staaten, Amerika, Europa und Australien scheinen die Hauptkonsumenten in Thailand zu sein. Thailand ist das beliebteste Reiseziel in Südost-Asien, und viele Touristen kommen auf den lokalen Märkten mit den Elfenbeinschnitzereien in Kontakt. Der offene Verkauf im Land gaukelt den Touristen vor, dass diese Souvenirs legal seien – das böse Erwachen folgt dann bei der Einreise am Zoll.

Elfenbein und christliche Religion

Die Philippinen gelten als wichtiges Transitland für Elfenbein, dass von Afrika nach China oder Thailand geschmuggelt wird. Darüber hinaus ist das Land berühmt für seine katholisch-christlichen Schnitzereien, den sogenannter santos. Diese stellen wichtige Figuren der katholischen Religion dar, wie z.B. die Jungfrau Maria, Jesus oder andere Heilige, und wurden bereits vor dem 16. Jahrhundert weltweit exportiert. Auch heute noch sind diese Schnitzereien begehrt. Das hierfür benötigte Elfenbein stammt anscheinend zum größten Teil aus Zolllagern, die durch korrupte Angestellte entwendet werden. Die Lager der Philippinen sind gefüllt mit Elfenbein aus Großaufgriffen der letzten Jahre: So wurden alleine 2005/2006 insgesamt 7,7 Tonnen und 2009 insgesamt 5,4 Tonnen vom Zoll beschlagnahmt. 2006 „verschwanden“ 3,7 Tonnen, gefolgt von weiteren 800 Kilogramm in 2010. In Interviews haben lokale Händler zugegeben, dass dieses Elfenbein an Schnitzereien und Händler verkauft wurde.

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