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Stand: 23.04.2014

Nashorn: Die Spur führt nach Vietnam

Vietnam ist mit Abstand der größte Importeur von Nashorn-Produkten. Seit ein paar Jahren boomt die Nachfrage, die Preise explodieren und die Zahlen von getöteten Nashörnern schnellen in die Höhe. Was tut der WWF dagegen?

Breitmaulnashorn © Michael Poliza / WWF
Breitmaulnashorn © Michael Poliza / WWF

Die mit Abstand größte Nachfrage für Nashorn-Produkte kommt aus Vietnam. Dort ist es vor allem ein prestigeträchtiges Luxusprodukt. Es wird als teures Geschenk bei Geschäftsabschlüssen oder für Geschäftspartner präsentiert. Wein, gemischt mit gemahlenem Nashorn, wird auf exklusiven Partys getrunken oder nach einer durchzechten Nacht gegen den Kater. Die Attraktion des Nashorns ist hierbei sein hoher Preis und die Illegalität.

Nashorn: Medizinische Wirkung wie Fußnägel

Nashorn Produkte © National Geographic Stock / Steve Raymer / WWF
Nashorn Produkte © National Geographic Stock / Steve Raymer / WWF

Nashorn gilt aber auch als vielseitig einsetzbares Wundermittel, das unter anderem auch in den Arzneibüchern der traditionellen Medizin genannt wird. Es wird in der Regel zermahlen, soll so gegen Kopfschmerzen, Fieber oder Masern helfen. Neuere Anwendungen sind in den vergangenen Jahren hinzugekommen, die der traditionellen Medizin Vietnams völlig unbekannt sind. So hält sich das Gerücht hartnäckig, Nashorn könne Krebserkrankungen vorbeugen oder sogar heilen. In Vietnam sterben jährlich ca. 82.000 Menschen an Krebs und viele misstrauen westlichen Therapiemöglichkeiten, wie der Chemotherapie. 

All diese zugesprochenen Heilwirkungen lassen sich wissenschaftlich nicht nachweisen. Nashorn besteht zum Großteil aus Keratin, vergleichbar mit Haaren oder Nägeln. Oder anders formuliert: man könnten genauso gut an seinen eigenen Finger- oder Zehennägeln kauen und würde dabei noch eine Menge Geld sparen.

Wie kommt Nashorn von Afrika nach Asien?

Anders als Elfenbein wird Nashorn nicht tonnenweise aus Afrika nach Asien verschifft, sondern eher im Fluggepäck von Einzelpersonen auf bestimmten Flugrouten geschmuggelt. Laut TRAFFIC braucht es lediglich 36 Stunden, bis ein gewildertes Nashorn auf dem Schwarzmarkt in Hanoi landet. Die meisten Aufgriffe finden hierbei am Flughafen Johannesburg (Südafrika) und Maputo (Mosambik) statt, inzwischen aber auch vermehrt an asiatischen Transitflughäfen, wie Hong Kong, Bangkok, Kuala Lumpur und Singapur. So wurden seit Beginn des Jahres 2014 in drei separaten Vorfällen drei Vietnamesen mit insgesamt 22 Nashörnern im Gepäck am Flughafen von Bangkok, Singapur und Hanoi verhaftet.

Breitmaulnashorn © Michael Poliza / WWF
Breitmaulnashorn © Michael Poliza / WWF

Der Import, Handel und Besitz von Nashorn ist in Vietnam illegal und kann laut dem Gesetz mit bis zu sieben Jahren Haft bestraft werden. „Allerdings mangelt es erheblich an Strafverfolgung und Verurteilung von Verstößen“, sagt Flora Müller, Expertin für Wilderei und illegalen Wildtierhandel.

 

Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES regelt den internationalen Handel mit wild lebenden Tier- und Pflanzenarten. Der kommerzielle internationale Handel von Nashörnern und deren Derivate ist seit dem Jahr 1977 verboten. Dieses Abkommen wurde 1994 von Vietnam unterschrieben. Obwohl die nationale Gesetzgebung eindeutig den Handel und Besitz von Nashorn verbietet, floriert der Schwarzmarkt in kleinen Einzelhandelsgeschäften und im Internet. 

Was macht der WWF um die Nachfrage zu reduzieren?

Um den Bedarf an Nashorn zu reduzieren, muss man zunächst identifizieren, welche Gesellschaftsschichten Nashorn konsumieren und aus welchen Beweggründen. Des Weiteren ist es wichtig, die nationalen Rahmenbedingungen (Gesetzeslage, Strafverfolgung von Verstößen, politische Zusammenhänge etc.) zu verstehen.

Der WWF setzt in Vietnam auf zwei unterschiedlichen Ebenen an:

  1. Reduktion der Nachfrage durch Aufklärungsarbeit, z.B. in Form von Kampagnen, Kooperationen mit Bildungsinstituten und ikonischen Vorbildern (Stars, Politiker).
  2. Erhöhung des Strafmaßes und des Risikos geschnappt zu werden durch verbesserte Strafverfolgung. Insbesondere der zweite Aspekt erfordert eine gute Kooperation mit der Regierung, Polizei, Justizsystem und dem Zoll.

Beispiele einiger Maßnahmen, die vom WWF in Vietnam geplant oder bereits umgesetzt werden:

  • Konsumentenforschung als Basis für Kampagnen zur Reduktion der Nachfrage, WWF-TRAFFIC Werbekampagne mit Anzeigen an öffentlichen Orten (Flughäfen, Universitäten, Bürogebäude), in Zeitungen, im Fernsehen, auf Social Media Plattformen wie Facebook und Verschicken von SMS-Texten an 65 Millionen Mobiltelefone
  • Zusammenarbeit mit Sängerin My Linh zu einem „Say no to rhino horn“-Aufklärungsvideo
  • Kooperation mit dem Verband traditioneller chinesischer Medizin, der Gesundheitsbehörde, der Krebsgesellschaft sowie mit Ärzten und Medizinstudenten
  • Kooperationen mit Fluggesellschaften zur Aufklärung von asiatischen Touristen
  • Kooperationen mit asiatischen Botschaften in Afrika zur Aufklärung der dort lebenden asiatischen Gemeinschaft
  • Kooperation mit und Trainings von Behörden (Zoll, Polizei etc.) zur verbesserten Strafverfolgung, z.B. durch den Einsatz von Artenschutzspürhunden 


Weitere Aktivitäten anderer Organisationen:

  • Die NGO ‚Education for Vietnam‘ hat im Juni 2013 eine Aktion gemeinsam mit Geschäften, die traditionelle chinesische Medizin vertreiben, gestartet. In acht Läden hängen Poster, die Kundschaft über die Illegalität von Nashorn aufklären
  • Gemeinsam mit TRAFFIC und TRACE (NGO mit Schwerpunkt Forensik) will die CITES-Vollzugsbehörde in Vietnam den Import von Nashorn-Jagdtrophäen strenger überwachen. Hierzu soll unter anderem eine DNA-Datenbank für importierte Trophäen bis Ende 2014 eingerichtet werden.

Erste Erfolge zeichnen sich ab:

Während Vietnam noch Anfang 2013 die Position bezog, es sei lediglich Transitland für Nashornschmuggel nach China und die vietnamesische Bevölkerung würde selbst nicht konsumieren, scheint der weltweite öffentliche Druck und die Veröffentlichungen der überwältigen Beweislage inzwischen zu einem Umdenken geführt zu haben. So hat Vietnam im Dezember 2012 ein Abkommen zur Verbesserung des Nashornschutzes mit Südafrika abgeschlossen. Premierminister Nguyen Tan Dung veröffentliche im März 2014 eine Direktive gegen Wilderei und illegalem Wildtierhandel, die signalisiert, dass die vietnamesische Regierung diese nicht mehr nur als Umweltproblem, sondern auch als eine Gefährdung für die nationale Ökonomie und internationale Beziehungen betrachtet. Unter anderem ordnet die Direktive an, dass die Justiz härter gegen den Handel mit illegalem Elfenbein, Nashorn und anderen Wildtierarten vorgehen soll, dass die Kontrollen an Grenzübergängen verschärft werden, sowie die vietnamesische Bevölkerung z.B. durch Massenmedien über bestehende Gesetze zum Wildtierhandel aufgeklärt werden. Dies ist ein wichtiger erster Schritt zur Bekämpfung der Wildereikrise auf Seiten des Konsums.

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