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Stand: 21.12.2016

Nashorn: Die Spur führt nach Vietnam

Vietnam ist der größte Importeur von Nashorn-Horn. Seit ein paar Jahren boomt die Nachfrage, die Preise explodieren und die Zahlen von getöteten Nashörnern schnellen in die Höhe. Was tut der WWF dagegen?

Breitmaulnashorn © Michael Poliza / WWF
Breitmaulnashorn © Michael Poliza / WWF

Die größte Nachfrage für Nashorn-Horn kommt aus Vietnam. Bei den Konsumenten, die neben Vietnam zu einem großen Teil auch in China zu finden sind, gilt es vor allem als medizinisches Heilmittel und prestigeträchtiges Luxusprodukt. Es wird als teures Geschenk für Geschäftspartner und Freunde präsentiert, ist ein Statussymbol und mittlerweile für manche sogar Investitionsobjekt. Wein, gemischt mit gemahlenem Nashorn, wird auf exklusiven Partys getrunken oder nach einer durchzechten Nacht gegen den Kater.

Nashorn: Medizinische Wirkung wie Fußnägel

Nashorn Produkte © National Geographic Stock / Steve Raymer / WWF
Nashorn Produkte © National Geographic Stock / Steve Raymer / WWF

Nashorn gilt als vielseitig einsetzbares Wundermittel, das unter anderem auch in den Arzneibüchern der traditionellen Medizin genannt wird. Es wird in der Regel zermahlen und soll so z.B. gegen Fieber oder Krämpfe helfen. Neuere Anwendungen sind in den vergangenen Jahren hinzugekommen, die in historischen Dokumenten der traditionellen Medizin Vietnams nicht verzeichnet sind. So hält sich das Gerücht hartnäckig, Nashorn-Horn könne Krebserkrankungen heilen.

 

All diese zugesprochenen Heilwirkungen lassen sich wissenschaftlich nicht nachweisen. Nashorn besteht zum Großteil aus Keratin, vergleichbar mit Haaren oder Nägeln. Oder anders formuliert: man könnten genauso gut an seinen eigenen Finger- oder Zehennägeln kauen und würde dabei noch eine Menge Geld sparen.

Wie kommt Nashorn von Afrika nach Asien?

Anders als Elfenbein wird Nashorn-Horn nicht tonnenweise aus Afrika nach Asien verschifft, sondern zumeist im Fluggepäck von Einzelpersonen auf bestimmten Flugrouten geschmuggelt. Laut TRAFFIC können die Wildereibanden das Horn eines gewilderten Nashorns innerhalb von nur 48 Stunden auf den Schwarzmarkt in Hanoi bringen. Zwischen 2010-2015 wurden insgesamt knapp 5.400kg Nashorn-Horn von den Behörden bei Schmuggelversuchen beschlagnahmt. Mehr als die Hälfte der Aufgriffe fanden hierbei in Südafrika, Vietnam und China statt. 

Breitmaulnashorn © Michael Poliza / WWF
Breitmaulnashorn © Michael Poliza / WWF

Der Import, Handel und Besitz von Nashorn-Horn ist in Vietnam illegal und kann laut dem Gesetz mit mehreren Jahren Haft bestraft werden. „Allerdings mangelt es an ernstzunehmender Bemühung und Strafverfolgung, um den illegalen Handel einzustellen“, sagt Katharina Trump, Expertin für Wilderei und illegalen Wildtierhandel.

 

Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES regelt den internationalen Handel mit wild lebenden Tier- und Pflanzenarten. Der kommerzielle internationale Handel von Nashornderivaten ist seit dem Jahr 1977 für alle Nashornarten verboten. Dieses Abkommen wurde 1994 von Vietnam unterschrieben. Obwohl die nationale Gesetzgebung eindeutig den Handel und Besitz von Nashorn verbietet, floriert der Schwarzmarkt in kleinen Einzelhandelsgeschäften und im Internet. 

Was macht der WWF um die Nachfrage zu reduzieren?

Um den Bedarf an Nashorn zu reduzieren, muss man zunächst identifizieren, welche Gesellschaftsschichten Nashorn konsumieren und aus welchen Beweggründen. Des Weiteren ist es wichtig, die nationalen Rahmenbedingungen (Gesetzeslage, Strafverfolgung von Verstößen, politische Zusammenhänge etc.) zu verstehen.

Der WWF setzt in Vietnam auf zwei unterschiedlichen Ebenen an:

  1. Reduktion der Nachfrage durch Aufklärungsarbeit, z.B. in Form von Kampagnen, Kooperationen mit Bildungsinstituten und ikonischen Vorbildern (Stars, Politiker).
  2. Erhöhung des Strafmaßes und des Risikos geschnappt zu werden durch verbesserte Strafverfolgung. Insbesondere der zweite Aspekt erfordert eine gute Kooperation mit der Regierung, Polizei, Justizsystem und dem Zoll.

Beispiele einiger Maßnahmen, die vom WWF in Vietnam geplant oder bereits umgesetzt werden:

  • Konsumentenforschung als Basis für Kampagnen zur Reduktion der Nachfrage, WWF-TRAFFIC Werbekampagne mit Anzeigen an öffentlichen Orten (Flughäfen, Universitäten, Bürogebäude), in Zeitungen, im Fernsehen, auf Social Media Plattformen wie Facebook und Verschicken von SMS-Texten an 65 Millionen Mobiltelefone
  • Zusammenarbeit mit Sängerin My Linh zu einem „Say no to rhino horn“-Aufklärungsvideo
  • Kooperation mit dem Verband traditioneller chinesischer Medizin, der Gesundheitsbehörde, der Krebsgesellschaft sowie mit Ärzten und Medizinstudenten
  • Kooperationen mit Fluggesellschaften zur Aufklärung von asiatischen Touristen
  • Kooperationen mit asiatischen Botschaften in Afrika zur Aufklärung der dort lebenden asiatischen Gemeinschaft
  • Kooperation mit und Trainings von Behörden (Zoll, Polizei etc.) zur verbesserten Strafverfolgung, z.B. durch den Einsatz von Artenschutzspürhunden 


Weitere Aktivitäten anderer Organisationen:

  • Die NGO ‚Education for Vietnam‘ hat im Juni 2013 eine Aktion gemeinsam mit Geschäften, die traditionelle chinesische Medizin vertreiben, gestartet. In acht Läden hängen Poster, die Kundschaft über die Illegalität von Nashorn aufklären
  • Gemeinsam mit TRAFFIC und TRACE (NGO mit Schwerpunkt Forensik) will die CITES-Vollzugsbehörde in Vietnam den Import von Nashorn-Jagdtrophäen strenger überwachen. Hierzu soll unter anderem eine DNA-Datenbank für importierte Trophäen bis Ende 2014 eingerichtet werden.

Erste Erfolge, aber mehr muss getan werden:

Vor dem Hintergrund seiner zentralen Rolle im illegalen Handel mit Nashorn-Horn, hat die Regierung Vietnams erste wichtige Schritte zur Bekämpfung unternommen. So hat das Land im Dezember 2012 ein Abkommen zur Verbesserung des Nashornschutzes mit Südafrika abgeschlossen. Die Regierung erließ im Frühjahr 2014 eine Direktive, die den Kampf gegen den illegalen Wildtierhandel sektorübergreifend stärken soll und die signalisiert, dass Vietnam das Thema nicht mehr nur als Umweltproblem, sondern auch als eine Gefährdung für die nationale Ökonomie und internationale Beziehungen betrachtet. In 2016 wurde diese Direktive durch eine weitere gestützt, in der der Premierminister die dringende Umsetzung von Maßnahmen im Kampf gegen den illegalen Artenhandel bei Behörden und Strafverfolgungsinstanzen anordnet.

 

Trotz guter Signale in die richtige Richtung, mangelt es aber an der Umsetzung dieser Erlässe und der konsequenten Strafverfolgung von Vergehen. Zwischen 2010-2015 wurden für Südafrika, Vietnam und China die meisten Beschlagnahmungen von illegalem Nashorn-Horn verzeichnet, was ihre Rolle im internationalen Schmuggel unterstreicht. Im Gegensatz zu Südafrika und China, bei denen der Großteil der Beschlagnahmungen durch die eigenen Strafvollzugsbehörden geleistet wurde, wurden die Aufgriffe für Vietnam jedoch vor allem von anderen Staaten durchgeführt, die die illegale Fracht auf dem Weg in das Land abgefangen haben – ein Beleg dafür, dass die Kontrollen innerhalb Vietnams nach wie vor zu schwach sind, denn es wird davon ausgegangen dass rund 75% des Horns in die illegalen Märkte gelangt.

 

Ein weiteres Beispiel für die dürftige Strafverfolgung Vietnams ist die Aufdeckung eines großangelegten Marktes für illegale Wildtierprodukte in Nhi Khe durch die Organisation Wildlife Justice Commission. Trotz der Vorlage von umfänglichen, schweren Beweisen gegen rund 50 involvierte Personen wurde die Regierung des Landes über Monate hinweg nicht angemessen aktiv, um den Markt zu zerschlagen und die entsprechenden Personen festzunehmen, was die Ernsthaftigkeit der Bemühungen des Landes den illegalen Wildtierhandel mit allen Mitteln zu bekämpfen in Frage stellt.

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