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Pflanzen sammeln

Weltweit werden jährlich mehr als 400.000 Tonnen Heil- und Aromapflanzen, größtenteils aus Wildsammlungen, gehandelt. Von bis zu 70.000 weltweit genutzten Heilpflanzenarten sind in etwa 15.000 durch Übernutzung und Lebensraumverlust bedroht.

Hier wird Teufelskralle gesammelt. © Nautilusfilm / WWF
Hier wird Teufelskralle gesammelt. © Nautilusfilm / WWF

Pflanzenarten und hunderte von Pilz- und Bakterienarten liefern einem Großteil der Menschheit wichtige Substanzen für ihre Gesundheitsversorgung.

 

Die Heilkraft der Natur wird nicht nur traditionell genutzt, sondern auch in der westlichen Schulmedizin und Naturheilkunde. Die Nachfrage wächst weltweit – mit tragischen Folgen. Immer mehr Wildpflanzenarten werden übermäßig und unkontrolliert geerntet und gehandelt. Etwa 80 Prozent der weltweit für medizinische Zwecke verwendeten Pflanzenarten stammen aus Wildsammlung.

 

Nicht ohne Folgen: Bis zu 15.000 Heilpflanzenarten sind laut Weltnaturschutzunion IUCN in ihrem Bestand durch Übernutzung und Lebensraumverlust gefährdet. Deutschland spielt hierbei als viertwichtigste Handelsnation eine entscheidende Rolle.

 

Der Fair-Wild-Standard

Der WWF tritt vor allem als Unterstützer der FairWild-Stiftung auf, um wichtige Vorgaben des „Abkommens über die Biologische Vielfalt“ (CBD) umzusetzen.

Im Herbst 2010 stellte die FairWild Stiftung den überarbeiteten Standard für die nachhaltige Nutzung und den Handel natürlicher Zutaten für Nahrung, Kosmetika und Arzneimittel aus Wildsammlung vor. Durch die Anwendung dieses FairWild-Standards wird gewährleistet, dass Heilpflanzen naturnah bewirtschaftet und geerntet werden, und dass diejenigen, die in die Sammlung und den Handel eingebunden sind, einen fairen Lohn für ihr Wissen und ihren Einsatz bekommen. Der Standard wurde nach umfangreicher Beratung mit Pflanzenexperten und Vertretern internationaler Unternehmen entwickelt, die pflanzliche Produkte verarbeiten und handeln.

Laut Heiko Schindler vom Institut für Marktökologie (IMO), einer unabhängig zertifizierenden Kontrollstelle für den FairWild-Standard, nahm die Heilpflanzenindustrie die Zertifizierungsprinzipien des FairWild-Programms begeistert auf. Allein 2010 haben sich 23 Wildpflanzen sammelnde Firmen aus 13 verschiedenen Ländern zertifizieren lassen.

Der FairWild-Standard ist aber nicht nur für Firmen nützlich, die an der Zertifizierung ihrer Produkte als „nachhaltig gesammelt und gehandelt“ interessiert sind. Frühere Versionen des Standards dienen heute bereits Behörden einiger Länder als Grundlage, ihre natürlichen Pflanzenressourcen besser zu managen. So tragen sie damit unter anderem zur Erfüllung nationaler Verpflichtungen zum Übereinkommen über die biologische Vielfalt bei.

Aktuell laufen Unternehmens- und Sammlerkooperationen unter anderem in Bosnien-Herzegowina, Brasilien, China, Indien und Kasachstan. Weitere Sammler-Kooperativen sowie Firmen und Organisationen unter anderem aus Europa, den USA, Indien, Marokko, Afghanistan und Vietnam haben ihre Absicht geäußert, den FairWild-Standard in ihrem Bestreben nach gerechter und nachhaltiger Sammlung von wild wachsenden natürlichen Produkten in Zukunft zu nutzen. Für weitere Umsetzungsprojekte wurden Partnerschaften mit internationalen Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen geschlossen.

Der FairWild Standard bietet Leitlinien für die beste Praxis zu Wildsammlung und Handel von Pflanzen und ähnlichen Organismen (z. B. Flechten und Pilze) zu elf Schlüsselbereichen:

  1. Erhaltung von Wildpflanzen-Ressourcen
  2. Vorbeugung negativer Umwelteinflüsse
  3. Einhaltung von Gesetzen, Verordnungen und Abkommen
  4. Respektieren von Gewohnheitsrechten und von Grundsätzen des Vorteilsausgleichs
  5. Förderung fairer Vertragsbeziehungen zwischen Käufern und Sammlern
  6. Begrenzung der Beteiligung von Kindern bei der Wildsammlung
  7. Wahrung der Leistungen und Vorteile für Sammler und ihrer Gemeinschaften
  8. Wahrung fairer Arbeitsbedingungen für alle Arbeitskräfte eines FairWild-Sammelvorhabens
  9. Anwendung einer verantwortungsvollen Managementpraxis
  10. Anwendung verantwortungsvoller Geschäftspraktiken
  11. Förderung von Verpflichtungen auf der FairWild Käuferseite
   
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