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Stand: 30.03.2016

Die Droge Nashorn

Um über 9000 Prozent ist die Zahl der getöteten Nashörner in Südafrika seit 2007 gestiegen, auf fast 1200 getötete Tiere im Jahr 2015. Der Grund: Das geriebene Horn wird in Vietnam wie eine Droge gehandelt - und wie ein Medikament konsumiert. Doch von wem - und warum?

Nashorn: So wirksam wie Fuß- oder Fingernägel / Plakatkampagne von WWF und TRAFFIC in Vietnam © WWF Greater Mekong
Nashorn: So wirksam wie Fuß- oder Fingernägel / Plakatkampagne von WWF und TRAFFIC in Vietnam © WWF Greater Mekong

Es steht für Wohlstand, Macht und Erfolg: Nashorn wird hauptsächlich aus gesellschaftlichen Gründen konsumiert. Dies ist das Ergebnis einer Studie im Auftrag des WWF und des Artenschutzprogramms TRAFFIC, für die 720 Personen in Hanoi und Ho Chi Minh-Stadt befragt wurden. Demnach kaufen und konsumieren die Reichen, Berühmten und Mächtigen Nashorn-Horn: Geschäftsmänner, Prominente und hohe Beamte. Sie sind davon überzeugt, dass die teure und illegale Ware ihren sozialen Status widerspiegelt und ihre sozialen Beziehungen stärkt. Das Horn ist auch schon deshalb so begehrt, da man Teil eines exklusiven Kreises sein muss, um an Lieferanten heranzukommen.

Nashorn gegen Krebs und Kater

Die Konsumenten von Nashorn-Horn sind hauptsächlich Männer über 40, gehören zur Bildungselite der vietnamesischen Gesellschaft, sind erfolg- und einflussreich und glauben, dass der Besitz und ihre Möglichkeit, diese illegale Ware zu kaufen, ihre Macht demonstrieren und Position stärken. Käufer von Nashorn-Horn wiederum sind hauptsächlich Frauen über 50, die ihre Familien damit versorgen. Sie streben für sich und ihre Familien einen gesunden Lebensstil an – und glauben an den Humbug von der medizinischen Wunderwirkung des Nashorns. Die Konsumenten geben für das Horn ein Vermögen aus, obwohl es keinerlei medizinischen Beweis für seine Wirksamkeit gibt. Sie glauben immer noch, dass es gegen alle möglichen Krankheiten hilft, sogar gegen Krebs und dass das Horn entgiftend wirkt - und setzen es als Mittel gegen einen Kater nach durchzechter Nacht ein.

Die aktuelle Wildereikrise kann nur durch Unterbrechung der gesamten Handelskette (in Afrika, in Transit- und Abnehmerländern) erfolgreich bekämpft werden. Die Reduktion der Nachfrage ist jedoch entscheidend für die langfristige Lösung des Problems. Für den WWF und TRAFFIC ist es daher wichtig, Veränderungen im Konsum von Nashorn-Horn zu überwachen, um die Menschen gezielt über Kampagnen aufklären zu können und sie davon zu überzeugen, in Zukunft nicht mehr Nashorn zu kaufen oder zu nutzen.

”Wir suchen dabei Unterstützung aus der Wirtschaft, von Prominenten, Universitäten, internationalen Organisationen und den Medien, die eine wichtige Stimme haben, um die Gesellschaft zu beeinflussen“, sagt Nguyen Thuy Quynh vom WWF-Vietnam. TRAFFIC und der WWF haben in Hanoi und Ho Chi Minh-Stadt eine Plakatkampagne an gehobenen Restaurants, Wohnhäusern und Flughäfen enthüllt, die Nashörner zeigen, deren Horn durch einen menschlichen Fuß ersetzt wurde. "Das Horn besteht aus dem gleichen Material wie Fußnägel”, steht darauf. “Willst du immer noch welches?” Über 65 Millionen Handynutzer wurden in Zusammenarbeit mit zwei großen Mobilfunkbetreibern per SMS ebenfalls angesprochen.

Plakatmotive der Kampagne von WWF und TRAFFIC in Vietnam © WWF Greater Mekong

Hilfe von Beckham und Jackie Chan

Weitere erfolgreiche Kampagnen anderer Organisationen gegen den Konsum von Nashorn werden von vietnamesischen und internationalen Stars wie David Beckham oder auch Prince William unterstützt. Auch Action-Star Jackie Chan ist in einem spektakulären Spot zu sehen, der zeigt, was durch den illegalen Nashorn-Handel mitfinanziert wird. Fernsehsender stellten Sendezeit im Wert von mehreren Millionen US-Dollar zur Verfügung.

Wer sind die Konsumenten von morgen?

Der Studie zufolge ist aber noch viel Aufklärung zu leisten: Nur jeder Dritte der befragten Personen gab an, nie Nashorn-Horn zu kaufen oder zu nutzen. 16 Prozent der Personen, die bisher kein Nashorn-Horn gekauft oder genutzt haben, geben an, dass sie dies in Zukunft tun werden. Angesichts der wachsenden vietnamesischen gehobenen Mittelschicht könnte diese Gruppe schon bald zu Konsumenten werden. Obwohl nur fünf Prozent der befragten Personen zugaben, Nashorn-Horn zu kaufen oder zu nutzen, wird dieser Prozentteil mit der wachsenden Wirtschaft in naher Zukunft steigen. Vielen Konsumenten ist dabei durchaus bewusst, dass die Tiere hierfür sterben müssen. Jedoch sehen sie ihren Konsum nicht als Brennstoff für die derzeitige Wildereikrise. Anderen ist es schlicht egal, dass der Markt für Nashörner boomt - und das Gemetzel in Afrika weiter anheizt.

Der typische Konsument: Herr L

  • Er möchte als Anführer gesehen werden. Jedoch steht für ihn das Wohl seiner Gruppe an erster Stelle. Er wird stark durch Empfehlungen seines sozialen und beruflichen Umfeldes beeinflusst.
  • Sein Fokus liegt auf seinem sozialen Status und er ist daher stark abhängig von Außeneinflüssen.
  • Ein 48jähriger Bauunternehmer, der seit 24 Jahren verheiratet ist und eine Geliebte hat. Seine Familie lebt in einem großen Haus mit vier Schlafzimmern in der Ciputra-Gegend in Hanoi. Er hat zwei Kinder im Alter von 19 und 21 Jahren.
  • Karriere, Erfolg, finanzielle Sicherheit, Wahrung der Familie, gesellschaftliche Stellung und ein Lifestyle, der dem seines Umfeldes gleicht, sind für ihn von höchster Priorität.
  • Nashorn-Horn ist für ihn ein Symbol für Reichtum, Macht, Status und harte Arbeit bzw. Fleiß.
  • Er ist der Überzeugung, dass ihm der Konsum von Nashorn-Horn inneren Frieden und Glück bringt.

Ziel des WWF ist es, die grassierende Wilderei und den Handel mit Wildtierprodukten einzudämmen. Wir kämpfen in Afrika und Asien etwa mit Ranger-Patrouillen, um das Schlachten zu stoppen. Wir arbeiten mit Regierungen und Organisationen, um Wilderei als das zu bekämpfen, was es ist: Ein schweres Verbrechen an der Natur – und den Menschen, die in und mit ihr leben. Helfen Sie uns dabei! Spenden Sie jetzt!

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