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Stand: 22.01.2014

Gemeinsam gegen die Wilderei

Die Wildereikrise wütet schlimmer denn je. Um sie in den Griff zu bekommen, bedarf es eines globalen Ansatzes. Ein Gastbeitrag des britischen Botschafters in Berlin, Simon McDonald.

Der britische Botschafter Simon McDonald in Berlin © SOD / Juri Reetz
Der britische Botschafter Simon McDonald in Berlin © SOD / Juri Reetz

Viele Menschen in Deutschland, in Großbritannien und sicher den meisten europäischen Ländern haben ein sehr enges und häufig emotionales Verhältnis zur Natur und zu unseren wildlebenden Tieren. Ich selbst begeistere mich für Vogelkunde seitdem ich ein kleiner Junge war. Noch heute notiere ich die verschiedenen Vogelarten, die meinen Garten in Grunewald besuchen. Meine Hausgäste sind häufig überrascht, dort eine Liste zu finden mit inzwischen über 30 verschiedenen Arten, u.a. dem Mäusebussard, Reiher, Kleiber und dem Zilpzalp. Zwei Vogelarten konnte ich leider nicht erspähen, aber an ihrem Ruf erkennen: den Waldkauz und den Kuckuck.

Britische Tradition

Als Vogelbeobachter bin ich also selbst Teil einer langen britischen Tradition im Tierschutz. Dabei geht es um den Erhalt der faszinierenden Vielfalt an einheimischen Arten und um die Bedeutung, die sie für den Naturbegriff unserer Nationen haben. Aber auch der Schutz von Tieren, die die meisten von uns selten oder nie in freier Wildbahn erleben werden, liegt uns am Herzen. Elefanten, Nashörner und Tiger sind solch beeindruckende Geschöpfe, dass die Vorstellung, diese Spezies vielleicht für immer zu verlieren, absolut schockierend ist. Aus diesem Grund widmen sich die britische wie auch die deutsche Regierung und zahlreiche internationale Organisationen und Initiativen schon seit vielen Jahren dem Schutz wildlebender Arten und der Bekämpfung des illegalen Handels mit Wildtierprodukten.

Wilderei steigt um tausende Prozent

Das ist keine leichte Aufgabe, da dieser illegale Handel in den letzten Jahren geradezu explodiert ist. Insgesamt bis zu 19 Milliarden Dollar werden damit jährlich umgesetzt, und die Tendenz ist steigend. Die Nashornjagd zum Beispiel hat zwischen 2007 und 2011 um unglaubliche 3000 Prozent zugenommen, so dass inzwischen rechnerisch alle 11 Stunden ein Nashorn durch Wilderer getötet wird. Wenn diese Entwicklung anhält, werden Nashörner noch zu unseren Lebzeiten ausgerottet sein, was vor zehn Jahren noch unvorstellbar war.

Enthorntes Breitmaulnashorn © Brent Stirton / Getty Images / WWF UK
Enthorntes Breitmaulnashorn © Brent Stirton / Getty Images / WWF UK

Tatsächlich steht hinter dieser Entwicklung so etwas wie eine kriminelle Branche, die in den betroffenen Ländern die Kommunen und ihre Einnahmen aus dem Tourismus schädigt, die Armutsbekämpfung untergräbt und Bemühungen um eine nachhaltige Entwicklung behindert. Es gibt sogar Vermutungen, dass illegaler Wildtierhandel in gefährdeten Staaten als Finanzierungsquelle für terroristische Aktivitäten genutzt wird.

Diese Branche könnte aber nicht bestehen, wenn es uns gemeinsam gelänge, die Nachfrage nach illegalen Wildtierprodukten zu stoppen. In vielen Ländern, überwiegend im asiatischen Raum, gilt zum Beispiel Elfenbein leider immer noch als Statussymbol, oder wird Nashornpulver fälschlicherweise eine medizinische Wirkung zugeschrieben.

Globaler Ansatz gegen die Wilderei

Daher bedarf es gemeinsamer Anstrengungen und eines globalen Ansatzes, um den illegalen Handel mit wildlebenden Arten zu unterbinden. Einen Beitrag hierzu will die große internationale Konferenz leisten, die der britische Premierminister David Cameron am 13. Februar 2014 in London eröffnen wird.

Fortschritte im Kampf gegen die Wilderei diskutieren

Diese Konferenz soll Fortschritte bei der Zusammenarbeit mit Kommunen vor Ort, verbesserte Strafverfolgungsmethoden und Ansätze zur Senkung der Nachfrage diskutieren. Wir freuen uns dabei sehr über die Unterstützung der deutschen Regierung, die letzten September mit einer eigenen Veranstaltung am Rande der UN-Generalversammlung in dieser Sache auch selbst schon einen wichtigen Impuls gegeben hat. Diplomaten, die dort waren, haben mir hinterher versichert, dass  dies eine der besten Veranstaltungen der gesamten Woche war – mit den interessantesten Teilnehmern und mit der meisten Energie. Wenn Sie sich für die Rede interessieren, die der britische Außenminister William Hague dort gehalten hat, können Sie diese hier finden.

 

Aber nicht nur in London wollen wir das Thema diskutieren. Die Britische Botschaft in Berlin wird gemeinsam mit dem WWF und dem Ecologic Institut am 22. Januar 2014 eine Podiumsdiskussion zum Thema „Wildlife Crime“ mit anschließendem Abendempfang ausrichten. Ich persönlich freue mich besonders auf die Ausstellungsstücke, die uns das Museum für Naturkunde hierfür zur Verfügung stellt. Schließlich haben wir nicht oft Gelegenheit, in unserer Botschaft Elefanten, Nashörner, Adler und Papageien zu zeigen. Dies wird sicher allen Teilnehmern noch einmal eindrucksvoll aufzeigen, was auf dem Spiel steht, und hoffentlich die Diskussion unter den Experten inspirieren.

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