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Stand: 30.03.2016

Die blutige Achse der Nashornwilderei

Die Wilderei in Afrika ist außer Kontrolle geraten. TRAFFIC, das Wildlife Trade Monitoring Network des WWF in Zusammenarbeit mit IUCN, hat eine Studie veröffentlicht, die den fatalen Zusammenhang zwischen Wilderei, Korruption und Schlupflöchern in den Gesetzen zeigt. Im Fokus der Studie stehen drei Nationen, die maßgeblich für die Wildereikrise an Nashörnern in Afrika verantwortlich sind: Südafrika, Mosambik und Vietnam.

Das Breitmaulnashorn galt schon 1895 als fast ausgestorben. © naturepl.com / Mark Carwardine / WWF-Canon
Das Breitmaulnashorn galt schon 1895 als fast ausgestorben. © naturepl.com / Mark Carwardine / WWF-Canon

Südafrika ist Nashornland

Nirgendwo auf der Welt gibt es mehr Rhinozerosse als hier. Über drei Viertel des weltweiten Bestandes lebten am südlichen Zipfel Afrikas. Derzeit geht man davon aus, dass es in Südafrika über 18.000 Breitmaul- und knapp 2000 Spitzmaulnashörner gibt. Diese Stabilisierung - schließlich galt das

Umsiedlung per Helikopter. © Michael Raimondo/Green Renaissance / WWF
Umsiedlung per Helikopter. © Michael Raimondo/Green Renaissance / WWF

Breitmaulnashorn schon 1895 als fast ausgestorben - hat Südafrika mit bahnbrechenden Strategien im Naturschutzmanagement, der Zucht, und der Aus- und Umsiedlung von Nashörnern erreicht.

 

Die gesetzlich überwachte Trophäenjagd habe sich dabei bislang als eine unverzichtbare Säule im Naturschutz erwiesen, schreibt TRAFFIC. Das Prinzip ist einfach, ist aber gerade in Europa moralisch stark umstritten. Reiche Leute, meist Europäer oder Nordamerikaner, kommen nach Südafrika, zahlen viel Geld und dürfen auf Nashornjagd gehen. Über die Bestandsgrößen werden Quoten errechnet und Lizenzen erteilt.

 

Heute bestreiten in Südafrika etwa 70.000 Menschen von der Jagdindustrie ihren Lebensunterhalt, meistens aus ländlichen Gegenden, die wenig andere Lebensmöglichkeiten bieten. Die Erlöse fließen teilweise direkt in den Nashornschutz zurück. Zwischen 2008 und 2011 konnte Südafrika so insgesamt 35,5 Millionen US-Dollar ausschließlich für den Nashornschutz aufbringen.

Pseudo-Jäger, die keine Waffen bedienen können

Seit etwa fünf Jahren vollzieht sich jedoch eine Entwicklung, die alle bisherigen Erfolge bedroht: die ausufernde Wilderei und die „Pseudo-Jagd“. Zwischen 2008 und 2011 wurden ca. 450 Lizenzen zur Jagd auf Nashörner erteilt, obwohl viele dieser „Jäger“ nicht einmal in der Lage waren Waffen zu bedienen. Auch an den Trophäen hatten sie kein Interesse. Sie wollten nur die Hörner.

 

Pikant: Fast die Hälfte von ihnen besaß die vietnamesische Staatsbürgerschaft. Seit dem Jahr 2009 warnte nun die "Professional Hunters Association of South Africa" ausdrücklich vor der Vergabe von Lizenzen an Vietnamesen. Im April 2012 hat auch das Umweltministerium Südafrikas reagiert und verweigert bislang weitere Genehmigungen. 

Hochrangige vietnamesische Diplomaten im Visier der Ermittler

Markt in Vietnam. © Petr Obrdlik / WWF
Markt in Vietnam. © Petr Obrdlik / WWF

Vietnams großes Interesse an Nashörnern wirkt sich besonders dramatisch auf die Wilderei aus. Sie ist so hoch wie seit den 1960er Jahren nicht mehr. Zwischen 1990 und 2007 fielen jährlich etwa 14 Nashörner der unrechtmäßigen Jagd zum Opfer. Im Jahr 2008 waren es plötzlich 83. Es folgten weitere Rekordzahlen: 122, 333, 448, 668, 1004 und 1215. 2015 gab es zum ersten Mal seit 2007 einen leichten Rückgang in der Wilderei. Es fielen 1175 Nashörner den Wilderern zum Opfer. Grund zum Aufatmen gibt das nicht, denn aufgrund der dramatisch steigenden Wilderei in den Nachbarländern Namibia und Simbabwe, gilt 2015 als blutiges Rekordjahr.

 

Wilderei wird in Südafrika und Nachbarländern mittlerweile oft mit stringenten Haftstrafen geahndet. 2014 wurde ein Nashornwilderer in Südafrika zu 77 Jahren Gefängnisstrafe verurteilt. 2014 wurden 386 Wilderer festgenommen, darunter auch Händler, Exporteure und Kuriere. Der Großteil der Wilderei findet im Krüger Nationalpark, wo in einigen Nächten bis zu 15 Wilderergruppen von ca. vier Personen gleichzeitig im Gelände aktiv sind. Die meisten Wilderer stammen aus Mosambik, wo arme Dorfjugendliche von Mittelsmännern mit hightech Waffen ausgerüstet werden. Und immer wieder führen die Spuren nach Vietnam. Unter den verhafteten Wilderern und Schmugglern befanden sich in der Vergangenheit auch hochrangige vietnamesische Diplomaten.

Woher stammt die Gier nach dem Horn?

Fein gemahlen - eine Hornmühle. © WWF
Fein gemahlen - eine Hornmühle. ©

Der Handel von Nashornprodukten ist in Vietnam illegal. Sie gelten aber als Wundermittel. Das zermahlene Horn soll fiebersenkend, entgiftend und krampflösend sein. Es soll bei Masern, Schlaganfall und Epilepsie helfen. In der jüngeren Vergangenheit tauchte zudem das Gerücht auf, Nashornpulver heile sogar Krebserkrankungen. Aus wissenschaftlicher Sicht ist dies Humbug und auch in der traditionellen Medizin Vietnams ist diese Anwendung völlig unbekannt.

 

Das Pulver hat sich aber auch zu einem Statussymbol der Wohlhabenden entwickelt. Es soll nach fettem Essen oder Trinkgelagen helfen. Und die vietnamesische Regierung und Verwaltung schaut diesem Treiben tatenlos zu. Seit 2008 wurde in Vietnam kein Fall von Nashornnutzung mehr gerichtlich geahndet.

Bis zu 60.000 Dollar für ein Kilogramm

Die Nachfrage in Vietnam ist so grenzenlos groß, dass die Preise in die Höhe schießen. TRAFFIC schätzt den derzeitigen Wert für ein Kilo Nashorn auf bis zu 60.000 US-Dollar. Gehandelt wird das illegale Nashornpulver fast überall: über das Internet, öffentliche Märkte, spezialisierte Geschäfte, aber auch unter der Hand, beispielsweise in Krankenhäusern.

 

Auch in Vietnam gab es früher Nashörner. Im Jahr 2010 fiel das letzte in Vietnam lebende Java-Nashorn dem Pulver-Wahn zum Opfer. Es wurde tot mit abgetrenntem Horn aufgefunden.

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