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Stand: 21.12.2016

Die blutige Achse der Nashornwilderei

Die Wilderei in Afrika ist außer Kontrolle geraten. TRAFFIC, das Wildlife Trade Monitoring Network des WWF in Zusammenarbeit mit IUCN, hat eine Studie veröffentlicht, die den fatalen Zusammenhang zwischen Wilderei, Korruption und Schlupflöchern in den Gesetzen zeigt. Im Fokus der Studie stehen drei Nationen, die maßgeblich für die Wildereikrise an Nashörnern in Afrika verantwortlich sind: Südafrika, Mosambik und Vietnam.

Das Breitmaulnashorn galt schon 1895 als fast ausgestorben. © naturepl.com / Mark Carwardine / WWF-Canon
Das Breitmaulnashorn galt schon 1895 als fast ausgestorben. © naturepl.com / Mark Carwardine / WWF-Canon

Südafrika ist Nashornland

Umsiedlung per Helikopter. © Michael Raimondo/Green Renaissance / WWF
Umsiedlung per Helikopter. © Michael Raimondo/Green Renaissance / WWF

Nirgendwo auf der Welt gibt es mehr Rhinozerosse als hier. Rund 70 Prozent des weltweiten Bestandes lebten am südlichen Zipfel Afrikas. Derzeit geht man davon aus, dass es in Südafrika über 18.400 Breitmaul- und knapp 1900 Spitzmaulnashörner gibt. Diese Stabilisierung - schließlich galt das Breitmaulnashorn Anfang des 20. Jahrhunderts als fast ausgestorben - hat Südafrika mit bahnbrechenden Strategien im Naturschutzmanagement, der Zucht, und der Aus- und Umsiedlung von Nashörnern erreicht.

 

Während sich die Bestände der Breitmaulnashörner im Verlauf des Jahrhunderts erholten und heute wieder gut 20.300 Tiere zählen, stürzte das bis dahin weit verbreitete Spitzmaulnashorn in eine Bestandskrise. Unkontrollierte Jagd und Lebensraumzerstörung reduzierten hunderttausende Tiere auf geschätzte 65.000 in den 1970er Jahren. Aufgrund massiver Wilderei kollabierten die Bestände bis 1992 weiter, sodass sie zwischen 1970 und 1992 um unglaubliche 96 Prozent abgenommen hatten. Nur noch rund 2400 Spitzmaulnashörner waren von den ehemals größten Nashornpopulationen der Welt übrig. Auch für das Spitzmaulnashorn wurden daraufhin intensive Schutz- und Umsiedlungsprogramme umgesetzt, sodass es heute wieder 5250 Tiere gibt. Dennoch stuft es die Weltnaturschutzunion IUCN auf ihrer Roten Liste noch immer als vom Aussterben bedroht ein.

 

Auch in Vietnam gab es früher Nashörner. Im Jahr 2010 fiel das letzte in Vietnam lebende Java-Nashorn dem Pulver-Wahn zum Opfer. Es wurde tot mit abgetrenntem Horn aufgefunden.    

Bisherige Erfolge bedroht

Seit etwa 10 Jahren bedroht die wieder aufkeimende Wilderei auf Nashörner diese Naturschutzerfolge massiv. Vor allem Südafrika ist aufgrund seiner großen Nashornpopulationen betroffen: beinahe 90 Prozent der Wildereivorfälle passieren hier. Während 2007 nur 13 Tiere der unrechtmäßigen Jagd zum Opfer fielen, waren es im Jahr 2008 schon 83. Es folgten weitere Rekordzahlen: 122, 333, 448, 668, 1004 und 1.215. 2015 gab es zum ersten Mal seit 2007 einen leichten Rückgang. Es fielen 1.175 Nashörner den Wilderern zum Opfer. Grund zum Aufatmen gibt das aber nicht, denn aufgrund der dramatisch steigenden Wilderei in den Nachbarländern Namibia und Simbabwe, gilt 2015 als neues, blutiges Rekordjahr für die afrikaweiten Wildereizahlen.

5400 Kilogramm Horn in nur 6 Jahren

Markt in Vietnam. © Petr Obrdlik / WWF
Markt in Vietnam. © Petr Obrdlik / WWF

Vier Länder sind bei der illegalen Jagd und dem Handel mit Nashorn-Horn besonders aktiv: Südafrika und Mosambik als Quell- und Schmuggelländer sowie Vietnam und China als Abnehmerstaaten. Rund 70 Prozent der zwischen 2010-2015 beschlagnahmten 5.400 kg Horn wurden in diesen Ländern aufgegriffen.

 

Professionelle Wildereibanden organisieren die gesamte Handelskette mit mehreren Zwischenebenen, wie Wilderern, Schmugglern, Händlern und Endkonsumenten. Bei der Durchführung spielt Korruption eine große Rolle, denn Polizisten und Zollbeamte, die beide Augen zudrücken, reduzieren das Risiko einer Festnahme erheblich. Selbst hochrangige Regierungsvertreter, Wildhüter und Tierärzten sind in den illegalen Handel involviert.

 

Dabei drohen Wilderern, Schmugglern und Händlern in allen vier Ländern hohe Strafen mit mehreren Jahren Haft. Doch während Südafrika und Mosambik versuchen durch Festnahmen und Verurteilungen sowie einer Verbesserung der Gesetzeslage Wilderei und Schmuggel zu bekämpfen, fällt Vietnam eher durch seine scheinbare Inaktivität und schwache Strafverfolgung auf.

Woher stammt die Gier nach dem Horn?

Fein gemahlen - eine Hornmühle. © WWF
Fein gemahlen - eine Hornmühle. ©

Der Handel von Nashornprodukten ist in Vietnam und China illegal. Sie gelten aber als Heilmittel. Das zermahlene Horn soll fiebersenkend, entgiftend und krampflösend sein. Es soll bei Masern, Schlaganfall und Epilepsie helfen. In der jüngeren Vergangenheit tauchte zudem das Gerücht auf, Nashornpulver heile sogar Krebserkrankungen. Wissenschaftliche Belege für all diese Wirkungsweisen gibt es nicht.

 

Das Horn hat sich aber auch zu einem Luxusobjekt der Wohlhabenden entwickelt. Es soll nach fettem Essen oder Trinkgelagen helfen den Kater zu vertreiben, als wertvoller Besitz den sozialen Status bestätigen oder als teures Geschenk Beziehungen zu Freunden oder Geschäftspartnern stärken.

Horrende Schwarzmarktpreise für ein Kilogramm

Die Nachfrage in Asien ist so groß, dass die Preise in die Höhe schossen und die Beschaffungskriminellen erfinderisch wurden. Neben dem Wildern von Tieren in afrikanischen Schutzgebieten, wurden Hörner aus Museen gestohlen und über sogenannte „Pseudo-Jagden“ erlangt. Horn-Händler nutzen das System der Trophäenjagd auf Nashörner aus, um die wertvollen Hörner legal zu erwerben und nach Vietnam zu importieren, wo sie dann illegal verkauft werden.

Zwischen 2009 und 2011 war der Anteil an Jagdanträgen auf Nashörner von vietnamesischen Staatsbürgern um ein vielfaches höher als das anderer Nationen. Der Schwindel flog aber auf und seit 2012 gibt es strengere Reglementierungen. So konnte der Anteil an Hörnern, die durch Pseudo-Jagden auf den illegalen Markt gelangen, auf geschätzt knapp 3 Prozent reduziert werden.

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