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Stand: 23.04.2014

Wilderei bedroht die internationale Sicherheit

Gewalt, Korruption, Geldwäsche – jährlich spült der illegale Handel mit bedrohten Tier- und Pflanzenarten mindestens 19 Milliarden US-Dollar in die Kassen von weltweit arbeitenden Syndikaten und Banden. Jährlich fallen schätzungsweise 30.000 Elefanten und über 1000 Nashörner der Wilderei zum Opfer. „Wildlife Crime“ ist mehr als nur ein Umweltverbrechen.

Wilderei wird in Südafrika mit einer Strafe ab 14.000 US-Dollar bestraft. Auf Kokainbesitz stehen mindestens fünf Jahre Haft. © Martin Harvey / WWF-Canon
Wilderei wird in Südafrika mit einer Strafe ab 14.000 US-Dollar bestraft. Auf Kokainbesitz stehen mindestens fünf Jahre Haft. © Martin Harvey / WWF-Canon

Die illegale Wilderei ist eine ernsthafte Bedrohung für die internationale Sicherheit, das geht aus dem „Dalberg Report“ hervor, der am 12. Dezember 2012 in der Deutschen UN-Botschaft in New York veröffentlicht wurde. Elfenbein und Nashorn stehen demnach auf einer Stufe mit Blutdiamanten, über deren Erlöse sich auch Terrorzellen und Rebellengruppen finanzieren können: „Während des militärischen Konflikts in Sudan hat die „Sudan People´s Liberation Army, die zum heutigen Süd-Sudan gehört, mit Granaten und Panzerfäusten Elefanten gejagt. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Hinweise darauf, dass sich sudanesische Militäreinheiten, darunter auch die Dschandschawid, über die Elfenbeinjagd in Kenia und im Tschad finanziert hat“, heißt es in dem Report.

Wir brauchen die Unterstützung der Regierungen, die von der Wildereikrise unmittelbar betroffen sind. Dass uns die deutsche Botschaft dabei unterstützt, internationalen Druck auf die jeweiligen Nationen aufzubauen, ist dabei eine große Hilfe. Die Studie “Fighting Illicit Wildlife Trafficking. A consultation with governments“ wurde vom WWF im Rahmen seiner Anti-Wildereikampagne in Auftrag gegeben.

Nashorn und Elfenbein: die neuen Blutdiamanten

Infografik: Die globalen Routen der transnational organisierten Verbrechen
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Die Botschaft des Reports ist unmissverständlich: Wer „Wildlife Crime“ ausschließlich unter dem Naturschutzaspekt betrachtet, hat die Dimension der aktuellen Wildereikrise nicht verstanden. Der Handel mit bedrohten Tier- und Pflanzenarten rangiert auf dem vierten Platz der lukrativsten Verbrechen - hinter Drogenhandel, dem Menschenhandel und der Produkt- und Geldfälschung. Hohe Profite bei geringem Risiko – so lautet die Einschätzung des Berichts: Ein Kilogramm Nashorn erzielt einen Preis von bis zu 60.000 US-Dollar - doppelt so viel wie Gold und Platin. Auf dem Schwarzmarkt ist es wertvoller als Kokain und Diamanten.

Wilderei ist für Unruhen mitverantwortlich

Die illegale Wilderei ist ein schwerwiegendes Verbrechen. Leider wird sie nicht als solche geahndet. Aufgrund von Korruption verschwinden oftmals Beweisstücke, es kommt nur in seltenen Fällen zu polizeilichen Untersuchungen und Verurteilungen. Als Ergebnis von drei Jahren diplomatischer Bemühungen verabschiedeten im Juli 2015 die Vereinten Nationen eine Resolution gegen den illegalen Wildtierhandel. Darin verpflichten sich alle 193 Staaten der Welt, dem derzeit beispiellosen Anstieg des illegalen Wildtierhandels in gemeinsamer Zusammenarbeit entschieden entgegenzutreten. Erstmalig erkennen damit alle Staaten die Schwere und das Ausmaß dieser Art von Kriminalität an.

Jährlich fallen zehntausende Elefanten und über 1000 Nashörner der Wilderei zum Opfer. © naturepl.com, John Downer / WWF
Jährlich fallen zehntausende Elefanten und über 1000 Nashörner der Wilderei zum Opfer. © naturepl.com, John Downer / WWF

Interviews mit Regierungsvertretern

Zur Bekämpfung der Wildereikrise empfiehlt der Dalberg-Report eine international koordinierte Zusammenarbeit der betroffenen Regierungen. „Der Bedarf nach einer ressortübergreifenden Kooperation wird als besonders dringlich angesehen, um die Problematik zu adressieren und entsprechende Maßnahmen einleiten zu können“, heißt es darin. Weiterhin spricht sich der Bericht dafür aus, die notwendige Infrastruktur zu verbessern, um Ermittlungen durchführen zu können, die schließlich zu Haftstrafen führen.


Für den Bericht kontaktierte „Dalberg Global Development Advisors“ insgesamt 110 Regierungsvertreter und internationale Organisationen und interviewte schließlich insgesamt 22 Repräsentanten aus Justiz-, Umwelt- und Wirtschaftsministerien sowie Aufsichtsbehörden intensiv aus Afrika, Europa, Asien und Amerika. Darunter befanden sich hochrangige Beamte der Europäischen Union, der Vereinten Nationen und Interpol. Auch ehemalige Wilderer wurden für die Studie befragt. Übereinstimmend erklären sie: Die Wildereikrise bedroht nicht nur die biologische Vielfalt unseres Planeten, sondern stellt zudem eine große Gefahr für die Stabilität in Krisenregionen dar, da sie die soziale und wirtschaftliche Entwicklung behindert.

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