Amur-Region: Wälder für die Tiger
Entlang des Amur-Flusses im Fernen Osten Russlands und im Nordosten Chinas treffen subarktische Taiga und temperierte Klimazone zusammen und sorgen für eine außergewöhnliche Artenvielfalt – von üppigen Laubmischwäldern mit 250 Baum- und Straucharten bis zu Tigern und Leoparden.

Seit 1993 engagiert sich der WWF in der Amur-Region für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Auf seine Initiative hin wurden die Schutzgebiete im russischen Teil auf rund 14 Millionen Hektar ausgedehnt – eine Fläche von der doppelten Größe Bayerns. Weitere 3,2 Millionen Hektar sollen bis 2020 dazukommen.
Stabiler Bestand – dank WWF
Für viele seltene Tier- und Pflanzenarten wurden damit wichtige Refugien gesichert. Vor allem für die letzten großen Beutegreifer: Ein vom WWF unterstützter Stab engagierter Wildhüter hat den Bestand von etwa 450 verbliebenen Amur-Tigern und 35 bis 40 Amur-Leoparden seit rund 15 Jahren stabil gehalten. Die unerlaubte Jagd ging zurück – nicht nur auf die Großkatzen, sondern auch auf deren Beutetiere.
Nach zwölf Jahren Vorarbeit des WWF hat die russische Regierung im April 2012 an ihrer chinesischen Grenze im Fernen Osten den Leopardovy-Nationalpark von der Größe des Saarlandes eingerichtet, um den größten Lebensraum der letzten Amur-Leoparden zu bewahren und so eine bessere Voraussetzung für Nachwuchs zu schaffen. Durch Leopardovy werden jetzt Wälder geschützt, die Leoparden und Tiger als Wanderkorridore nutzen und die auf die chinesische Seite führen. Dort gelang den chinesischen WWF-Kollegen Ende 2011 ebenfalls ein großer Erfolg: Drei große Waldgebiete (Suiyang, Jiaohe und Wangqin) mit einer Gesamtfläche von über 165.000 Hektar wurden als Schutzgebiete für die Großkatzen ausgewiesen.
Hilfe für die indigene Bevölkerung

Darüber hinaus sind inzwischen bereits 5,8 Millionen Hektar Wald im russischen und chinesischen Teil der Amur-Region nach den Standards des FSC zertifiziert und werden naturnah bewirtschaftet. Bis Mitte 2014 sollen weitere drei Millionen Hektar auf russischer Seite dazukommen und so dem Zugriff der Holzmafia entzogen werden.
Im Einzugsgebiet des Bikin-Flusses – fast so groß wie Schleswig-Holstein – konnte der WWF in Zusammenarbeit mit der indigenen Bevölkerung der Udege ein Einschlagmoratorium durchsetzen. Der Oberlauf des Bikin wurde 1998 sogar zu einem regionalen Schutzgebiet erklärt. Trotzdem versuchen immer wieder Firmen, dort Einschlagkonzessionen zu bekommen. Der WWF half den Udege jedes Mal, ihre Rechte zu wahren und die Tigerwälder zu erhalten.
Dafür unterschrieb der WWF 2009 gemeinsam mit den Udege einen Pachtvertrag für 461.154 Hektar Urwald um den mittleren Bikin-Fluss. Das entspricht fast der doppelten Größe des Saarlandes. Diese Tigerwälder sind nun für die nächsten 49 Jahre gesichert. Sie können weiter nachhaltig genutzt werden – vor allem zur Ernte von Samen der Koreanischen Kiefer, eine vitamin- und eiweißreiche Nahrungsquelle. Der WWF fördert die nachhaltige Nutzung solcher Waldprodukte.
Holzindustrie weiterhin als Gefahr
Das Projekt wird mit Mitteln der Internationalen Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums unterstützt. Die KfW Entwicklungsbank ist der Projektträger. Die durch das Waldschutzprojekt vermiedenen CO2-Emissionen sollen ab dem Frühjahr 2013 über Kohlenstoffzertifikate verkauft werden. Die Erlöse kommen der lokalen indigenen Bevölkerung zugute und sollen den zukünftigen Schutz der Bikin-Wälder mitfinanzieren.
Doch immer noch schlägt die russische Holzindustrie rücksichtslos Holz ein in den Urwaldflächen der Amur-Region. Deshalb bleibt es das Ziel des WWF, den Großteil der Amur-Wälder mit ihrer Artenvielfalt dauerhaft zu sichern. Bis 2020 will die Umweltstiftung zudem erreichen, dass es mindestens 20 Prozent mehr Amur-Tiger und 50 Prozent mehr Amur-Leoparden gibt.














