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Stand: 24.04.2015

Amur-Region: Wälder für Tiger und Leoparden

Entlang des Amur-Flusses im Fernen Osten Russlands und im Nordosten Chinas treffen subarktische Taiga und temperierte Klimazone zusammen und sorgen für eine außergewöhnliche Artenvielfalt – von üppigen Laubmischwäldern mit 400 Baum- und Straucharten bis zu Tigern und Leoparden.

Der Amur-Tiger © Markus Mauthe / WWF
Der Amur-Tiger © Markus Mauthe / WWF

Seit 1994 engagiert sich der WWF in der Amur-Region für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Unser besonderes Augenmerk gilt dabei dem Amur-Tiger und dem Amur-Leoparden. Es sind die einzigen Großkatzen, die an extreme Kälte angepasst sind. Ihr Lebensraum sind die gemäßigten Nadel-Laub-Mischwälder der Region. Im russischen Fernen Osten sind diese Wälder nordwärts bis zum 50. Breitengrad verbreitet und im angrenzenden Nordost -China in den Provinzen Heilongjiang und Jilin.

Projektgebiet in der Amur-Region © WWF (zum Vergrößern bitte klicken)
Projektgebiet in der Amur-Region © WWFLupe

Beide Unterarten wurden durch den Menschen an den Rand der Ausrottung gebracht. Die hauptsächlichen Gefährdungen sind Wilderei, Lebensraumzerstörung, übermäßiger und illegaler Holzeinschlag und die intensive Jagd ihrer Beutetiere. Für den Amur-Leoparden ist auch die Inzucht ein gravierendes Problem, da es nur noch etwa 49 Exemplare auf russischer Seite gibt und vielleicht 15 im Nordosten Chinas. Der Bestand des Amur-Tigers ist seit 2009 stabil und liegt bei etwa 450 – 500 Individuen.

Zu ihrem Schutz führt der WWF in Russland und in China ein grenzübergreifendes Programm durch, das ein ganzes Bündel an Maßnahmen enthält. Dazu zählen die Bekämpfung von Wilderei und Artenschmuggel, die Ausweisung von neuen staatlichen Schutzgebieten, die Verbesserung der Forstwirtschaft, die langfristige Pacht von wertvollen Waldflächen und die Erhöhung der Beutetierdichte. Auch auf politischer und gesetzgeberischer Ebene kämpft der WWF für mehr Schutz der beiden Großkatzen. Zum Beispiel mit der Forderung, dass in „Tigerwäldern“ die forstliche Bewirtschaftung eingeschränkt wird.

Erfolge der WWF-Arbeit:

1. Erhöhung der Beutetierbestände

Sikahirsche © Viktor Filonov / WWF Russia
Sikahirsche © Viktor Filonov / WWF Russia

Im Nordosten Chinas ist die Dichte der Beutetiere von Tiger und Leopard sehr viel geringer als im russischen Verbreitungsgebiet. Zu den Beutetieren gehören Wildschwein, Sika- und Rothirsch und Sibirisches Reh. Intensive Wilderei mit Schlingen hat hier über Jahrzehnte die Bestände dezimiert. Der WWF unterstützt daher in China seit 2011 die Auswilderung von Hirschen aus Gatteraufzucht. Diese vermehren sich inzwischen in Freiheit. In Russland arbeitet der WWF mit Jagdkonzessionen zusammen. Die Modell-Jagdkonzessionen sollen sich am Tiger-Monitoring (Kamerafallen) beteiligen und Winterfütterung von Rehen, Hirschen und Wildschweinen durchführen, um damit die Sterblichkeitsrate der Tiere bei hoher Schneelage zu verringern.

2. Neue Schutzgebiete schaffen

An der Planung und der Ausweisung vieler Schutzgebiete ist der WWF durch Umweltgutachten, wissenschaftliche Begleitung und Öffentlichkeitsarbeit beteiligt. In der Amur Region stehen mittlerweile 7,4 Millionen Hektar temperierter Mischwald unter Schutz, eine Fläche größer als Bayern. Nicht nur für den Amur-Tiger, sondern für viele weitere seltene Tier- und Pflanzenarten werden damit wichtige Refugien gesichert. Weitere zwei Millionen Hektar sollen bis 2020 dazukommen.

3. Naturschonende Forstwirtschaft fördern

Anfang 2015 sind bereits 6.6 Millionen Hektar Wald im russischen Teil der Amur-Region FSC-zertifiziert. Im Rahmen dieser Zertifizierung erstellt der WWF technische Gutachten und verhandelt mit den Betrieben über Waldflächen, auf denen der Holzeinschlag nur mit Auflagen oder gar nicht mehr erlaubt sein soll. Dazu gehören zum Beispiel wertvolle Biotope oder besonders alte Baumbestände. So konnte der WWF mit der Firma Terneyles im August 2013 einen zusätzlichen Totalschutz für eine Waldfläche von 443.000 Hektar aushandeln. Bis Ende 2017 sollen weitere zwei Millionen Hektar FSC-Wald im russischen Teil der Amur-Region dazukommen.

4. Bäume für die Vielfalt

Korea-Kiefer © Pavel Krestov / WWF Russia
Korea-Kiefer © Pavel Krestov / WWF Russia

Über Jahrzehnte wurde der „Baum des Lebens“ in der Amur-Region, die Korea-Kiefer (Pinus koraiensis) forstlich übernutzt. Dabei zählt sie zu den wichtigsten Futterbäumen für zahleiche Tierarten - vom Streifenhörnchen bis zum Wildschwein. Ausgangspunkt dieser Nahrungskette sind die fettreichen Samen (Pinienkerne) der Kiefer, die in der kalten Jahreszeit zur Verfügung stehen. Im November 2010 konnte der WWF erreichen, dass die Baumart in Russland unter Schutz gestellt wurde. Auch der Schutz eines weiteren Futterbaumes, der Mongolischen Eiche (Quercus mongolica), konnte im Juni 2013 verbessert werden. Für diese Baumart gelten seitdem in Russland Exporteinschränkungen des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES).

5. Ranger bekämpfen die Wilderei

Vom WWF werden rund 150 staatliche Wildhüter und Jagdinspektoren in den Provinzen Primorje und Chabarowsk zum Schutz von Tiger und Leopard unterstützt. Der Bestand an etwa 450 verbliebenen Amur-Tigern konnte so seit 2009 stabil gehalten werden. Die Zahl der Amur-Leoparden hat innerhalb von nur fünf Jahren um fast das eineinhalbfache auf 49 Exemplare zugenommen. Die Wilderei ging zurück – nicht nur auf Tiger, sondern auch auf dessen Beutetiere. Neue Bestandszahlen zum Tiger werden nach der großen Tigerzählung im Winter 2015 erwartet. Auch an dieser Zählung beteiligen sich die vom WWF unterstützten Ranger und WWF-Mitarbeiter. Zum Arten-Monitoring gehören auch Kamerafallen. In China ist dies die gängige Methode der Erfassung. Eine systematische Spurenzählung lohnt sich hier wegen der sehr kleinen Vorkommen nicht.

6. Kampf gegen Artenschmuggel

Über Jahre setzte sich der WWF für härtere Mindeststrafen für den Schmuggel von bedrohten Tier- und Pflanzenarten in Russland ein. Im Juni 2013 verabschiedete die russische Regierung endlich ein Gesetz, dass den Transport und Besitz „wertvoller geschützter Arten" einschließlich Amur-Tiger und Amur-Leopard generell als Straftat wertet. Bis dahin wurden fast alle Verstöße lediglich als Ordnungswidrigkeit mit geringen Geldbußen geahndet.

7. Land für den Amur Leoparden

Amur-Leopard © Valerii Maleev / WWF
Amur-Leopard © Valerii Maleev / WWF

Nach mehreren Treffen von WWF Russland mit dem russischen Vize-Premierminister Sergei Ivanov und Vertretern des Ministeriums für natürliche Ressourcen wurde Ende 2011 der Weg frei gemacht für ein neues Leoparden-Schutzgebiet in der Provinz Primorje. Im April 2012 wies die russische Regierung dort den Leopardovy-Nationalpark von der Größe des Saarlandes aus. Der neue Nationalpark ist die Heimat der letzten 49 freilebenden Amur-Leoparden in Russland und von etwa 10 Amur-Tigern. Auf der direkt benachbarten chinesischen Seite gelang dem WWF ebenfalls ein großer Erfolg. Drei große Waldgebiete (Suiyang, Jiaohe und Wangqing) mit einer Gesamtfläche von über 165.000 Hektar wurden 2012 als Schutzgebiete ausgewiesen. Sie setzen den geschützten Lebensraum der Großkatzen auf chinesischem Territorium fort und ergänzen das dem Leopardovy-Park direkt benachbarte Hunchun-Reservat.

8. Wälder pachten

Gemeinsam mit privaten Unternehmern pachtet der WWF „Nuss-Sammelzonen“ für bis zu 49 Jahre. Die Ernte von Waldprodukten (Farne, Beeren, Pilze und Kiefernnüsse) ist hier erlaubt, ebenso die Jagd. Der industrielle Holzeinschlag ist verboten. Seit 2008 konnten 663.000 Hektar gepachtet werden. Ein besonders großes und wertvolles und großes Gebiet (etwa 10 Prozent der Amur-Tiger leben dort) konnte der WWF in Zusammenarbeit mit der indigenen Bevölkerung der Udege im Einzugsgebiet des Bikin-Flusses pachten. Dies war Dank der finanziellen Unterstützung der Internationalen Klimainitiative des deutschen Umweltministeriums (BMUB) 2009 möglich geworden. Eine Urwaldfläche von 461.000 Hektar wurde somit langfristig vor dem Zugriff von Holzfirmen gerettet. Der WWF fördert auch die nachhaltige Nutzung, Verarbeitung und Vermarktung der Waldprodukte. 

9. Waldbrände verhindern und bekämpfen

Immer wieder brechen in den Heimatwäldern des Amur-Leoparden Feuer aus, ausgelöst durch menschliche Unachtsamkeit. Das Feuer zerstört die wertvollen Korea-Kiefern mit ihren Pinienkernen. Die verbrannten Mongolischen Eichen treiben zwar wieder aus, doch sie sind verkrüppelt und bringen kaum noch Eicheln hervor. Der WWF rüstet Brandbekämpfer mit Speziallöschern, Laubbläsern und Fahrzeugen aus und installiert Videokameras auf Funktürmen, mit denen Brände entdeckt werden können. Er finanziert die Anlage und Pflege vegetationsfreier Brandschutzstreifen. Für einen verantwortungsvolleren Umgang mit Feuer betreiben wir Aufklärungsarbeit und besuchen zum Beispiel Schulklassen. In zerstörten Waldflächen werden die verschwundenen Korea-Kiefern wieder angepflanzt. So finden die Beutetiere wieder mehr Futter.

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Hilfe für Leoparden
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