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Hohe See: Gemeinsames Erbe der Menschheit

Seit Herbst 2012 stehen insgesamt rund 465.000 Quadratkilometer Ozean über dem Mittelatlantischen Rücken unter Schutz. Dieses Gebiet ist größer als die Ostsee.

Etwa zwei Drittel der Ozeane sind Hohe See © naturepl.com / David Shale / WWF-Canon
Etwa zwei Drittel der Ozeane sind Hohe See

Etwa zwei Drittel der Ozeane sind Hohe See. Sie liegen in Gebieten außerhalb der so genannten „Ausschließlichen Wirtschaftszonen“ von Staaten jenseits der 200 Seemeilen vor der jeweiligen Küste. Diese internationalen Gebiete sind nach Seerecht „gemeinsames Erbe der Menschheit“. Bodenschätze werden von der Internationalen Meeresbodenbehörde verwaltet, über die Fischerei bestimmen regionale und globale Abkommen sowie Organisationen.

"Charlie-Gibbs Fracture Zone" - ein Hohe-See-Schutzgebiet

Schutzgebiete auf der Hohen See © WWF (zum Vergrößern bitte klicken)
Schutzgebiete auf der Hohen SeeLupe

Doch Instrumente zum Schutz der Natur unter dem Schirm des UN-Seerechtsabkommens fehlen. Trotzdem konnte der WWF mit der weltweit ersten Nominierung eines Hohe-See-Schutzgebietes auf dem Mittelatlantischen Rücken, der so genannten „Charlie-Gibbs Fracture Zone“, ein enormes Vorhaben in Gang setzen. Dieses Gebiet ist reich an Seebergen und bis zu 4.000 Meter tiefen Canyons. Dort finden sich Kaltwasserkorallenriffe, Kolonien von Schwämmen und Tiefsee-Lebensgemeinschaften mit vielen bedrohten Arten. Kalte Strömungen aus dem Norden vermischen sich mit warmen aus dem Süden. Daher sind die Gewässer besonders planktonreich. Wale und Seevögel finden hier auf ihren langen Wanderungen reichlich Nahrung.

Nach fünf Jahren Vorbereitung stellten die 15 Staaten des OSPAR-Abkommens (zum Schutz des Nordatlantiks) im September 2010 sechs Hohe-See-Gebiete im Nordostatlantik unter Schutz – darunter das Charlie-Gibbs-Meeresschutzgebiet am Mittelatlantischen Rücken. Im Sommer 2012 wurde dessen Fläche auf WWF-Betreiben verdoppelt. Damit stehen 465.000 Quadratkilometer der Hohen See erstmals unter Schutz.

Weitere Gefahren bleiben bestehen

Der WWF fordert ein Moratorium für den Tiefseebergbau. © naturepl.com / David Shale / WWF-Canon
Der WWF fordert ein Moratorium für den Tiefseebergbau.

Der WWF erreichte zudem, dass durch Beschlüsse der EU und der Nordostatlantischen Fischereikommission (NEAFC) der Einsatz von schädlichen Bodenschleppnetzen in großen Bereichen des Nordostatlantiks verboten wurde, darunter auch in den oben genannten Schutzgebieten. Doch es bestehen weitere Gefahren für die Schutzgebiete auf Hoher See:

  • Die rechtlichen Rahmenbedingungen für Meeresschutzgebiete und vergleichbare Naturschutzmaßnahmen auf See beziehungsweise unter der Meeresoberfläche sind nicht einheitlich.
  • Der WWF warnt zudem vor nuklearen Abfällen, die seit den fünfziger Jahren an mehreren Stellen im Atlantik verklappt wurden.
  • Schutzmaßnahmen werden bislang vorrangig nach Sektoren getrennt umgesetzt: Fischerei, Schifffahrt, Offshore-Industrien und die Zuständigkeiten sind zersplittert und ungleich verteilt.
  • So kommt es insgesamt zu einem ungleichen Wettlauf zwischen Schutz und Nutzungen. Vor allem mechanische Zerstörungen durch Schleppnetze und Tiefsee-Bergbau drohen ganze Lebensräume zu zerstören. Daher fordert der WWF weiterhin ein Moratorium für den Tiefseebergbau.

Für ein weltweites UN-Abkommen zum Schutz der Hohen See

Der WWF unterstützt das im Rahmen des Abkommens zum Schutz der biologischen Vielfalt (CBD) festgelegte Ziel der Vereinten Nationen, bis zum Jahr 2020 mindestens zehn Prozent der Ozeane unter Schutz zu stellen. Darüber hinaus müssen die Internationale Seebodenbehörde und die Küstenstaaten strenge Regulierungen für den Abbau von Bodenschätzen verabschieden. Der WWF setzt sich für ein weltweites UN-Abkommen zum Schutz der Natur auf Hoher See ein, um eine gefährliche Rechtslücke zu schließen.

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