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Flüsse brauchen Auen

Sie sind die Kinderstuben der Fische, die „natürlichen Kläranlagen“ der Flüsse und zugleich ihre wirkungsvollste Hochwasserbremse. Doch lange blieben Auen die großen Unbekannten. Das änderte sich vor rund 30 Jahren mit den ersten richtungsweisenden Projekten des WWF zum Erhalt und zur Renaturierung von Flusslandschaften.

Graureiher © Wild Wonders of Europe / Dieter Damschen / WWF
Graureiher © Wild Wonders of Europe / Dieter Damschen / WWF

Flüsse gehören mit ihren natürlichen Überflutungsflächen, den Auen, zu den artenreichsten Lebensräumen in Europa. Doch lange Zeit wurden sie begradigt, zu Kanälen vertieft, aufgestaut und von ihren Auen abgeschnitten. Artenverarmung sowie immer rascheres und höheres Hochwasser waren zwei der fatalen Folgen.

Institut mit grenzüberschreitender Ausrichtung

Prinz Philip © Michel Gunther / WWF-Canon
Prinz Philip © Michel Gunther / WWF-Canon

Grund genug für den WWF, dieser Entwicklung gegenzusteuern. Im Frühjahr 1985 wurde das WWF-Auen-Institut in Rastatt von Prinz Philip, damals Präsident von WWF International, eröffnet, der dem Institut von Anfang an eine grenzüberschreitende Ausrichtung vorgab.

 

In den achtziger Jahren lösten in Deutschland vor allem zwei Konflikte ein enormes Medienecho und Engagement für Flüsse und Auen aus. Im „Taubergießen“, einer durch Staustufen bereits geschädigten Aue am südlichen Oberrhein, standen sich Naturschützer und Nutzer auf deutscher und französischer Seite unversöhnlich gegenüber. Der WWF Deutschland konnte mit einem Fachgutachten zu einem Konsens für das Schutzgebiet beitragen, der bis heute Bestand hat.

 

An der österreichischen Donau bei Hainburg wiederum hatten die dortigen Politiker entschieden, das letzte Stück frei fließende Donau mit einem Wasserkraftwerk zur Energiegewinnung aufzustauen und artenreiche Auen zu zerstören.

Ein beispielloser Widerstand

Ein naturnaher Fluss © Wild Wonders of Europe / Jose B. Ruiz / WWF
Ein naturnaher Fluss © Wild Wonders of Europe / Jose B. Ruiz / WWF

Dem setzte der WWF die Alternative eines Nationalparks gegenüber und startete die Kampagne „Rettet die Au!“ gegen den Kraftwerksbau. Es folgte ein beispielloser Widerstand: Mehr als 3.500 Menschen besetzten die Auen und ließen sich auch von Räumungsversuchen nicht einschüchtern. Auf der Wiener Ringstraße demonstrierten rund 40.000 Menschen. „Hainburg“ wurde zum Schlagwort für zivilen Ungehorsam.

 

Schließlich gelang es dem WWF im Dezember 1989 nach einer spektakulären Spendenaktion, für umgerechnet über zehn Millionen DM ein Kerngebiet bei Haslau und Regelsbrunn in dem vom Kraftwerksbau bedrohten Auenband zwischen Wien und Hainburg anzukaufen. Wenige Jahre später (1996) wurde dort der Nationalpark Donau-Auen ausgewiesen.

 

Am Rhein wiederum entwickelte das WWF-Auen-Institut in Zusammenarbeit mit Fachbehörden ein Konzept, das in vorbildlicher Weise Auen-Renaturierung und Hochwasserschutz zusammenführte. Vom Fluss abgeschnittene Auengebiete werden bei Hochwasser jetzt wieder naturnah überflutet. Der Strom hatte zuvor zwischen 1955 und 1977 mehr als die Hälfte seiner Auen durch Staustufen verloren.

Die Bedeutung der Auen

In den folgenden Jahren dehnte das WWF-Auen-Institut seine Arbeit von Rhein, Donau und Loire auch auf Elbe und Oder sowie nach Südamerika aus. Welche Bedeutung die Auen haben, wurde spätestens nach dem jeweils großen Hochwasser 1993 und 1995 am Rhein sowie nach den sogenannten Jahrhundertfluten an Oder (1997) und Elbe (2002) offenkundig. Entsprechend fand die WWF-Forderung nach Renaturierung der Auen im September 2002 Eingang in das Fünf-Punkte-Programm der Bundesregierung zum vorbeugenden Hochwasserschutz.

 

Im Jahr 2004 wurde das WWF-Auen-Institut eine Forschungseinrichtung an der Universität Karlsruhe und gehört seit 2010 zum Karlsruher Institut für Technologie.

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