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Madagaskar: Wälder für Waldgeister

Auf der viertgrößten Insel der Welt feiert die Natur Rekorde. Dort leben fünf Prozent aller Tier- und Pflanzenarten der Erde. Seit 50 Jahren kümmert sich der WWF um deren Schutz.

Katta, <i>Lemur catta</i> © R. Maro / version foto / WWF
Katta, &lt;i&gt;Lemur catta&lt;/i&gt; © R. Maro / version foto / WWF

Nachdem vor 150 Millionen Jahren Madagaskar von Afrika getrennt wurde, entwickelte sich eine ganz eigene Tier- und Pflanzenwelt. Von den etwa 14.900 Arten von Blütenpflanzen und den 109 Säugetierarten sind jeweils 80 Prozent, von den 300 Vogelarten rund die Hälfte, von den 260 Reptilienarten 95 Prozent und von den 150 Froscharten alle endemisch. Das bedeutet, es gibt sie nirgendwo sonst auf der Welt.

Doch auch auf Madagaskar vernichten Menschen ihre Wälder. Von den ursprünglich 53 Millionen Hektar Wald sind heute nur noch zehn Prozent übrig. Denn die Bevölkerung dort ist arm und sieht sich gezwungen zu roden, um neben Feuerholz auch neues Ackerland – vor allem für den Reisanbau und die Rinderzucht – zu gewinnen.

Ganzheitliches Naturschutzkonzept

Projektgebiete auf Madagaskar © WWF (zum Vergrößern bitte klicken)
Projektgebiete auf Madagaskar © WWFLupe

Der WWF erweiterte daher bereits früh seinen Aktionsradius: Was in den sechziger Jahren mit dem Schutz bedrohter Arten wie der Angonoka-Schildkröte begann, entwickelte sich zu einem ganzheitlichen Konzept, die ursprünglichen Lebensräume der Insel zu bewahren und den Menschen zugleich durch nachhaltige Nutzungsformen eine Lebensperspektive zu geben.

Der WWF bewahrt Wälder vor weiterem Raubbau und renaturiert sie, wo dies möglich ist. Zugleich wird in allen Projekten die Bevölkerung verantwortlich miteinbezogen. So bekommen Gemeinden die Nutzungsrechte an Waldgebieten übereignet, wenn sie sich zu einer nachhaltigen Bewirtschaftung verpflichten. Wie sie funktioniert, lernen sie in Schulungen – welche Bäume wann und wie geschlagen werden können, wie sie Bodenerosion vermeiden und naturnah düngen, um höhere Erträge zu erzielen. Mit großem Erfolg wurden Öfen eingeführt, die mit Sägespäne-Lehm-Ballen beheizt werden können. In neu eingerichteten Baumschulen werden Pflanzen für die Wiederaufforstung herangezogen. In Nationalparks wie Andringitra wird erfolgreich Ökotourismus gefördert.

Umweltschutz durch Umweltbildung

Affenbrotbaum, Baobab © naturepl.com / Inaki Relanzon / WWF-Canon
Affenbrotbaum, Baobab © naturepl.com / Inaki Relanzon / WWF-Canon

Außerdem hat der WWF frühzeitig Umweltbildung für Kinder eingeführt: Er entwickelte ab 1987 ein Umweltlehrbuch für Schulen. „Ny Voaary“ – „Natur“ wurden an alle fünf Grundschulklassen des Landes verteilt. Bis 1989 konnten die Lehrer in allen 112 Schuldistrikten speziell für den Umweltunterricht ausgebildet und mit Lehrmaterial ausgestattet werden. Schulleiter, Eltern, Lehrer und Schüler halfen gemeinsam mit, die Bücher und Lehrgänge ständig zu verbessern.

Als „Geschenk an die Erde“ würdigte der WWF 2003 das Vorhaben des damaligen madagassischen Präsidenten Marc Ravalomanana, die Schutzgebiete des Landes von 1,7 Millionen Hektar zu verdreifachen. Heute sind fast 5,3 Millionen Hektar Madagaskars unter Schutz gestellt. Das entspricht etwa einem Zehntel des Landes.

Finanzierung durch Umweltfonds

Finanziert werden sollen die Schutzgebiete über einen Umweltfonds, an dessen Einrichtung sich der WWF gemeinsam mit der KfW Entwicklungsbank, der Weltbank und anderen Partnern beteiligt hat. Aus diesem Geldtopf können die laufenden Betriebs- und Unterhaltungskosten der Schutzgebiete bezahlt werden. So können sich auch die Überlebenschancen der bedrohten Lemuren verbessern, von den Einheimischen ehrfürchtig als „Waldgeister“ bezeichnet.

Nach einem Putsch 2009 haben sich allerdings die meisten Mittelgeber aus Madagaskar zurückgezogen.

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