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Stand: 23.12.2014

Unsere Naturschutzerfolge 2014

Es gibt im Naturschutz viel zu tun – und auch immer wieder Rückschläge. Wir konnten 2014 aber mit unseren Unterstützern weltweit viele Erfolge feiern. Wie etwa das weltgrößte Tropenwaldschutzprogramm. Eine Auswahl.

Tropenwald-Schutzprogramm ARPA © Clovis Miranda / WWF Brasilien
Tropenwald-Schutzprogramm ARPA © Clovis Miranda / WWF Brasilien

Weltweit größtes Tropenwald-Schutzprogramm ARPA gesichert

Ein großer Tag für die Natur: Am 22. Mai 2014 unterzeichneten die brasilianische Umweltministerin, der WWF, die Bundesregierung sowie weitere Partner die „ARPA for Life“ Initiative. Die brasilianische Regierung verpflichtet sich darin, nach einer Übergangszeit von 25 Jahren die Kosten für 60 Millionen Hektar Schutzgebiete zu übernehmen und sich für die Ausweisung weiterer sechs Millionen Hektar Schutzgebiet stark zu machen. Im Gegenzug stellen die ARPA for Life-Partner 215 Millionen Dollar zur Verfügung. Deutschland leistet mit 37 Millionen Euro einen erheblichen Beitrag zur Finanzierung des weltweit größten Schutzgebietnetzwerks. Der WWF finanziert seit 2007 mit 4,5 Millionen Euro das Park-Management des Juruena Nationalparks.

Politische Erfolge für den Amazonas

In Brasilien sollen an Infrastruktur, Energie und Rohstoffe immer mehr Regenwald, Schutzgebiete und Indigene Territorien geopfert werden. Dem tritt der WWF vehement entgegen - und das vor allem auf politischer Ebene mit Erfolg: Eine Straße, die mitten durch den berühmten Iguazú Nationalpark (UNESCO-Weltnaturerbe) gehen sollte, wurde von der politischen Agenda genommen - und ist somit erst einmal keine Bedrohung mehr. Planungen zum Bau eines Wasserkraftwerkes an der Grenze des Parks wurden durch ein Gericht in Brasilien gestoppt. Ähnliches wurde mit der geplanten Verfassungsreform PEG215 (Gesetzespaket zur einfacheren Auflösung von Schutzgebieten und Indigenen Territorien) erreicht. Als Antwort auf eine WWF-Kampagne wurden zwei Wasserkraftwerke, die im Juruena Nationalpark geplant waren, aus dem aktuellen Energieplan genommen. Dadurch wurde nicht nur die Überflutung von etwa 400 Quadratkilometer Regenwald verhindert, sondern auch der Bau von Straßen und Hochspannungsleitungen - die oft neue Entwaldung nach sich ziehen.

Tiger in China © Vladimir Filonov / WWF-Canon
Tiger in China © Vladimir Filonov / WWF-Canon

Doppelt so viel Beute für den Tiger in China

Der WWF arbeitet in China mit an einem Programm, das heimische Rot- und Sikahirsche in Farmen aufzieht - und dann in Tigergebiete auswildert. In den fünf Tiger-Kerngebieten im Nordosten Chinas gibt jetzt schon im Vergleich zu 2010 doppelt so viel Tiger-Beute. Die geringe Beutedichte war bisher ein Hauptgrund dagegen, dass Amur-Tiger und Amur-Leopard sich neue Lebensräume erschließen.

Neuer Nationalpark Shantar Island in Russland

Shantar Island ist eine Inselgruppe im Ochotskischen Meer, nordwestlich der Amur-Mündung. Per Dekret wurde 2014 durch Ministerpräsident Dimitri Medwedew der Shantar Island Nationalpark ausgewiesen. Der neue Nationalpark hat eine Ausdehnung von 515.000 Hektar (davon 241.000 Hektar Land, der Rest Meer). Die Besonderheit von Shantar Island ist das Vorkommen von Grönlandwalen und Pazifischen Grauwalen. Die Flüsse und Bäche der Inseln sind Laichgewässer, unter anderem für Lachse. Ebenso sind die Inseln Habitat für viele Vogelarten, darunter Rote-Liste-Arten wie Riesen-Fischuhu (Bubo blakistoni), Riesenseeadler (Haliaeetus pelagicus) und Sichelhuhn (Falcipennis falcipennis). Der WWF hatte den Ausweisungsprozess aktiv unterstützt. 

Rettung für die Mekong-Delfine

Im Mekong gefährden Fischernetze die letzten Irawadi-Delfine. Immer wieder ertrinken Tiere in den feinen Kunststoffnetzen, die für die Delfine nicht zu sehen sind. Durch die langjährige Arbeit des WWF wird die so genannte Delfinstrecke auf circa 150 Kilometer von der laotischen Grenze bis zur kambodschanischen Stadt Kratie mittlerweile besser überwacht. 17 Rangerstationen bestehen entlang des Flussabschnitts. Verbotene Stellnetze in einer Gesamtlänge von 60 Kilometer wurden entfernt.

Waldelefant © naturepl.com / Nick Garbutt / WWF
Waldelefant © naturepl.com / Nick Garbutt / WWF

Sabah: Lebensraum für Elefanten und Orang-Utans

In Sabah wird momentan der Raumordnungsplanung bis ins Jahr 2033 überarbeitet. Der WWF hat es geschafft, darin höchst wertvolle Gebiete vor Umwandlung in beispielsweise Palmölplantagen zu schützen - ein starkes Politik- und Lobbyinstrument gegen den Kahlschlag. Im Maliau-Becken ist es gelungen, einen umweltschutzfreundlichen Landnutzungsplan zu erstellen. Grundlage dafür waren Daten von mit Satellitenhalsbändern ausgestatteten Elefanten und weitere Biodiversitätsdaten wie Waldbedeckung und Waldverlust. Durch die Änderung wird nun erwartet, dass 11.600 Hektar in der östlichen Pufferzone des Schutzgebietes nicht - wie ursprünglich geplant - entwaldet werden.

Kaukasus: Gegen die Wilderer – für die Leoparden

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion erreichte die Wilderei im Kaukasus einen dramatischen Höhepunkt. Viele Arten wurden stark dezimiert oder verschwanden. Seit Mitte der 1990er Jahre helfen wir dort bei der Bekämpfung der Wilderei – mit Erfolg. Einige Arten wie Bezoarziegen oder Gmelin's Mufflon erholen sich wieder. Nun ist die Hoffnung, dass auch der Kaukasus Leopard und die Streifenhyäne den ursprünglichen Lebensraum dauerhaft wiederbesiedeln. In Nachitchevan, im Talish-Gebirge und in Südarmenien konnten wir in den vergangenen Jahren mehrere Leoparden nachweisen. Da es sich dabei um Männchen und Weibchen handelte, besteht Hoffnung auf Nachwuchs.

Ein Jahr nach der ersten Umsiedlungen von 35 Kropfgazellen aus dem aserbaidschanischen Shirvan Nationalpark ins georgisch-aserbaidschanische Grenzgebiet scheinen die Tiere sich in ihrer neuen Heimat wohlzufühlen – sie haben sogar schon Nachwuchs.

Schutz für Elefanten und Nashörner

Elefant und Nashorn werden weiter massiv durch Wilderei bedroht. Das Problem hat es inzwischen aber auf die Agenda der hohen Politik geschafft, darunter die Generalversammlung und den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Auf einer Londoner Konferenz zu Wildlife Crime unterzeichneten 46 Länder (darunter auch Deutschland) und elf UN Organisationen eine umfassende Deklaration: von der Stärkung der Wildhüter im Feld, bis hin zu verbesserten Kontrollen an Häfen und der Reduzierung der Nachfrage in Konsumstaaten. Zahlreiche Länder, darunter Kenia, Tansania, Mosambik und China haben ihre Gesetze verschärft.

Über fünf Millionen Hektar Wald im Kongobecken FSC zertifiziert

Um die Entwaldung zu stoppen und eine naturverträgliche, ökonomisch tragfähige Landnutzung zu ermöglichen, setzt sich der WWF für Waldnutzung unter den strikten Standards des FSC (Forest Stewardsship Council) ein. Nach erheblichen Anfangsschwierigkeiten stieg die zertifizierte Waldfläche im Kongo nun auf über fünf Millionen Hektar. Damit hat das Kongobecken die größte FSC-Fläche aller zusammenhängenden tropischen Wälder. Der FSC stellt die Balance zwischen den ökologischen Notwendigkeiten und dem dringenden Entwicklungsbedarf der bitterarmen Kongobeckenstaaten her.

Umweltbildung in Bolivien mit ungeplanten Erfolgen

Die Zukunft der Erde liegt in den Händen unserer Kinder - umso wichtiger ist deren Bildung. Hier setzt ein Projekt des WWF in Bolivien an. Was an drei Schulen begann ist inzwischen zu einer nationalen Initiative geworden, mit den vom WWF entwickelten Bildungsinhalten als Pflichtlektüre. Die Lehrinhalte wurden bereits an 60.000 Lehrer im ganzen Land verteilt. Die vom WWF erstellten Umweltbildungsvideos des Projekts wurden landesweit auf den fünf größten Kanälen ausgestrahlt, zu einer Kampagne und schließlich zu einem neuen Gesetz zur Vermeidung von Plastikmüll umgewandelt. Die Figuren aus den Videos wurden wegen ihrer großen Beliebtheit bei der Bevölkerung von der Regierung zu Leitfiguren für alle zukünftigen Umweltthemen deklariert. 

Blauwal vor Chile © WWF
Blauwal vor Chile © WWF

Schutzgebiete für Blauwale in Chile

Im Februar 2014 wurden endlich die ersten Meeresschutzgebiete zum Erhalt der Blauwalpopulation im Süden Chiles ausgewiesen. Jahrelang hatte der WWF die Blauwale beobachtet und deren Bewegungsmuster und Aufenthaltsgebiete im Corcovado Golf erforscht. Wir konnten damit die Küstengemeinden und die Politik von der Bedeutung der einzigartigen Meeresregion für die Blauwale überzeugen, nun sind über 90.000 Hektar unter Schutz gestellt.

Großer Fortschritt für Meeresschutzgebiete

Vor der Küste Schottlands und Spaniens sind über 70 neue Meeresschutzgebiete ausgewiesen worden. Darunter ist die Galizienbank vor Spanien mit ihren Kaltwasserkorallenriffen, deren Ausweisung vom WWF vorgeschlagen worden war. Viele der neuen Schutzgebiete gehen auf Vorschläge einer Allianz von Umweltorganisationen samt WWF hervor, darunter der Shetland-Kanal, das größte Meeresschutzgebiet in EU-Gewässern. 

Camilo IV, Engmaulfrosch © Ilka Petersen / WWF
Camilo IV, Engmaulfrosch © Ilka Petersen / WWF

Entdeckt: Camilo IV, Engmaulfrosch

Savannen und Feuchtgebiete werden in Südamerika zunehmend in Plantagen umgewandelt. Rinderzüchter und Palmöl-Plantagen dringen in bislang unberührte Gebiete vor. Ziel eines durch die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) des Bundesumweltministeriums geförderten WWF-Projekts ist sorgfältige Landplanung. Als nun im Rahmen des Projekts eine Expedition von WWF-Biologen in die Region im Orinoco Becken reiste, beteiligte sich daran auch der sechsjährige Kolumbianer Camilo – die Farm seines Vaters liegt in der Pilot-Region. Im Pool wurde er fündig – der Junge entdeckte eine neue Froschart. Bei dem zwei Zentimeter großen Minifrosch handelt es sich um eine bislang unbekannte Art der Engmaulfrösche (Microhylidae) – ein deutliches Indiz für den hohen biologischen Wert der Region. 

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