Fledermäuse: Batmans echte Brüder
Sie kommen, wenn es dunkel wird

- Eine Sackflügelfledermaus (Saccopteryx bilineata). © Adriano Gambarini / WWF Brasilien
Mit der Dämmerung beginnt ihre Zeit. Wie kleine fliegende Untertassen schießen sie lautlos mit irrwitziger Geschwindigkeit auf einen zu – um im letzten Augenblick gerade noch auszuweichen.
Fledermäuse sind die Jäger der Nacht. Dabei haben sie es weder auf Menschen noch auf ihr Blut abgesehen. Sie sind hinter Insekten her.
Früher glaubten Menschen, dass Fledermäuse blutsaugende Vampire seien. Tatsächlich gibt es die Gattung Desmodus in Südamerika, die sich wirklich von Blut ernährt. Doch auch diese sind harmlos. Erstens saugen sie nur an Rindern und Pferden. Und zweitens jeweils nur etwa einen Fingerhut voll (20 Milliliter). Das merken die meisten „angezapften“ Tiere noch nicht einmal.
Alle anderen Fledertierarten auf der Welt fressen Insekten oder leben sogar vegetarisch wie die Flughunde in den Tropen, die gerne faulige, übelriechende Früchte verspeisen.
Die mit den Händen fliegen
Alle Fledermäuse fliegen quasi mit den Händen: Betrachtet man einen Flügel genauer, sieht man deutlich die fünf Finger, die von einer Flughaut umspannt werden. Der Daumen ragt über die Flughaut hinaus, besitzt eine Kralle und dient der Fledermaus als Halt beim Klettern. Ihr wissenschaftlicher Name Chiroptera bedeutet „Hautflügler“.
Die Hinterbeine haben ebenfalls Krallen. Mit ihrer Hilfe hängen die Fledermäuse kopfüber, wenn sie ruhen oder Winterschlaf halten. Und weil die Krallen eine besondere „Schließ-Automatik“ besitzen, fallen die Tiere im Schlaf nicht herunter.
Fledertiere sind die einzigen Säugetiere, die fliegen können. Mit den nagenden Mäusen sind sie übrigens nicht verwandt, sondern eher mit den Spitzhörnchen. Aber weil sie ihnen etwas ähnlich sehen, entstand ihr deutscher Name „Fledermaus“.
Was das Echo verrät
Fledertiere sind zwar nachtaktiv, sehen aber erstaunlich schlecht. Dafür haben sie die Fähigkeit entwickelt, ihre Umwelt zu hören. Das Echolot macht’s möglich: Mit ihrem Kehlkopf stoßen die Fledermäuse ganz hohe, vom menschlichen Ohr nicht wahrnehmbare Töne aus. Diese so genannten Ultraschalltöne werden von festen Gegenständen genauso wie von fliegender Beute als Echo zurückgeschallt und von den Tieren gehört.
Das Besondere: Verschiedene Lebewesen und Gegenstände haben auch ein unterschiedliches Echo. Der Chitinpanzer des Fluginsekts ist anders als die Kleider eines Menschen oder das Blech eines Autos. Am Echo ihres Rufs erkennt die Fledermaus daher genau, was da im Dunkel vor ihr fliegt, läuft oder fährt. Deshalb stößt sie auch niemals auf ein Hindernis – auch wenn sie oft nur haarscharf daran vorbeifliegt.
Aber wie beim Menschen ist auch im Tierreich hochkomplizierte Technik anfällig für Störungen: Im Nebel zum Beispiel funktioniert das Echolot nicht. Da heißt es für die Fledermaus: Zu Hause bleiben und warten, bis es aufklart.
Fledermäuse sind bedroht
Viele der 22 Arten der Fledermäuse in Deutschland sind stark bedroht, drei gelten bereits als ausgestorben. Denn es gibt immer weniger naturnahe Landschaften. Und immer weniger alte Häuser mit offenen Dachböden, offenen Kellergewölben, Brunnenschächten und Höhlen. Genau das aber sind ideale Fledermausquartiere. Zugleich wurden durch den Einsatz giftiger Holzschutzmittel in Häusern viele Fledermäuse getötet.
Unsere heimischen Fledermäuse brauchen deshalb mehr Schutz. Sie benötigen vor allem intakte, abwechslungsreiche Lebensräume – wie in Deutschland zum Beispiel die Schaalsee-Landschaft oder den Naturpark Uckermärkische Seen, in dem allein sich 13 Fledermausarten tummeln. Dort hilft der WWF, die wertvollsten Gebiete zu schützen und neue Fledermausquartiere zu schaffen.
Die Regierung des australischen Bundesstaates New South Wales jagt Flughunde. Protestieren Sie dagegen. Unterstützen Sie die Petition (in englisch)
