
- Kegelrobben. © Hans-Ulrich Rösner / WWF
Kegelrobben: Charakterköpfe mit Schnauzbart
Noch immer sind Deutschlands größte Raubtiere ein seltener Anblick in der südlichen Nord- und Ostsee. Rund um Schottland hingegen bewohnen Kegelrobben fast alle Küsten und zahlreiche Inseln. Dort haben wir sie besucht.
Als ich die Nussschale mit Außenborder sehe, kommen mir Bedenken: Das kleine Boot ist nur knapp größer als eine ausgewachsene Kegelrobbe. Damit sollen wir hinausfahren zu den massigen Meeressäugern, die bis zu 300 Kilogramm schwer werden und unberechenbar sein sollen? Doch Skipper Michael beruhigt mich: Das Boot sei unsinkbar. Und vor uns würden Kegelrobben sowieso rechtzeitig ausweichen.
Also tuckern wir los, hinaus auf den Loch Sunart, einen der große Meeresarme an der Westküste Schottlands. Auf dessen zahlreichen kleinen und größeren Inseln treffen sich die Kegelrobben zum Sonnenbaden nach ihren zahlreichen Tauchgängen im kalten, tangreichen Wasser. Verwöhnt von fischreichen Gewässern und einer felsenreichen Küste leben rings um Großbritannien und vor allem um Schottland rund 120.000 Kegelrobben – das entspricht etwa 40 Prozent des Weltbestandes.
Schwupps! Plötzlich lugt eine von ihnen schon aus dem Wasser. Keine zwei Meter von uns entfernt beobachten uns große, neugierige Augen. Offenbar ein Weibchen, meint Michael. Bei ihnen ist die typische kegelförmige Kopfform nicht so stark ausgeprägt. Außerdem haben Kegelrobbendamen nicht so große Nasen wie die Männchen.
Rasch ist sie wieder verschwunden. Dafür tauchen rings um uns immer mehr Köpfe auf. Unser Kommen scheint sich unter den Kegelrobben herumzusprechen. Wir nähern uns einer ihrer Lieblingsinseln, auf denen sie vor Menschen ungestört sind. Außer vor unserem lautstarken Motorboot, denke ich. Doch Michael sagt, solange wir nicht an Land gehen und auf Distanz zu ihren Lieblingsfelsen bleiben, ist das in Ordnung. Michael ist Naturschützer und Wildlife-Fotograf und seit über 20 Jahren mit den Verhaltensweisen der Kegelrobben vertraut.
Und tatsächlich scheint sie unser Boot zwar zu interessieren, aber nicht zu beunruhigen. Jetzt macht Michael den Motor aus und der Wellengang schwappt uns ganz langsam Richtung Liegeplatz der Tiere. Nur noch das Schmatzen des Wassers im dichten Tang ist zu hören. Und das laute Rufen der Alt-Robben – dumpf trötend wie ein röchelndes Nebelhorn.
Einige von ihnen haben sich beste Plätze auf winzigen runden Felsen im Wasser gesichert: Wie eine Banane nach oben gekrümmt balancieren sie auf dem Gestein, das noch nicht einmal eine halben Meter breit aus dem Wasser ragt. Von weitem sieht es aus, als würde ihr massiger Körper federleicht auf dem Wasser liegen. Was bei uns Menschen allenfalls Olympiateilnehmer können, ist für alle Kegelrobben pure Entspannung. Sie haben einfach den Bogen raus.
Ein großes balancierendes Männchen lässt uns sogar ganz nah herankommen und denkt nicht daran, ins Wasser zu flüchten. Mütter mit ihren rund sechs Monate alten Jungen sind da schon schreckhafter: Sie bleiben lieber auf der Insel oder flutschen bei unserem Herannahen rasch hinab ins dunkle Tangwasser.
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