
- Junge Lederschildkröten. © Roger LeGuen / WWF-Canon
Meeresschildkröten
Urige Wanderer zwischen Wasser und Land
Meeresschildkröten stammen von Land- beziehungsweise Süßwasserschildkröten ab, die sich schließlich vor etwa 225 Millionen Jahren dem Lebensraum Meer angepasst haben. Sie überlebten Dinosaurier und Kontinentalverschiebungen, waren Zeugen des Entstehens und Untergangs von Inseln, Korallenriffen und Stränden. Sie überstanden Eiszeiten, Seebeben und andere Naturkatastrophen. Der 'Bauplan' dieser urtümlichen Reptilien wurde bis auf wenige Abwandlungen seither beibehalten. Die Extremitäten sind beispielsweise in Anpassung an das Leben im Meer zu Flossen umgewandelt und können nicht mehr in den Panzer eingezogen werden.
Meeresschildkröten sind weltweit in tropischen und subtropischen Meeren verbreitet und sowohl auf hoher See als auch in Küstennähe anzutreffen. An deren Stränden legen sie ihre Eier ab, wo sie durch die Wärme der Sonne ausgebrütet werden. Ein Gelege umfasst in der Regel über 100 Eier. Die frisch geschlüpften Schildkrötenjungen wiegen etwa 20 Gramm. Von den geschlüpften Jungtieren wird aber im Durchschnitt nur eines von 1.000 das fortpflanzungsfähige Alter von 20 bis 30 Jahren erreichen. Auf ihren Wanderwegen zwischen den Erdteilen legen die Meeresschildkröten riesige Entfernungen zurück, kommen aber zur Eiablage immer wieder zu dem Strand zurück, an dem sie selbst geschlüpft sind. Von welchen Einflüssen sie dabei geleitet werden, ist bislang nicht geklärt.
Weltweit gibt es noch sieben Meeresschildkrötenarten:
Die Lederschildkröte (Dermochelys coriacea) gehört als noch einzige Überlebende zur Familie Dermochelyidae (Lederschildkröten). Zur Familie der Cheloniidae (Meeresschildkröten) gehören die folgenden sechs Arten: Australische Suppenschildkröte (Natator depressus), Echte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata), Grüne Meeresschildkröte oder Suppenschildkröte (Chelonia mydas), Kemp’s Bastardschildkröte (Lepidochelys kempii), Pazifische Bastardschildkröte (Lepidochelys olivacea) und Unechte Karettschildkröte (Caretta caretta).
Bei der Lederschildkröte ist der ursprüngliche Knochen- und Hornpanzer zurückgebildet. Übrig- geblieben ist eine dicke, lederartige Haut, in die mosaikartig kleine Knochenplatten eingesetzt sind. Mit einer Panzerlänge von bis zu zwei Metern und einem durchschnittlichen Gewicht von 500 Kilogramm, ist die Lederschildkröte zudem die größte der Meeresschildkröten.
Die Australische Suppenschildkröte hat einen flachen Körper und Panzer, mit nach oben gebogenen Rändern. Diese Art besitzt das kleinste Verbreitungsgebiet von allen Meeresschildkröten. Sie kommt nur in den Gewässern zwischen Nordaustralien, südlichem Indonesien und Papua Neu Guinea vor.
Die bis zu 90 Zentimetern große und 60 Kilogramm schwere Echte Karettschildkröte besitzt spitz- gebogene Kiefer, die an einen Raubvogelschnabel erinnern.
Die Grüne Meeresschildkröte ist nicht nur grün, sondern auch schwarzbraun bis gelblichgrün gefärbt. Mit bis zu 1,5 Metern Länge und bis zu 200 Kilogramm Gewicht ist sie die größte Schildkröte der Familie der Cheloniidae.
Kemp’s Bastardschildkröte ist mit 70 Zentimetern Länge die kleinste Meeresschildkröte. Sie ist leicht an ihrem fast runden Panzer zu erkennen.
Die Pazifische Bastardschildkröte sieht der Kemp’s Bastardschildkröte sehr ähnlich, wird aber mit bis zu 72 Zentimetern Länge und 50 Kilogramm Gewicht größer und schwerer als diese. Beide Arten sind in unterschiedlichen Regionen beheimatet.
Die Unechte Karettschildkröte erreicht ein Gewicht von 180 Kilogramm und eine Panzerlänge von über einem Meter. Charakteristisch sind ihr großer Kopf und die starken Kiefer.
Alle Meeresschildkröten sind in ihren Beständen gefährdet und daher sowohl durch innerstaatliche Gesetze als auch internationale Konventionen, wie zum Beispiel das Washingtoner Artenschutzübereinkommen, streng geschützt. Durch die moderne Zivilisation sind die ehemals umfangreichen Bestände an Meeresschildkröten stark dezimiert worden. Wenn die Tiere zur Eiablage die Strände aufsuchen, sind sie und ihre Gelege besonders gefährdet. Die Bejagung der weiblichen Tiere, das Einsammeln der Eier, die kommerzielle Nutzung der Schildkrötenpanzer sowie die rücksichtslose Erschließung von Stränden sind dafür verantwortlich, dass die Meeresschildkröten vom Aussterben bedroht sind. In den letzten Jahren ist auch der Beifang zu einer immer größeren Bedrohung geworden. Schätzungen gehen davon aus, dass jährlich mehr als 250.000 Tiere ungewollt in den Netzen der Fangflotten sowie an den Leinen der kommerziellen Langleinen-Fischerei landen und verenden. Daneben gefährdet die zunehmende Meeresverschmutzung ihr Überleben. Lederschildkröten können zum Beispiel den im Wasser treibenden Kunststoffmüll nicht von ihrer 'Leibspeise', den Quallen, unterscheiden. Immer wieder verenden sie an unverdaulichen Plastiktüten.
Seit seiner Gründung im Jahr 1961, hat der WWF weltweit zahlreiche Projekte zum Schutz der Meeresschildkröten verwirklicht.
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Weitere Informationen
finden Sie im WWF-Lexikon: Arten von A-Z
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Kurzporträts aller Meeresschildkrötenarten
Studie: Money talks - economic aspects of marine turtle use and conservation
Studie: When Reptiles become Fish

