Ebola bedroht Menschenaffen

Nach Wilderei und Abholzung der Regenwälder droht Gorillas, Schimpansen und Bonobos zusätzliche Gefahr

Westlicher Flachlandgorilla. © Martin Harvey / WWF-Canon
Westlicher Flachlandgorilla. © Martin Harvey / WWF-Canon

„Wissenschaftler rechnen mit dem Aussterben der Flachlandgorillas in den nächsten fünf Jahren“ (FAS 10.12.06): Selten hat ein Artikel in der Fachzeitschrift „Science“ so viel weltweite Aufmerksamkeit erregt wie die am 8. Dezember 2006 veröffentlichte Studie internationaler Experten unter anderem auch des Max-Planck-Instituts für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Nach Berechnungen der Wissenschaftler sind in einem 2.700 Quadratkilometer großen Gebiet im Nordwesten der Republik Kongo und in Gabun zwischen 2001 und 2005 etwa 5.500 Flachlandgorillas am Ebola-Virus gestorben. Nach deren Angaben verendeten allein in dem 400 Quadratkilometer großen Lossi-Schutzgebiet im Nordwesten der Republik Kongo fast alle Gorillas (221 von 238 Tieren) an der Erkrankung. Wie viele Schimpansen und Bonobos bereits von Ebola erfasst sind, ist noch nicht bekannt.

Das Ebola-Virus, benannt nach dem gleichnamigen Fluss in Nordkongo, kann von einem bis heute unbekannten Wirt auf Menschen und andere Säugetiere übertragen werden. Vor allem Fledermäuse werden als natürlicher Wirt des Virus angesehen. Mittlerweile wurden Ebola-Antikörper  auch in einer Wildschweinart des zentralafrikanischen Regenwaldblocks nachgewiesen. Das heisst, dass die Tiere zwar in Kontakt mit dem Virus gekommen, aber offenbar nicht daran erkranken. Genau das ist besonders bedrohlich, da Wildschweine zum bevorzugten Jagdwild der lokalen Bevölkerung gehören. Dadurch besteht die Gefahr einer direkten Übertragung auf den Menschen durch Verzehr des Wildschweinfleisches.

Ebola gehört zu den gefährlichsten Viruserkrankungen und führt beim Menschen häufig binnen weniger Tage zum Tod. Das Virus löst zumeist ein so genanntes hämorrhagisches Fieber aus, das zu schweren inneren Blutungen führt. Die Erkrankung gilt bis jetzt als unheilbar und hat seit ihrer Entdeckung 1976 im Sudan etwa 1.200 Menschenleben gefordert. Allerdings kann die Übertragung offenbar nur dann stattfinden, wenn es zu einem direkten Blutkontakt kommt oder infiziertes Fleisch gegessen wird.

Die Folgen für die Tiere

Genau das geschieht im Kongobecken in Zentralafrika, wo der Regenwald von Holzfällern in rasender Geschwindigkeit abgeholzt wird und immer mehr Menschen in einstmals dünn besiedelte Gebiete vordringen „Es gibt also einen Zusammenhang zwischen der Rodung der Urwälder, dem Erlegen von Affen, dem Verzehr des Fleisches und dem Überspringen des Ebola-Virus auf den Menschen“, beschreibt die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung den Teufelskreis des Raubbaus.

Wilderei und Regenwaldvernichtung führen bereits zu drastischen Rückgängen der Populationen von Gorillas, Schimpansen und vielen anderen Tierarten. Der Ausbruch der Ebola-Seuche kann diese unheilvolle Entwicklung nun noch brutal beschleunigen. Einen drastischen Rückgang der Gorillas und Schimpansen im Minkebe-Waldblock im Nordosten Gabuns seit 1994 um bis zu 90 Prozent führen WWF-Forscher auf Ebola-Ausbrüche unter den Tieren zurück. Nicht von ungefähr warnen die Autoren der neu veröffentlichten Studie konkret davor, dass Flachlandgorillas bereits in fünf Jahren in freier Wildbahn ausgestorben sein könnten.

Was können wir tun?

Nach den neu vorgelegten Zahlen muss über neue Strategien im Naturschutz nachgedacht werden. Die bisherigen Bemühungen zum Überleben der afrikanischen Menschenaffen (Gorilla, Schimpanse und Bonobo), vor allem durch den Erhalt der Lebensräume und den Schutz der Tiere vor Wilderern, müssen verstärkt werden. Parallel dazu sollte jetzt zusätzlich die Entwicklung eines Impfstoffes vorangetrieben werden. Denn Impfungen gegen das Ebola-Virus wurden bisher erfolgreich unter Laborbedingungen an Nagetieren und Makaken vorgenommen.

Ob diese Impfungen und vor allem auch wie sie an den frei lebenden Tieren durchgeführt werden können muss jetzt von Fachleuten intensiv geprüft werden. Sollten sie zu einem positiven Urteil kommen, müssen Strategien entwickelt werden, wie man beispielsweise durch Ringimpfungen einen erneuten Ausbruch von Ebola unter den wildlebenden Menschenaffenbeständen Zentralafrikas vorbeugen kann. Denn eine Umsetzung wäre nicht einfach: Allein der logistische Aufwand, ein Gebiet von der mehrfachen Größe Deutschlands und fehlender Infrastruktur zu durchkämmen, um die Menschenaffen zu impfen, wäre unvorstellbar groß.

Eines zeigen die wiederholten Ausbrüche der Ebola-Seuche jedoch schon jetzt: Der Naturschutz in Zukunft muss noch stärker mehrgleisig vorgehen. Bereits seit 2003 finanziert auch der WWF Forschungen zur Ausbreitung der Ebola-Seuche. WWF-Experten helfen zudem in Zentralfrika mit, Affenpopulationen zu überwachen, Wilderei zu verhindern, Holzeinschlag einzudämmen und durch Aufklärungsarbeit die heimische Bevölkerung vom Töten der Affen und deren Verzehr abzuhalten.

Die Gorillas im vom WWF Deutschland mitbetreuten Dzanga-Sangha-Schutzgebiet in der Zentralafrikanischen Republik gelten bislang als frei von Ebola. Mit der Unterstützung der WWF-Förderer wollen wir dort durch weiterhin strikte Überwachung verhindern, dass es zu illegalen Rodungen oder Jagd auf Wildtiere in großem Stil kommt und so auch dort ein Teufelskreis des Raubbaus beginnt.

Sie können dem Flachlandgorilla helfen!

3 Euro retten seine Welt >>