Roter Panda: Keine rosigen Aussichten für das „schönste Säugetier auf Erden“
WWF-Studie: In Sikkim leben zu wenige Tiere

- Roter Panda. © Peter Prokosch / WWF
Der WWF setzt sich seit 1999 für den überregionalen Schutz des Roten Pandas in der östlichen Himalajaregion in Nepal, Bhutan und Indien ein. 2005 wurde dieses Engagement auch auf den indischen Bundesstaat Sikkim ausgeweitet.
Obwohl Sikkim maximal nur zehn Prozent des potenziellen Roten Panda Lebensraums beherbergt, fungiert der indische Bundesstaat als ein wichtiger ökologischer Trittstein, der die Hauptverbreitungsgebiete des Katzenbären im indischen Bundesstaat Arunachal Pradesh sowie in Bhutan mit den Verbreitungsgebieten in Nepal verbindet.
Zahl und die Größe der Populationen des Roten Pandas in freier Wildbahn sind weitgehend unbekannt. Vor einigen Jahren hat daher der WWF in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Forst, Umwelt und Wildtiermanagement der Regierung von Sikkim eine Studie initiiert, um die Ansprüche dieser Art an ihren Lebensraum sowie ihr Vorkommen im indischen Bundesstaat Sikkim zu bestimmen. Finanziert wurden die Untersuchungen zum großen Teil vom Verband der Deutschen Zoodirektoren (VDZ).
Die aufwendigen Untersuchungen sind nun abgeschlossen. Demnach leben derzeit in Sikkim schätzungsweise 225 bis 378 fortpflanzungsfähige Rote Pandas. Dabei stünde in diesem indischen Bundesstaat, so das Ergebnis der Pandaforscher, mit rund 1.350 Quadratkilometern Fläche Lebensraum für rund doppelt so viele Tiere zur Verfügung.
Die große Abweichung zwischen potenziellem und tatsächlichem Lebensraum ist offensichtlich das Ergebnis menschlicher Eingriffe. Vor allem die Öffnung von Waldflächen für den landwirtschaftlichen Anbau, Überweidung sowie die steigende Nachfrage nach Feuerholz haben – nicht zuletzt wegen der steigenden Bevölkerungszahl – in einigen Gebieten bereits ihren Tribut gefordert und den Druck auf die restlichen Waldflächen erhöht. Die lückenhafte Umsetzung von Waldschutzgesetzen verschlimmert die Situation noch.
Weiteres Problem: Artenhandel
TRAFFIC, das gemeinsame Programm des WWF und der IUCN zur Analyse des Handels mit Arten und Ressourcen aus der Wildnis, untersuchte gleichzeitig die Handelsrouten und den Vollzug von Artenschutzbestimmungen im östlichen Himalaja. Seit der kürzlichen Wiedereröffnung von Handelsrouten nach China steht Sikkim im Rampenlicht des illegalen Handels mit bedrohten Arten. Vor allem seit Öffnung des Grenzpasses Nathu La für den Warenverkehr nach China am 6. Juli 2006 nimmt Sikkim aufgrund seiner Flaschenhalslage zwischen Nepal und Bhutan für die zentralen und östlichen Bundesstaaten Indiens die Funktion eines wirtschaftlichen Korridors ins Reich der Mitte ein.
Mehrere Wege zum Ziel
Die TRAFFIC-Experten empfehlen daher konzertierte Naturschutzmaßnahmen, um der weiteren Degradierung des Lebensraums der Katzenbären Einhalt zu gebieten und zugleich die Wirksamkeit des Artenschutzvollzugs zu verbessern. Darüber hinaus kann die internationale Zoo-Gemeinschaft durch Zuchtprogramme mithelfen, dem Rückgang der Wildbestände entgegenzuwirken. Der Zoo in Darjeeling zum Beispiel engagiert sich besonders im Bereich der Auswilderung von Roten Pandas. Dort leben etwa 20 Tiere, die seit 1994 regelmäßig Junge zur Welt bringen. Von diesen Nachzuchten wurden seit 2003 mehrfach Tiere in die freie Wildbahn entlassen. Eines der mit einem Sendehalsband freigelassenen Weibchen hat in der Wildnis bereits nachweislich Jungtiere zur Welt gebracht.
Ein konkreter Erfolg der WWF-Arbeit kann bereits vermeldet werden. Obwohl verboten, war bislang das Weiden von Nutzvieh im Wald in den Forstreservaten gängige Praxis. Die Rinder fraßen in den Gebirgslagen zwischen 1.500 und 4.000 Metern Höhe den Roten Pandas ihre Bambuspflanzen weg und verringerten so das Nahrungsangebot für die Katzenbären. Möglicherweise ist dies ein wesentlicher Grund dafür, dass der Katzenbär aus weiten Teilen seines Verbreitungsgebiets in Sikkim verschwunden ist. Inzwischen wird das offizielle Verbot der Waldweide von den Behörden durchgesetzt.
Die Entdeckungsgeschichte des Roten Pandas
Als Erstbeschreiber und Namensgeber des Roten Panda ist Frederic Cuvier in die Geschichte eingegangen. Cuvier gab dem „schönsten Säugetier auf Erden“, wie er es später nannte, den Namen Panda, vermutlich in Anlehnung an dessen Vorliebe für Bambus. Denn Panda wird vom nepalesischen Wort „ponya“ abgeleitet und bedeutet Bambusesser. Neben Bambus verzehrt der Rote Panda auch Wurzeln, Eicheln, Beeren, Früchte, Flechten und gelegentlich auch tierische Kost in Form von Kleinsäugern, Vogeleiern und Jungvögeln.
Als wissenschaftliche Bezeichnung für den Kleinen Panda wählte Cuvier Ailurus fulgens, was so viel bedeutet wie „Katze mit glänzendem Fell“. Sein chinesischer Name Hun-ho bedeutet im Deutschen „Feuerfuchs“. Er weist auf die vorwiegend glänzend rote Färbung des Tieres hin.
Lange Zeit blieben die verwandtschaftlichen Beziehungen des Roten Pandas unklar. Bis Ende des 20. Jahrhunderts sah man ihn aufgrund morphologischer Ähnlichkeiten als Schwesterart des Großen Pandas oder als Verwandten der Bären, der Kleinbären beziehungsweise der Marderartigen an. Inzwischen haben genetische Untersuchungen gezeigt, dass er der einzige Vertreter einer eigenen Familie, der so genannten Ailuridae (Katzenbären) ist.
Weitere Informationen
Projekt Roter Panda >>
Der Rote Panda im Arten A-Z >>
Im Zeichen des Roten Panda (Zeitschrift des Kölner Zoos 2010)

