
- © WWF-Canon / Martin HARVEY
Häufig gestellte Fragen zum Thema "Artenvielfalt"
- Was versteht man unter biologischer Vielfalt, Biodiversität und der Biodiversitätskonvention?
- Was ist eine Art?
- Wie viele Arten gibt es?
- Wo gibt es die meisten Arten?
- Welche sind die seltensten Arten der Erde?
- Wie viele Arten sind bedroht?
- Wie viele Arten sind bereits ausgestorben?
- Was sind die Ursachen des Artensterbens?
- Warum Artenschutz?
- Was ist ein Endemit / eine endemische Art
- Was sind Neophyten / Neozoen und Archäophyten / Archäozoen?
Was versteht man unter biologischer Vielfalt, Biodiversität und der Biodiversitätskonvention?
Milliarden Jahre der Evolution haben unserem Planeten eine Fülle von bizarren und unscheinbaren, großen und winzigen, aber in ihrer Erscheinung immer einmaligen Arten beschert. Das Spektrum reicht von Bakterien in den heißen Quellen Islands bis zu Röhrenwürmern an den Schwarzen Rauchern am Tiefseeboden, von der Kornrade im Ackerrandstreifen bis zum Riesen-Mammutbaum in Kalifornien, von der Hummel im Vorgarten bis zum Amurtiger in Russlands fernem Osten, vom Zaunkönig in unseren Wäldern bis hin zum Vogel Strauß in Afrika. Sehr einfach gebaute Organismen, wie die Blaualgen gehören ebenso dazu wie äußerst komplex strukturierte Lebewesen wie der Mensch.
Dieser Reichtum der Arten und ihrer Lebensräume sowie die genetische Variabilität innerhalb einer Art werden unter dem Begriff der biologischen Vielfalt oder Biodiversität zusammengefasst.
1992 wurde auf dem UN-Weltgipfel über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro die internationale Konvention zur Biodiversität (CBD) unterzeichnet. Die Konvention von Rio wurde in kürzester Zeit zu einer der bedeutendsten Umweltübereinkommen. Mit der CBD steht ein völkerrechtlich verbindliches Übereinkommen zur Verfügung, welches drei Hauptziele verfolgt:
1. Den Erhalt der Vielfalt von Tier- und Pflanzenarten, Lebensräumen und genetischer Diversität.
2. Die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen.
3. Die gerechte Aufteilung der sich aus der Nutzung natürlicher Ressourcen ergebenden Gewinne und Vorteile.
187 Staaten und die Europäische Gemeinschaft sind Vertragsparteien der CBD.
Was ist eine Art?
Unter einer Art versteht man im Allgemeinen eine Gruppe von Individuen, die sich durch äußere und innere Merkmale von anderen Gruppen unterscheidet. Unter dem Begriff „Art“ (wissenschaftlich: Spezies) werden diejenigen Individuen zusammengefasst, die sich untereinander fortpflanzen und fruchtbare Nachkommen hervorbringen können.
Ist eine Gruppe von Individuen räumlich von anderen Individuen derselben Art getrennt, fasst man die Individuen dieser Gruppe in einer "Population" zusammen. Den gesamten Lebensraum einer Art nennt man Verbreitungsgebiet.
Eine Unterart besteht aus verschiedenen lokalen Populationen oder Beständen, die nur einen Teil des Verbreitungsgebietes bewohnen und sich durch ihre Merkmale von anderen Populationen der Art unterscheiden. Der wissenschaftliche Name einer Art (traditionell meist lateinischen oder griechischen Ursprungs) setzt sich nach der so genannten binären Nomenklatur aus dem Gattungsnamen (großgeschrieben) und dem Artnamen (kleingeschrieben) zusammen. Die Art beziehungsweise Unterart bildet die Grundeinheit der Biosystematik (Stamm, Klasse, Ordnung, Familie, Gattung, Art).
Wie viele Arten gibt es?
Wissenschaftler schätzen, dass auf der Erde zwischen 10 und 100 Millionen Arten leben. Davon sind bisher aber nur etwa 2 Millionen Arten (BioFrankfurt 2006) wissenschaftlich beschrieben. Hinter dieser Zahl verbergen sich beispielsweise etwa 950.000 Insektenarten, 288.000 Pflanzenarten, 28.500 Fischarten, 9.900 Vogelarten, 8.160 Reptilienarten, 5.740 Amphibienarten und 5.400 Säugetierarten (IUCN 2004).
Kleine Lebewesen wie zum Beispiel Insekten machen dabei den größten Teil aus: Etwa zwei Drittel aller zurzeit bekannten Arten gehören zu der Gruppe der Gliedertiere (Arthropoda), der auch die Insekten angehören.
In Deutschland gibt es etwa 48.000 Tierarten, die Einzeller eingeschlossen. 706 Wirbeltierarten kommen in Deutschland regelmäßig vor, die meisten davon sind Vögel und Knochenfische. Nur noch 91 Säugetierarten sind in Deutschland heimisch (BfN 2004).
Wo gibt es die meisten Arten?
Manche Regionen der Erde weisen eine höhere Artenvielfalt auf als andere. Die Wissenschaft ist sich darüber einig, dass die meisten Arten – Schätzungen reichen von 50 bis 70 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten – in den tropischen Regenwäldern vorkommen. So wachsen dort allein über 50.000 verschiedene Baumarten. Auf einem einzigen Hektar Regenwald leben nach Schätzungen allein 60.000 verschiedene Insektenarten. In Panama fanden Wissenschaftler in den Kronen einer einzigen Baumart 1.200 verschiedene Käferarten.
Es besteht die Tendenz, dass die Zahl der Arten zum Äquator hin zunimmt: Je wärmer und feuchter das Klima, desto höher die Vielfalt. Das gilt nicht nur für Insekten, Bäume und Wirbeltiere, sondern auch für Meerestiere. Aber auch Korallenriffe, tropische Seen und Gebirgszüge sowie die Tiefsee weisen eine sehr große biologische Vielfalt auf.
Welche sind die seltensten Arten der Erde?
Die Bestandszahlen von Arten ändern sich schnell. Zu den derzeit seltensten Arten zählen beispielsweise:
Jangste-Delfin (weniger als 24 Individuen),
Mandrinette, eine Hibiskusart, die auf Mauritius vorkommt (46 Individuen),
Javanashorn (etwa 60 Individuen),
Eulenpapagei, auch Kakapo genannt (86 Individuen),
Iberischer Luchs (150 Individuen),
Sumatranashorn (weniger als 300 Individuen),
Mittelmeer-Mönchsrobbe (300 bis 400 Individuen) und
Großer Panda (1.600 Individuen).
Bei zahlreichen Unterarten gibt es ähnlich erschreckend kleine Bestandszahlen. Wie beispielsweise für das Nördliche Breitmaulnashorn (5 bis 10 Individuen), für den Südchinesischen Tiger (30 bis 80 Individuen), den Westpazifischen Grauwal (100 Individuen) und den Cross-River-Gorilla (200 Individuen).
Das einsamste Tier der Welt ist sicher „Lonesome George“ - der letzte Verbliebene einer Unterart der Galapagos-Riesenschildkröte (Stand 1/2006).
Wie viele Arten sind bedroht?
Viele Arten sind schon von Natur aus selten. Sie drohen daher rascher auszusterben als andere. Etwa weil sie groß sind und nur wenige Exemplare hervorbringen, weil sie womöglich nur in einem begrenztem Gebiet vorkommen oder weil sie sich nicht rasch fortpflanzen und Verluste nur langsam ausgleichen können. Man darf daher bei der Einschätzung des Gefährdungsstatus einer Art nicht nur zählen, man muss auch gewichten.
Die Rote Liste der Weltnaturschutzunion IUCN schätzt über Expertenworkshops die Gefährdung der Arten ein und ermittelt dabei regelmäßig die so genannte Aussterbewahrscheinlichkeit in einem zukünftigen Zeitabschnitt. Der letzten Roten Liste der IUCN (2006) zufolge sind weltweit 16.119 Arten gefährdet. Dies entspricht zwar 0,8 Prozent aller bereits beschriebenen Arten (etwa zwei Millionen), jedoch wurden bisher auch erst drei Prozent aller beschriebenen Arten nach den neuesten Kriterien der IUCN bewertet (siehe Rote Liste der IUCN:
www.redlist.org).
Nur bei Säugetieren, Vögeln und Amphibien wurden bisher nahezu alle bekannten Arten bewertet. Von den untersuchten Arten sind danach beispielsweise eine von drei Amphibienarten, ein Viertel aller Säugetier- und Nadelbaumarten sowie jede achte Vogelart gefährdet.
In der aktuellen Roten Liste der gefährdeten Tiere Deutschlands sind mehr als 16.000 der ehemals 48.000 heimischen Tierarten hinsichtlich ihrer Gefährdung bewertet worden. Im Vergleich zu zurückliegenden Bestandslisten gelten davon heute beispielsweise 520 Arten als ausgestorben oder verschollen. Des Weiteren sind 5.711 Arten in ihrem heutigen Bestand gefährdet. Für einen Großteil der heimischen Tierarten liegt jedoch eine unzureichende Datengrundlage vor, oder sie gelten als ungefährdet (BfN 1998).
In der „Roten Liste der gefährdeten Pflanzen Deutschlands“ (BfN 1996) wurden 13.907 Pflanzenarten auf ihre Gefährdung hin untersucht und 3.990 Arten als gefährdet eingestuft; 512 Arten konnten in ihrem ehemaligen Verbreitungsgebiet nicht wieder lokalisiert werden und gelten als ausgestorben.
Wie viele Arten sind bereits ausgestorben?
In den vergangenen 600 Millionen Jahren fanden auf der Erde mindestens fünfmal so genannte „Massensterben“ von Tier- und Pflanzenarten statt – zuletzt vor etwa 65 Millionen Jahren mit dem Aussterben der Dinosaurier.
Vielfalt wächst nicht von heute auf morgen nach! Die Evolution bringt jedes Jahr allenfalls ein Dutzend neue Arten hervor und so dauerte es mehr als zehn Millionen Jahre, bis sich die Artenzahl von einem Massensterben erholt hatte.
Das Massensterben der Neuzeit unterscheidet sich gravierend von dem vorangegangener Katastrophen: Zum ersten Mal hat eine einzelne Art, der Mensch, das Potenzial entwickelt, den größten Teil der übrigen Arten in kurzer Zeit zu vernichten.
Zwischen den Jahren 1600 und 1700 lag die Aussterberate für Vögel und Säugetiere bei einer Art pro Jahrzehnt, zwischen 1850 und 1950 hatte sie eine Art pro Jahr erreicht. Neueste Erhebungen gehen davon aus, dass die derzeitige Aussterberate von 3 bis 130 Arten pro Tag um den Faktor 100 bis 1.000 über dem natürlichen Prozess der Evolution liegt.
Die Rote Liste der IUCN (2006) unterscheidet zwischen solche Arten, die komplett ausgestorben sind, und solchen, die in der Wildnis ausgestorben sind und noch in Zoos oder botanischen Gärten existieren. Seit dem 16. Jahrhundert sind über 800 Aussterbefälle dokumentiert: 784 komplett ausgestorbene Arten und 65 in der Wildnis ausgestorbene Arten. Allein in den letzten 20 Jahren wurden 27 ausgestorbene und in der Wildnis ausgestorbene Arten registriert. Diese Zahlen sind zweifellos in Wirklichkeit viel höher, da in historischer Zeit die Mehrzahl der Arten nicht beschrieben waren, die meisten beschriebenen Arten nicht erfasst wurden und der Nachweis für das tatsächliche Aussterben einer Art in der Wildnis mehrere Jahrzehnte dauern kann.
Bis Mitte des 20. Jahrhunderts waren vorwiegend Arten auf Inseln gefährdet - gewöhnlich, weil menschliche Siedler fremde Arten einschleppten. Beispielsweise verschwanden 45 von 86 Landvogelarten nach Ankunft der Polynesier um 300 n. Chr. auf Hawaii. Nachdem die ersten Weißen die Inseln erreichten starben weitere elf Arten aus.
In Deutschland gelten 520 Tierarten, darunter 12 Säugetierarten sowie 512 Pflanzen und Pilze, als ausgestorben oder verschollen (BfN 1996, 1998). Zu den weltweit ausgestorbenen Arten zählen beispielsweise:
Dronte oder Dodo (Mauritius †17. Jahrhundert),
Auerochse oder Ur (Europa und Asien, †1627),
Stellersche Seekuh (Russland und Alaska, †1770),
Riesenalk (Nordatlantik †1850),
Tasmanischer Beutelwolf (Tasmanien †1936),
Bali-Tiger (Bali/Indonesien †1939) und
St. Helena-Olive (St. Helena † 2003).
Die Szaferi-Birke (Polen † 1970) ist ein Beispiel für eine in der Wildnis ausgestorbene Pflanzenart.
Was sind die Ursachen des Artensterbens?
Die Lebensraumzerstörung zählt zu den Hauptursachen des weltweiten Artensterbens. Das rasche Bevölkerungswachstum bedingt, dass immer mehr Land für Ackerbau, Aquakultur und Viehzucht benötigt wird und damit der Wildnis verloren geht. Menschen vernichten, überdüngen oder verschmutzen weltweit immer mehr Lebensräume von Tieren und Pflanzen. So hat beispielsweise der massive Einsatz von Pestiziden schon manche See- und Greifvögelbestände, die an der Spitze der Nahrungs- und damit auch der Giftkette stehen, beinahe ausgerottet.
Monokulturen wie Mais, Ölpalmen, Zuckerrohr, Soja, Weizen oder Fichten bedecken viele ursprünglich wertvolle Landschaften großflächig und lassen wenig Platz für Artenvielfalt. Die Zerschneidung von Lebensräumen durch Verkehrswege oder Siedlungen resultiert zudem in einer stetig steigenden Zahl an Wanderungsbarrieren. Dies führt zur Isolation von Tierbeständen. Die Folgen sind oftmals geringe Bestandsgrößen, die einer erhöhten Aussterbewahrscheinlichkeit unterliegen.
Als zweitgrößte Bedrohung der Arten gilt die Übernutzung von wildlebenden Tieren und Pflanzen. So werden beispielsweise die Weltmeere überfischt, Heilpflanzen und Tropenhölzer übernutzt und bereits selten gewordene Großkatzen für ihr schönes Fell weiter gewildert. Häufig werden Arten oder deren Produkte national und international illegal gehandelt - ein Milliardengeschäft. Auch der Beifang stellt für viele Meereslebewesen ein ernsthaftes Problem dar.
Ein weiterer Grund für den Verlust der Artenvielfalt ist das Einbringen gebietsfremder Tiere und Pflanzen, die eine ursprüngliche Artengemeinschaft im schlimmsten Fall völlig verdrängen können. So hat beispielsweise die auf die Pazifikinsel Guam eingeschleppte Braune Nachtbaumnatter in nur 40 Jahren über zehn Vogelarten und viele Kleintiere ausgerottet. Der in den Victoriasee eingesetzte Nilbarsch ist für das Verschwinden von 200, nur dort vorkommenden (= endemischen) Buntbarsch-Arten verantwortlich.
Auch die Klimaveränderung zeichnet sich immer deutlicher als Ursache oder Beschleuniger für das Verschwinden bestimmter Arten ab. Besonders betroffen sind Tier- und Pflanzenarten, deren Vorkommen auf Inseln oder Gebirgszüge beschränkt ist, so dass sie keine Ausweichmöglichkeiten haben.
Warum Artenschutz?
Das Aussterben einer Art ist unumkehrbar. Mit jeder ausgestorbenen Art wird unsere Welt ärmer an Formen, Farben, Geräuschen und Genen.
Das Aussterben schafft zudem unkalkulierbare Risiken. Der Verlust von Arten hat Auswirkung auf die Ökosysteme mit Folgeerscheinungen, wie beispielsweise das Aussterben anderer Arten oder Überpopulationen, welche das Ökosystem weiter aus dem Gleichgewicht bringen können.
Tiere und Pflanzen, die heute noch für den Menschen bedeutungslos erscheinen, haben vielleicht ein genetisches Potenzial für eine zukünftige Nutzung, etwa für die Herstellung von Medikamenten. Erholung und Tourismus wären ohne eine „lebendige Natur“ kaum vorstellbar. Die Umweltleistungen von Pflanzen und Tieren sind gigantisch, und bislang noch in keinem „Haushaltsbudget“ registriert. Die photosynthetische Leistung der Pflanzen, ihre Klimaregulationsfunktion, die Speicherung von Kohlendioxid durch Wälder, Moore und Meere, die Wasserspeicherung von Wäldern, die Bestäubung von Obstbäumen durch Insekten, die natürliche Schädlingsbekämpfung, die Zersetzung toter Tiere und Pflanzen durch Mikroorganismen im Boden, die Selbstreinigung von Fließgewässern sowie die Lieferung von nachwachsenden Rohstoffen wie Holz, Medizinalpflanzen und Fisch wären ökonomisch gesehen unbezahlbar.
Seit den 1980er Jahren setzt der Naturschutz zunehmend auf die Unterschutzstellung wertvoller Lebensräume. Dennoch bleibt die Betrachtung der Art als Indikator für die Schutzwürdigkeit einer Fläche enorm wichtig. Mit der FFH-Richtlinie baut sogar ein ganzes Gesetz in der EU auf dem gezielten Schutz bestimmter Arten auf.
Doch dieses Prinzip hat seine Grenzen: Allein in Afrika südlich der Sahara stieg die Anzahl der Schutzgebiete in den vergangenen 35 Jahren um fast ein Drittel auf gegenwärtig 4.297 (World Commission on Protected Areas 2006). Im selben Zeitraum hat sich die in dieser Region unter Schutz gestellte Fläche annähernd verdoppelt und entspricht mit 2,27 Millionen Quadratkilometern etwa 14,7 Prozent des gesamten Hoheitsgebietes der Staaten in West-, Zentral-, Ost- und südlichem Afrika. Dies hört sich zunächst wie eine Erfolgsgeschichte des Naturschutzes an. Doch liegen Schutzgebiete mehr und mehr wie Inseln in einem Meer von Kulturlandschaften.
Das jährliche Bevölkerungswachstum Afrikas von durchschnittlich 2,8 Prozent treibt die Intensivierung der menschlichen Aktivitäten in den ländlichen Gebieten voran. Immer weiter dringen landwirtschaftlich genutzte Flächen in die verbleibenden Naturräume außerhalb der Schutzgebiete vor. Die Eindämmung bestimmter Gefährdungsphänomene wie das „silent forest syndrom“ braucht Methoden des modernen Artenschutzes. Vom „silent forest syndrom“ spricht man, wenn in einem mehr oder weniger intakten, eventuell sogar geschützten Wald keine Tierstimmen oder Geräusche mehr zu hören sind, weil alle Frösche, Reptilien, Vögel und Säugetiere hier entweder gefangen oder gejagt wurden. Solche Fälle gibt es in allen Tropenwaldregionen der Welt.
Die Kontrolle der Übernutzung und des Handels von Tier- und Pflanzenarten, der Erhalt wichtiger Arten außerhalb von Schutzgebieten, die Reduktion von Mensch-Wildtierkonflikten - all diese Aufgaben können durch den Flächenschutz allein nicht gelöst werden. Deshalb arbeiten Artenschützer heute gleichermaßen an Schutzinstrumenten für kritisch bedrohte Arten, an Konzepten für die nachhaltige Nutzung ausgewählter Arten und an Akzeptanz schaffenden Maßnahmen bei der Lokalbevölkerung für den Artenschutz. Ziel des Artenschutzes und damit auch des WWF ist die Erhaltung wildlebender Arten in ihren natürlichren Lebensräumen auf der Basis natürlicher Lebensbedingungen.
Was ist ein Endemit / eine endemische Art?
Darunter versteht man eine Art, die ausschließlich in einem oft eng begrenzten Gebiet heimisch ist. Endemische Arten kommen hauptsächlich auf marinen Inseln, in isolierten Süßwasserseen, in Hochgebirgen, in alten und vor allem tropischen Waldgebieten und in der Tiefsee vor. Beispielsweise sind 80 Prozent der Arten des Baikalsees, des weltweit ältesten und tiefsten Sees, endemisch. Der Große Panda wiederum gilt beispielsweise heute als für China endemisch, da er nur noch in China vorkommt.
Deutschlandweit konnten sich im Gegensatz zu südeuropäischen und tropischen Ländern nur wenige endemische Arten entwickeln. Die Schwäbische Grasschnecke (Vallonia suevica), die Rhön-Quellschnecke (Bythinella compressa), der Allgäu-Frauenmantel (Alchemilla cleistophylla) und der Schirlings-Wasserfenchel (Oenanthe conioides) sind Beispiele für Arten, deren Verbreitungsgebiet nur auf Deutschland beschränkt ist. Die Harzer Alpenspitzmaus (Sorex alpinus harzynicus), der Elbebiber (Castor fiber albicus), der Moselappollofalter (Parnassius apollo vinningensis), das Deutsche Federgras (Stipa borythenica germanica) und das Zierliches Brillenschöttchen (Biscutella laevigata gracilis) sind Unterarten, die ebenfalls nur in Deutschland beheimatet sind.
Was sind Neophyten / Neozoen und Archäophyten / Archäozoen?
Im Gegensatz zu den einheimischen, von Natur aus bei uns vorkommenden Arten sind gebietsfremde Arten erst durch den Einfluss des Menschen bei uns eingewandert. Dies kann beabsichtigt oder unbeabsichtigt erfolgt sein oder immer noch erfolgen. Handel und Verkehr spielen für die Einschleppung gebietsfremder Arten eine so wichtige Rolle, dass die Entdeckung Amerikas 1492 als Datum zur Unterscheidung in heimische und gebietsfremde Arten festgelegt wurde.
Die vor 1492, beispielsweise durch die Römer in der Antike nach Deutschland gekommenen Tierarten, bezeichnet man als Archäozoen und die Pflanzenarten als Archäophyten. Zu den in Deutschland vorkommenden Archäophyten zählen zum Beispiel die Grosse Klette, Wermut, Beinwell und die Garten Wolfsmilch.
Die nach der Zeitgrenze von 1492 eingewanderten Tier- bzw. Pflanzenarten werden als Neozoen und Neophyten bezeichnet. In Deutschland haben sich 383 Neophyten und 205 Neozoen fest etabliert. Die Anzahl der unbeständig vorkommenden gebietsfremden Arten ist weitaus höher.
Bei den fest etablierten gebietsfremden Arten wird noch zwischen invasiv und nicht invasiv unterschieden - je nachdem, ob unerwünschte Auswirkungen, wie das Verdrängen anderer Arten oder massenhafte Ausbreitung, von der Art verursacht werden. Zu den in Deutschland etablierten Neophyten zählen der Japanische Staudenknöterich, die Robinie und der Riesen-Bärenklau und zu den Neozoen Waschbär, Bisam und Amerikanischer Nerz.
Zu den in Deutschland etablierten invasiven Arten – und damit Problemarten – zählen beispielsweise: Schnappschildkröte, Signalkrebs, Zebramuschel und Amerikanischer Nerz. Diese aus Nordamerika eingeführte Art ist beispielsweise in der Ukraine, im Baltikum und auch in Deutschland mitverantwortlich für den Rückgang des Europäischen Nerzes.

