Erst stirbt der Pilz, dann der Wald
Warum Pilze immer seltener werden – und was wir dagegen tun können

- Fliegenpilz (Amanita muscaria). © www.pilzepilze.de
Vom Maronenröhrling bis zum Eulenauge: Allein rund ein Drittel der 4.385 Arten von Großpilzen in Deutschland steht auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.
In Europa grassiert ein Pilzsterben, das wenig beachtet wird. Im Saarland zum Beispiel gelten 50 Prozent der Makrofungi als gefährdet, 13 Prozent sind schon völlig verschwunden.
Dafür gibt es fünf Hauptursachen:
- Die Luftverschmutzung, vor allem der saure Regen. Pilze sind empfindlich gegen Übersäuerung des Bodens durch Schwefel- und Salpetersäure und einem Übermaß an Nährstoffen, besonders Stickstoff. Beides entstammt vor allem Kraftwerken und Kraftfahrzeugen.
- Die großräumige Vernichtung von Lebensräumen. Wo zum Beispiel ganzen Landschaften das Wasser abgegraben wurde, können sich auch keine Feuchtigkeit liebende Pilzgemeinschaften am Leben halten.
- Das „Aufräumen“ der Forste. Um vermeintlichen Schädlingen den Nährboden zu entziehen, wurden bis vor kurzem Baumstümpfe ausgegraben oder abgestorbene Baumstämme abtransportiert – und damit Pilzen ein wichtiger Nährboden entzogen. In monotonen Wirtschaftswäldern mit oft standortfremden Bäumen fehlen zudem oft die geeigneten Wirtspflanzen.
- Der Treibhauseffekt. Er begünstigt wenige Wärme liebende Arten wie den Knollenblätterpilz und benachteiligt viele Liebhaber kühlerer Witterung wie Pfifferling oder Grünling.
- Die Gier der Gourmets. Jeden Herbst sammeln Heerscharen von Sammlern zu viele seltene Pilze. Dabei werden zudem viele Pilze unsachgemäß herausgerissen.
Wie kann man das Pilzsterben stoppen?
Zum einen muss die Luftverschmutzung weiter deutlich verringert werden. Zum weiten muss die europäische Landwirtschaft noch großflächiger weg vom chemischen Boden-Doping und hin zu einer Ressourcen schonenden Anbauweise. Und zu guter Letzt müssen wir alle, die wir jetzt im Herbst gerne „in die Schwammerl“ gehen, ein paar Regeln beachten:
- Beim Sammeln auf die seltenen, edlen Exemplare wie zum Beispiel Goldröhrling oder Steinpilz bewusst verzichten und eher zu den noch häufigen Arten wie Butter- oder Parasolpilz greifen.
- Die Pilze nicht herausreißen, sondern sanft aus dem Boden drehen oder sauber abschneiden.
- Öfters zu Zuchtpilzen greifen, um die Wildbestände zu schonen.

