Liebe Leserinnen und Leser,

Ihnen schimmert eine selten gewordene Vokabel im Titel unseres aktuellen Living Planet Reports entgegen: Hoffnung! Ja, und vorab: Die gibt es! Auch wenn uns die Wissenschaft in der vorliegenden 16. Ausgabe des Berichts, wie schon seit Jahrzehnten, mit Daten konfrontiert, die einen weiteren Schwund des Lebendigen vermelden. Wie aber lässt sich Hoffnung schöpfen, wenn die Krise real ist?

Hoffnung ist eine transformative Kraft. Sie hilft, scheinbar Unmögliches möglich zu machen. Doch Hoffnung will begründet sein. Wir halten uns an das Machbare und schauen genau hin, damit wir das Gesamtbild, das uns der Living Planet Index (LPI) vor Augen führt, nicht in den Details verlieren.

Kathrin Samson und Heike Vesper © Kathrin Tschirner/WWF

Dann zeigt sich, dass etwa die Hälfte der Tierbestände, die der LPI erfasst, stabil sind oder zunehmen. Schauen wir noch genauer hin, sehen wir, dass überall dort, wo Menschen sich für die Natur einsetzen, die Tierwelt zurückkommt. Das heißt: Der fortwährende Schwund von Biodiversität, den es gibt und der auch hier wieder festgestellt werden muss, ist nicht unveränderlich. Positiver Wandel ist möglich, wenn Menschen gemeinsam und mit Überzeugung daran arbeiten!

Es fehlt nicht an Wissen über den Zustand des Lebendigen. Es fehlt nicht einmal an Vereinbarungen. Denn über die vordringlichsten Ziele herrscht weitgehend Einvernehmen. Es fehlt bei den Verantwortlichen an Entschlossenheit zum Handeln. Wobei selbst das Handlungsprogramm bekannt ist. Es heißt Transformation: Transformation der Energieerzeugung, der Nahrungsmittelproduktion und des Finanzsystems. Es geht also darum, welche Branchen wir fördern, welche Aktivitäten wir finanzieren und welche wir vernachlässigen. Alle drei Systeme tragen auf verschiedene Weise, aber mehr als andere, zum Naturverlust bei. Das darf so nicht bleiben. Denn wir riskieren das, was wir zum Leben brauchen, das was wirklich wichtig ist. Im Übrigen gefährden wir mit dem Verlust biologischer Vielfalt auch wirtschaftliche Stabilität und gesellschaftlichen Wohlstand.

Aber auch in den genannten Systemen finden wir Zeichen, die Hoffnung machen. Gesunde, nachhaltig erzeugte Lebensmittel werden zum Mainstream. Und auf immer mehr Dächern glänzen die Solarpanels im Sonnenlicht. An Land und auf See drehen sich die Windräder, um uns mit sauberem Strom zu versorgen. Das Hoffnungsvolle ist also in Bewegung.

Aus Sicht von 2026 ist Halbzeit. 2022 verständigten sich fast alle Länder der Erde darauf, den Verlust biologischer Vielfalt bis 2030 zu stoppen und umzukehren. Es besteht Einvernehmen über das Ziel, die Transformation kritischer Systeme voranzutreiben. Trotzdem geht es nicht voran wie geplant. Manche Länder bewegen sich zurück statt voran. Kurzum: Die Staatengemeinschaft muss retour in die Spur.

Dürfen wir trotzdem für die verbleibenden vier Jahre auf einen Kurswechsel hoffen? Vielleicht ist es ja so, dass es weder an Zeichen noch an Gründen zur Hoffnung fehlt, aber an Menschen, die sie erkennen. Denen will unser Bericht mit ermutigenden Argumenten beim Finden helfen.

Kathrin Samson, Vorstand Naturschutz und Heike Vesper, Vorstand Transformation Politik & Wirtschaft

Biodiversität – warum sie unverzichtbar ist

Unsere Erde beherbergt eine unvorstellbare Vielfalt an Lebewesen, die auf komplexe Weise miteinander und mit ihrer Umwelt verbunden sind. Dieses an Lebensformen und Beziehungen so reiche Spektrum des Lebendigen bezeichnen wir als Biodiversität.

Wie jede andere Spezies sind wir auf die Biodiversität, wie überhaupt auf die Natur, angewiesen. Sie versorgt uns mit Nahrung, Wasser und sauberer Luft. In ihr zirkulieren Nährstoffe, die wir brauchen. Sie reguliert unser Klima, schützt die Küsten vor Stürmen und Fluten und sichert uns Nahrung durch Bodenfruchtbarkeit und Bestäubung. Sie ist die Basis unseres ökonomischen Wohlstands. Deswegen und aus vielerlei Gründen mehr ist sie für uns existenziell und so schützenswert.

Grafik mit Aspekten der biologischen Vielfalt
Aspekte der biologischen Vielfalt © WWF
  • verschiedenste Fische schwimmen um ein Korallenriff Online-Kurs über Biodiversität

    Für alle, die gern tiefer in das komplexe und spannende Thema Biodiversität eintauchen möchten, hat der WWF einen kostenlosen, interaktiven Online-Kurs erstellt. Zur WWF Akademie

Was der Living Planet Index ist

Der Living Planet Index (LPI) zeigt, wie sich die Wirbeltierbestände von Säugetieren, Vögeln, Fischen, Amphibien und Reptilien im Laufe der Zeit verändern. In die Auswertung 2026 wurden mehr Daten einbezogen denn je: 35.803 Tierbestände von 5.790 Wirbeltierarten. Das stärkt die Aussagekraft.

Diese Populationen können viele Tausend Tiere umfassen oder nur wenige Individuen. In die Berechnung fließt die relative Häufigkeit dieser Populationen und nicht ihre absolute Größe ein. Somit können wir die Daten verschiedener Populationen vergleichen, sie zu einem Index zusammenfassen und Aussagen zu einem weltweiten Gesamtbild und für einzelne Regionen treffen. Die zeitaufwendige Erfassung der vielen Tierbestände hat allerdings zur Folge, dass der Index den Zustand von vor vier Jahren widerspiegelt.

Was uns der Living Planet Index 2026 zeigt

Das neue Ergebnis: Der globale Index 2026 zeigt einen Gesamtrückgang der erfassten Wildtierpopulationen von durchschnittlich 73 Prozent zwischen 1970 und 2022 (Bereich -78 Prozent bis -67 Prozent). Das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Abnahme von 2,5 Prozent.

Die Bestandszahlen sind unverändert negativ. Dies bedeutet aber nicht, dass es heute 73 Prozent weniger Wildtiere gibt als 1970. Warum? Veränderungen von kleinen Populationen werden mit Veränderungen in großen Populationen mit Tausenden von Tieren gemittelt. Das bedeutet auch nicht, dass 73 Prozent der Arten oder Populationen verschwunden sind. Es ist vielmehr so, dass 50 Prozent der Populationen im LPI einem negativen Trend unterliegen, während die übrigen Populationen stabil sind oder wachsen. Bei der Berechnung eines weltweiten Durchschnitts werden diese Zunahmen durch vermehrte Verluste aufgewogen.

Der globale Living Planet Index

Der globale Living Planet Index des WWF zeigt für den Zeitraum von 1970 bis 2022 einen Rückgang um 73 Prozent
Der globale Living Planet Index des WWF zeigt für den Zeitraum von 1970 bis 2022 einen Rückgang um 73 Prozent © WWF

Artenrettung – Geschichten, die Hoffnung machen

Der Living Planet Index als ein Spiegel des Zustands weltweiter Biodiversität spricht eine klare Sprache und kann zugleich nicht die ganze Geschichte erzählen. Denn das große Ganze seiner Betrachtungen überstrahlt unzählige Einzelschicksale. Sie sind Ergebnis von Anstrengungen, die geglückt sind, die Hoffnung machen und die es wert sind, genau gelesen zu werden. Aus ihnen lernen wir, was zur Rettung unserer biologischen Vielfalt notwendig ist.

Eurasischer Luchs mit Nachwuchs
Eurasischer Luchs mit Nachwuchs © Mauritius Images/Reiner Bernhardt

Eine Geschichte der Hoffnung aus Deutschland: Eurasischer Luchs

Der Eurasische Luchs ist die größte in Europa heimische Katzenart. Nachdem er zu Beginn des 20. Jahrhunderts in weiten Teilen Mitteleuropas ausgerottet war, streifen heute wieder schätzungsweise 130 bis 180 Tiere durch deutsche Wälder. Ihre Bestände leben jedoch weit voneinander entfernt. Damit sich die Tiere genetisch austauschen und so dauerhaft überlebensfähige Populationen entstehen, engagiert sich der WWF in mehreren Bundesländern bei der Vergrößerung der Luchsbestände.

Ein Schwerpunkt ist das Projekt „Luchs Thüringen – Europas Luchse vernetzen“. Seit 2024 Luchse wurden dazu Luchse im Thüringer Wald ausgewildert. Gemeinsam mit Partnern wie dem BUND Thüringen und ThüringenForst will der WWF eine stabile Luchspopulation in Mitteldeutschland etablieren und bestehende Vorkommen besser miteinander verbinden.

Im Projekt „Luchs Baden-Württemberg“ wurden seit 2024 Luchse im Schwarzwald ausgewildert. Aktuell sind dort elf Luchse bekannt. Die Auswilderungen und die natürliche Zuwanderung fördern den genetischen Austausch und erhöhen die Chance auf eine genetisch vielfältige und sich dauerhaft selbst vermehrende Population im Südwesten Deutschlands.

Der Einsatz lohnt sich: In beiden Projekten hat sich bereits Nachwuchs eingestellt.

Hoffnung, ein mächtiger Motor für Veränderungen

Wie aus Hoffnung Handeln wird
Hoffnung ist mehr als ein Gefühl. Sie wird zu einem kollektiven Prozess, der transformativen Wandel voranbringt, wenn Ziele, Handlungsfähigkeit und Wege zusammenkommen. Resilienz gibt die Kraft, weiterzumachen, wenn Hindernisse das Vorankommen erschweren.

Etwa die Hälfte der Tierbestände, die für den Living Planet Index (LPI) erfasst werden, ist stabil oder nimmt zu. Diese Feststellung ist wichtig, denn sie zeigt, dass sich der Rückgang umkehren lässt. Die Beispiele erfolgreicher Artenschutzmaßnahmen beweisen, was unser Wille und das Vertrauen in unsere Möglichkeiten verändern können.

Genauso richtig ist, dass Prozesse zur Artenrettung oft Jahrzehnte dauern. Richtig ist auch, dass sie einen langen Atem erfordern und zuversichtliches Festhalten an Zielen bei aller Ungewissheit, ob die Mühen lohnen. Und natürlich gibt es sie: die Rückschläge, Mittelkürzungen und Phasen, in denen nichts spürbar vorangeht.

Was dann hilft, sind

  • klare Ziele, die sich auf gemeinsame Werte und Überzeugungen stützen,
  • durchdachte, realistische Pläne für den Weg zum Ziel, die offen sind für Anpassungen, sobald neue Erkenntnisse vorliegen,
  • ein robuster Handlungswille aller beteiligten Akteur:innen sowie eine Zähigkeit, die auch Widerständen trotzt.

Aus diesen Eigenschaften und Komponenten im Vertrauen auf die Zukunft erwächst das, was wir Hoffnung nennen.

Hoffnung entsteht durch gemeinsames Handeln ...

Wenn engagierte Akteur:innen, lokale Gemeinschaften und Verantwortliche aus verschiedenen Bereichen und Regierungen über Grenzen hinaus zusammenarbeiten, dann wird Hoffnung kollektiv. Die dargestellten Artenschicksale stehen dafür beispielhaft. Was bei Ihnen geglückt ist, macht anderen Mut und versorgt Engagement mit Energie.

... und gerechte Teilhabe

Seniorin mit Kind sind Stirn an Stirn zugewandt und schauen sich dabei an.
Von gerechter Teilhabe hängt die Zukunft der nächsten Generation ab © poco bw / iStock / Getty Images

Die Menschen, die am stärksten unter dem Verlust der Natur zu leiden haben, sind oft auch diejenigen, die am stärksten von den Maßnahmen zur Bewältigung der Verluste betroffen sind: Kleinbäuer:innen, Fischer:innen, Arbeitnehmer:innen in Branchen, die sich umstellen müssen, einkommensschwache Haushalte sowie indigene Völker und lokale Gemeinschaften, die viele der artenreichsten Landflächen und Meeresgebiete der Welt bewirtschaften.

Von all diesen Gruppen und Akteur:innen hängt es ab, ob Veränderungsprozesse funktionieren und in eine positive Richtung gehen. Dann kann Hoffnung keimen.

Erkenntnisse aus aller Welt zeigen: Viele Naturschutzmaßnahmen sind dann erfolgreicher, wenn indigene Völker und lokale Gemeinschaften über die von ihnen bewirtschafteten Landflächen und Meeresgebiete hoheitlich verfügen. So geht deutlich weniger Wald in von indigenen Völkern verwalteten Gebieten verloren. Fischbestände erholen sich schneller, wenn lokale Fischergemeinden an der Gestaltung und Durchsetzung von Schutzmaßnahmen mitwirken. Wenn die ortsansässigen Bewohner:innen an der Entscheidungsfindung teilhaben und in die Umsetzung einbezogen werden, sind die Ergebnisse in der Regel dauerhafter und erfolgversprechender.

Wo wir ansetzen müssen

Ein Monarch Schmetterling und eine Raupe befinden sich vertikal an einem Grashalm
Unsere Wirtschaft braucht eine tiefgreifende Verwandlung © Darkdiamond67/iStock/Getty Images

Hoffnung und gemeinsamer Einsatz: Aus diesem Bündnis, mit dem die Artenrettung gelingt, können wir genauso die Systeme verändern, die einen Großteil der Schäden an der biologischen Vielfalt zu verantworten haben. Hier muss die Transformation ansetzen.

Das erste System, den dem der Wandel vollzogen werden muss, ist die Art und Weise, wie Energie erzeugt und genutzt wird. Die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas zur Versorgung von Haushalten, Verkehr und Industrie verursacht etwa drei Viertel der Treibhausgasemissionen, die unsere Erde weiter erwärmen. Ein Faktor, der mittlerweile in jedem Ökosystem der Erde zum Verlust der Artenvielfalt führt und die Tierbestände schrumpfen lässt.

Das zweite ist die Art und Weise, wie wir Nahrungsmittel produzieren. Land- und Fischereiwirtschaft sind zusammen die größten Einzelverursacher für den Verlust und Schäden an Lebensräumen vieler Tier- und Pflanzenarten. Sie sind eminente Quellen von Treibhausgasemissionen und folgenreiche Faktoren ernährungsbedingter Krankheiten. Diese Wirtschaftsweisen sind für den größen Teil des Desasters verantwortlich.

Das dritte System ist das der Finanzwirtschaft. Deren Verantwortliche entscheiden darüber, wohin Investitionen fließen und wohin nicht, welche Branchen wachsen und welche schrumpfen. 2023 flossen rund 7,3 Billionen US-Dollar in Aktivitäten, die der Natur schaden. Lediglich 220 Milliarden US-Dollar kamen Maßnahmen zum Schutz oder zur Wiederherstellung der Natur zugute. Mit diesem Missverhältnis forciert die Finanzwirtschaft fortwährenden Biodiversitätsverlust.

Vor einem roten Sonnenuntergang fliegt ein Starenschwarm in einer Formation über eine Wasseroberfläche
Gemeinsam in Bewegung © Wirestock / iStock / Getty Images

Transformation – Was ist das eigentlich?

Transformation ist ein Ausdruck positiver Veränderung – und unvermeidlich, wenn wir die Krisen überwinden wollen, unter denen der Schwund biologischer Vielfalt nur eine ist. Wie die Erderhitzung ist der Biodiversitätsverlust Symptom eines überforderten Planeten; einer Erde, die auch unter dem Druck maßloser Ressourcennachfrage an ihre Belastungsgrenzen stößt. Weil das so ist, müssen wir die Art und Weise, wie wir leben, konsumieren und produzieren, dem Vermögen der Erde anpassen. Dafür hat der WWF den Begriff Nachhaltigkeitstransformation geprägt. Sie wird dort vollzogen, wo sich Geschäftsmodelle auch anhand sozialer und ökologischer Kriterien als erfolgreich erweisen. Wo der Kapitaleinsatz den Nachhaltigkeitszielen verpflichtet ist und wo Politik den Schutz von Naturschätzen in ihre Wohlstandsversprechen einbezieht. Und mehr noch: Wir alle vollziehen die Nachhaltigkeitstransformation mit unserem Lebensstil. Betrachten wir sie daher als das Versprechen einer lebenswerten Zukunft auf einem gesunden Planeten.

Von der Hoffnung zur Transformation

Die drei Hauptphasen transformativer Prozesse
Auf einer S-Kurve durchläuft die Transformation drei Phasen: die Aktivierungs-, Beschleunigungs- und Stabilisierungsphase. Wenn fördernde Maßnahmen in einem Wandlungsprozess überwiegen, kommt es zu einem positiven Wendepunkt und die Transformation geht in die Beschleunigungsphase.

Worauf darf sich Hoffnung stützen, wenn es darum geht, die drei Systeme zu überwinden, um einen weiteren Verlust von Tieren und Pflanzen abzuwenden? Wie kommen wir von der Hoffnung in die Bewegung und auf den Weg zur Transformation, damit die Biodiversitätskrise ihren Verlauf ändert und sich zum Bessern wendet?

Wir kennen Wendepunkte meist aus negativen Zusammenhängen. Dann beschreiben sie die Entwicklung hin zu einer kritischen Schwelle, hinter der es, ist sie einmal erreicht, kaum ein Zurück gibt: Wenn etwa mit dem Schmelzen des Permafrosts der Meeresspiegel steigt oder wir mit dem fortgesetzten Verlust von Amazonas-Regenwald auch dessen Eigenschaft als Kohlenstoffsenke einbüßen.

Doch solche Dynamiken können sich auch in die andere Richtung bewegen. Wir sprechen dann von „positiven Wendepunkten“. Auch dann entwickelt sich ein System in Richtung einer Schwelle – geht aber nach dem Erreichen eines Wendepunktes über in eine positive Dynamik. Die Transformation wird beschleunigt und lässt sich schwerer rückgängig machen. Entschlossene Politik für mehr Nachhaltigkeit, innovative Technologien und umweltfreundliches Verhalten sind dafür wichtige Triebkräfte. Sie sind sehr geeignet, die Systeme in eine nachhaltige Richtung zu bewegen.

Hoffnung auf die Zukunft

Seit fast 30 Jahren verweist der Living Planet Report des WWF auf den anhaltenden Rückgang der globalen Artenvielfalt. Genauso lang beschäftigt uns die Frage, was nötig ist, um diesen Trend zu brechen. 2022 dann kam neue Hoffnung auf.

Eine junge Frau sitzt mit dem Rücken zum Betrachter auf einen Ast und schaut auf einen Regenwald
Der Blick nach vorn braucht Zuversicht © Echo Lens / iStock / Getty Images

Auf der Weltnaturkonferenz in Montreal verständigten sich fast alle Länder der Erde darauf, den Verlust biologischer Vielfalt bis 2030 zu stoppen – und umzukehren. Ein überfälliges Signal und eine konkrete Absichtserklärung, innerhalb der planetaren Grenzen leben und die globale Gesellschaft vor einem Systemkollaps schützen zu wollen. Diese Übereinkunft zum Erhalt der Natur – das sogenannte Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework (GBF) des UN-Abkommens über die biologische Vielfalt (CBD) – gehört zum Besten, zu dem sich eine Generation jemals verpflichtet hat. Es legt Ziele fest und enthält eine Struktur zur Zusammenarbeit.

Vier Jahre nach diesem Beschluss ist Ernüchterung eingekehrt. Die Staatengemeinschaft ist vom Kurs abgekommen. Mehr noch: Viele Länder bewegen sich rückwärts und schieben die Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen auf die lange Bank. Davon geht eine fatale Botschaft an die zukünftigen Generationen aus. Zudem kommt es dem Wohlstand, der Widerstandsfähigkeit und der Sicherheit unserer Gesellschaften teuer zu stehen.

Nie zuvor war die Menschheit wohlhabender, technologisch fortgeschrittener und besser informiert. Zugleich zerrinnen die Lebensgrundlagen unseres Wohlstands in beispiellosem Tempo. Der weltweite Verlust von Artenvielfalt gilt heute weithin als existenzielle Bedrohung für die wirtschaftliche Stabilität, unsere Sicherheit und unser aller Wohlergehen.

WWF Living Planet Report 2026

Wie wir die Ziele bis noch 2030 erreichen können

Luftaufnahme eines natürlichen Flusslaufes in Afrika
Intakte Natur ist die beste Verbündete, wie diese Flusslandschaft im Selous-Wildreservat in Tansania © Michael Poliza / WWF

Noch bleibt Zeit für die Kehrtwende. Denn die große Stärke des GBF ist seine umfassende Perspektive: Es geht über traditionelle Naturschutzmaßnahmen hinaus.

Die Staaten beschlossen einen gesamtgesellschaftlichen Ansatz, der unser dysfunktionales Verhältnis zur Natur verändern würde. Der Beschluss will vordringlich dreierlei erreichen:

  • den natürlichen Klimaschutz umsetzen – den besten Verbündeten im Kampf gegen die Klimakrise,
  • die Transformation der Nahrungsmittelerzeugung vorantreiben und
  • die Investitionen der Finanzwirtschaft umlenken, von der noch zu viele Naturschäden ausgehen.

Das Zeitfenster wird kleiner, aber bleibt weiter offen.

Was wir ändern müssen …

Der Living Planet Report 2026 konfrontiert uns erneut mit den Realitäten. Zugleich erhält er die Hoffnung aufrecht, dass wir im Schulterschluss, getragen von verbindenden Überzeugungen, die natur- und umweltbelastenden Systeme überwinden, um das Lebendige zu bewahren. Dafür brauchen wir ein klares Bekenntnis der Politik und Handlungsbereitschaft ...

Jaguar, Living Planet Report Icon Naturschutz

… im Naturschutz

  • für den effektiven Schutz der Natur auf 30 Prozent der Landes- und Meeresfläche, darunter zehn Prozent strenger Schutz.
  • für die konsequente Umsetzung von Renaturierungsmaßnahmen durch Wiedervernässung von Mooren, Flussrenaturierungen und den Umbau zu klimaresistenten Wäldern.
  • für den natürlichen Klimaschutz, um die Synergien von Renaturierungen, wie zum Beispiel den Waldumbau, für den Klimaschutz effektiv zu nutzen.
Windräder, Living Planet Report Icon Energie

… in der Energieversorgung

  • für die weitere Elektrifizierung und den Ausbau der erneuerbaren Energien, um den Abschied von Kohle, Öl und Gas zu beschleunigen.
  • für mehr Flexibilität und Digitalisierung im Stromsystem, um Stromnetze und Stromspeicher konsequent (massiv) auszubauen.
  • für den Abbau und die Umlenkung fossiler Subventionen und Steuervergünstigungen, um die frei werdenden Mittel für die Energiewende, mehr Energieeffizienz und eine sozial gerechte, ökologische Transformation zu nutzen.
Traktor, Living Planet Report Icon Landwirtschaft

… in der Nahrungsmittelproduktion und Ernährung

  • für mehr Artenvielfalt auf allen landwirtschaftlichen Flächen.
  • für weniger Verluste und Verschwendung von Lebensmitteln.
  • für die Umkehrung umweltschädlicher Subventionen zugunsten einer nachhaltigen Nahrungsmittelproduktion.
Euro-Zeichen, Living Planet Report Icon Finanzen

… in der Finanzwirtschaft

  • für die konsequente und verbindliche Integration von Klima- und Biodiversitätsschutz in die Geschäftsmodelle von Finanzinstituten.
  • für einen sofortigen Stopp öffentlicher und privater Finanzströme in fossile Infrastrukturen und naturzerstörende Wirtschaftsweisen – auch und besonders entlang von Wertschöpfungsketten.
  • für einen regulatorischen Rahmen, der öffentliches und privates Kapital im großen Stil in die Beseitigung von Naturschäden, grüne Transformation und eine krisenfeste Wirtschaft lenkt.

Der Living Planet Report 2026 zum Download

Bewahren Sie Lebensräume auf der ganzen Welt

Von Amazonas bis Asien, von der Arktis bis in die tropischen Regenwälder – auf der ganzen Welt arbeitet der WWF in mehr als 1.300 Projekten an der Bewahrung der biologischen Vielfalt. Ohne Ihre Spende für den Naturschutz wäre diese Arbeit nicht möglich. Wählen Sie eines unserer Projekte aus und unterstützen Sie es mit Ihrer Spende.

  • Blätterdach im Regenwald, Brasilien © Jody MacDonald / WWF-US
    Helfen Sie den Tropenwäldern weltweit
    Retten Sie mit uns die grüne Lunge unseres Planeten.
    Tropenwälder schützen
  • Feuerrodung im Amazonas © WWF-Brazil
    Für den Amazonas-Regenwald spenden
    Wenn der Amazonaswald stirbt, stirbt nicht nur alles Leben in ihm. Die Folgen werden wir…
    Den Amazonas retten
  • Mangrovenwald © Khun Jompol / Getty Images iStockphoto / WWF
    Mangroven bewahren und das Klima schützen
    Mehr als 40 Prozent der weltweiten Mangrovenbestände sind bereits zerstört. Helfen Sie mit…
    Die Mangroven retten
  • Junger Buckelwal © Shutterstock / Craig Lambert / WWF
    Geben wir den Meeren ihre Stimmen zurück
    Jedes Jahr sterben Abertausende Meerestiere – weggefischt, vergiftet durch Plastik,…
    Meere schützen
  • Waldbrand in Deutschland
    Wälder auf der ganzen Welt schützen
    Wir müssen jetzt die Wälder unserer Welt beschützen. Pro Minute gehen 21 Hektar verloren -…
    Wälder schützen
  • Großer Ameisenbär
    Unsere Savannen sind bedroht!
    Der WWF ist vor Ort, um die unterschätzten Ökosysteme zu schützen und wiederherzustellen.
    Savannen schützen
  • Jaguar in einem Baum © Yves Jacques / REY MILLET / WWF
    Jaguarwälder schützen
    Es leben vielleicht noch 180.000 Jaguare im Amazonas-Gebiet. Ihre Spende kann den…
    Die Wälder retten
  • Junge Löwen © Shutterstock / Theodore Mattas / WWF-Sweden
    Helfen Sie Unganisha
    Mit ihrer Hilfe sorgen wir dafür, dass die Wildtiere und Menschen trotz der dramatischen…
    Unganisha bewahren
  • Elefanten in Dzanga-Sangha © Carlos Drews / WWF
    Hilfe für den Nationalpark Dzanga-Sangha
    Wilderei ist mehr als ein Verbrechen an der Natur. Der Schutz bedrohter Arten und der…
    Dzanga-Sangha bewahren
  • Jaguar an einem Fluss in Brasilien © Richard Barrett / WWF-UK
    Für Chiribiquete und Jaguar spenden
    Wenn wir den Jaguar schützen, bewahren wir also zugleich den Regenwald und mindern das…
    Mehr erfahren
  • Zebras halten Ausschau © Martin Harvey / WWF
    Für Tiere der Serengeti spenden
    Sichern Sie mit uns den Mara, die Lebensader der Savanne! jeder Tropfen des Flusses Mara…
    Mehr erfahren
  • Abholzung bedroht Urwälder im Kaukasus © Aurel Heidelberg / WWF Deutschland
    Kaukasus
    Im Kaukasus konnten wir im Naturschutz in den vergangenen 20 Jahren eine Menge bewegen.
    Den Kaukasus schützen
  • Taucher findet Geisternetz © Christian Howe / WWF
    Geisternetze in der Ostsee
    Mit diesem Projekt sagen wir den Geisternetzen in Ostseegewässern den Kampf an.
    Schluss mit Geisternetzen
  • Ostseestrand bei Warnemünde © Ralph Frank / WWF
    Oh Ostsee! Das Binnenmeer ist bedroht.
    Urlaub, Strand und Meer, das verbinden wohl die meisten Menschen mit der Ostsee. Doch das…
    Ostsee retten
  • Plastikmüll in Phu Quoc © Melanie Gömmel / WWF
    Stopp die Plastikflut
    Der WWF arbeitet weltweit mit Menschen, Unternehmen und Politik zusammen, um die…
    Plastikflut stoppen
  • Climate March in New York © WWF-US / Keith Arnold
    Spende für den Klimaschutz
    Wir setzen uns für ambitionierten Klimaschutz auf nationaler und internationaler Ebene ein
    Klimaschutz ermöglichen

Die Living Planet Reports der vergangenen Jahre

  • Meeresschildkröte im Riff © vlad61 / Getty Images Living Planet Report 2024

    Die 15. Ausgabe des Living Planet Reports zeigt: Die Doppelkrise aus Naturverlust und Erderwärmung bedroht unser Leben, so wie wir es kennen. Viele Kipppunkte sind in Sicht. Doch der Wandel kann noch gelingen. Weiterlesen ...

  • Berggorilla © Paul Robinson / WWF Living Planet Report 2022

    Die Klimakrise ist in unserem Alltag angekommen. Weniger hautnah erlebbar, aber gleichwohl dramatisch, ist die Artenkrise. Die 14. Ausgabe des Living Planet Reports zeigt, wie die Arten- und Klimakrise zusammenhängen und welche Lösungen es gibt. Weiterlesen ...

  • Frau mit Chamaeleon © Jonathan Caramanus / Green Renaissance / WWF UK Living Planet Report 2020

    Wälder brennen, Feuchtgebiete trocknen aus, Eismassen schmelzen und der Meeresspiegel steigt. Auch die 13. Ausgabe des WWF Living Planet Report belegt: Der Verlust setzt sich fort, die biologische Vielfalt nimmt ab. Weiterlesen ...