Dann zeigt sich, dass etwa die Hälfte der Tierbestände, die der LPI erfasst, stabil sind oder zunehmen. Schauen wir noch genauer hin, sehen wir, dass überall dort, wo Menschen sich für die Natur einsetzen, die Tierwelt zurückkommt. Das heißt: Der fortwährende Schwund von Biodiversität, den es gibt und der auch hier wieder festgestellt werden muss, ist nicht unveränderlich. Positiver Wandel ist möglich, wenn Menschen gemeinsam und mit Überzeugung daran arbeiten!
Es fehlt nicht an Wissen über den Zustand des Lebendigen. Es fehlt nicht einmal an Vereinbarungen. Denn über die vordringlichsten Ziele herrscht weitgehend Einvernehmen. Es fehlt bei den Verantwortlichen an Entschlossenheit zum Handeln. Wobei selbst das Handlungsprogramm bekannt ist. Es heißt Transformation: Transformation der Energieerzeugung, der Nahrungsmittelproduktion und des Finanzsystems. Es geht also darum, welche Branchen wir fördern, welche Aktivitäten wir finanzieren und welche wir vernachlässigen. Alle drei Systeme tragen auf verschiedene Weise, aber mehr als andere, zum Naturverlust bei. Das darf so nicht bleiben. Denn wir riskieren das, was wir zum Leben brauchen, das was wirklich wichtig ist. Im Übrigen gefährden wir mit dem Verlust biologischer Vielfalt auch wirtschaftliche Stabilität und gesellschaftlichen Wohlstand.
Aber auch in den genannten Systemen finden wir Zeichen, die Hoffnung machen. Gesunde, nachhaltig erzeugte Lebensmittel werden zum Mainstream. Und auf immer mehr Dächern glänzen die Solarpanels im Sonnenlicht. An Land und auf See drehen sich die Windräder, um uns mit sauberem Strom zu versorgen. Das Hoffnungsvolle ist also in Bewegung.
Aus Sicht von 2026 ist Halbzeit. 2022 verständigten sich fast alle Länder der Erde darauf, den Verlust biologischer Vielfalt bis 2030 zu stoppen und umzukehren. Es besteht Einvernehmen über das Ziel, die Transformation kritischer Systeme voranzutreiben. Trotzdem geht es nicht voran wie geplant. Manche Länder bewegen sich zurück statt voran. Kurzum: Die Staatengemeinschaft muss retour in die Spur.
Dürfen wir trotzdem für die verbleibenden vier Jahre auf einen Kurswechsel hoffen? Vielleicht ist es ja so, dass es weder an Zeichen noch an Gründen zur Hoffnung fehlt, aber an Menschen, die sie erkennen. Denen will unser Bericht mit ermutigenden Argumenten beim Finden helfen.
Kathrin Samson, Vorstand Naturschutz und Heike Vesper, Vorstand Transformation Politik & Wirtschaft