Durian - indonesische Delikatesse. © Jimmy Syahirsyah / WWF Indonesien
Durian - indonesische Delikatesse. © Jimmy Syahirsyah / WWF Indonesien

Speisekammer Regenwald

Wälder sind Lebensraum und Lebensgrundlage für 1,8 Milliarden Menschen, darunter sind viele indigene Völker. Sie sind auf die Wälder und ihre Produkte angewiesen. Hierzu gehören neben Holz, Bambus, Rattan, Harzen und Medizinalpflanzen auch Nahrungsmittel wie Früchte, Gemüse oder Wurzeln. Aus tropischen Regenwäldern stammen zum Beispiel Sagopalme, Maniok, Yamswurz, Kakao und Vanille.

Der Tengkawang-Baum produziert eine ölhaltige Samenfrucht, die kommerziellen Wert hat. Auf den internationalen Märkten ist diese Samenfrucht als “Illipe-Nuss“ bekannt. Sie bestehen zu 40 Prozent aus Öl, das in seinen physikalischen und chemischen Eigenschaften Kakaobutter ähnelt. Es lässt sich gut mit anderen pflanzlichen Ölen und Fetten vermischen und ist ein mögliche Alternative zu Kakaobutter in Schokolade. Auf Borneo wird es seit langem zur medizinischen Wundbehandlung und als Ersatz für tierische Fette beim Kochen verwendet.

Der Durian- oder Zibetbaum (Durio zibethinus) wird bis zu 30 Meter hoch und erzeugt vom siebten Jahr an kopfgroße, bis drei Kilogramm schwere Früchte. Sie werden auch als "Stinkfrucht" bezeichnet, was Orang-Utans nicht daran hindert, sie vor allen anderen Waldfrüchten zu bevorzugen. Geschmack und Geruch der großen stacheligen Früchte sind nicht jedermanns Sache – eine Mischung aus schlecht geputztem Klo und saurem Apfelwein. In Südostasien gelten die Früchte allerdings als Delikatesse und Kenner können Herkünfte und Sorten unterscheiden.

Der Mengaris-Baum (Koompassia excelsa), ist mit Höhen bis zu 85 Metern der höchste Baum Borneos. Vom Baum selbst wird kein Produkt gewonnen, aber er ist der wichtigste Nistplatz für Bienenvölker, die in der weitausladenden Krone ihre Nester anlegen. Noch heute finden sich an vielen alten Mengaris-Bäumen Narben von Leitern, die die Urbevölkerung bereits vor langer Zeit angelegt hatten, um den Honig aus den Bienennestern zu nutzen. Auch künstliche Bienennester werden in der Krone verankert, manchmal bis zu einem Dutzend pro Baum.

Sago ist ein geschmacksneutrales Verdickungsmittel aus Stärke und stammt von verschieden Palmenarten (Metroxylon sagu, Caryota spp., Caryopha spp., Arenga spp.). Es wird in Südostasien zu Mehl verarbeitet und stellt eine wichtige Nahrungsgrundlage dar. Es wird heute auch aus Wurzelknollen anderer tropischer Pflanzen wie beispielsweise Maniok gewonnen.

• Die Knollen der Yamswurz (Dioscorea) und die Frucht der Kochbanane sind wichtige Kohlehydratlieferanten für Menschen in den Regenwäldern Südamerikas.

Nur wenige Arten lassen sich vermarkten

Die Zahl der potenziellen Nahrungspflanzen wird auf rund 75.000 geschätzt, von denen ein großer Teil in den Tropen beheimatet ist. So könnten 20 bis 30 Prozent allein der Amazonasregenwaldpflanzen als Nahrung dienen. Von den 2.500 bisher identifizierten Regenwaldfrüchten beispielsweise sind nur etwa 50 gut bekannt. Davon werden heute nur etwa 15 Arten (z.B. Ananas, Banane, Mango, Grapefruit und Limetten) weltweit vermarktet.

Von Papua Neuguinea sind beispielsweise mehr als 250 Speisepflanzen bekannt, von denen zwei Drittel ausschließlich in Wäldern gesammelt werden.

Allerdings: Das Vermarktungspotential von im Regenwald gesammelten Früchten ist trotz des reichhaltigen Vorkommens begrenzt, da sich die meisten Früchte nicht unbeschadet transportieren oder lagern lassen. Zu Konzentraten und Säften verarbeitet könnten sie aber einen bedeutenden Exportanteil stellen. Ein großes Potenzial der Regenwaldfrüchte liegt in ihrer Bedeutung für die Eigenversorgung über regionale Märkte.